Nie wieder Fehlgeburten?

Verena Elson Medizinredakteurin
Eine glückliche Mutter mit ihrem Neugeborenen
Eine aktuelle Studie gibt Frauen nach mehreren Fehlgeburten Hoffnung auf eine erfolgreiche Schwangerschaft © Fotolia

Wiederholte Fehlgeburten bedeuten für betroffene Frauen meist eine enorme seelische Belastung. Jetzt ist es britischen Forschern gelungen, eine mögliche Ursache für die wiederkehrenden Abgänge auszumachen – damit rückt eine Therapie in greifbare Nähe.

Wenn Frauen drei oder mehr Fehlgeburten hintereinander haben, könnte ein bestimmter Defekt in der Gebärmutterschleimhaut dahinterstecken – so lautet das Ergebnis einer aktuellen britischen Studie. Die gute Nachricht: Bereits in fünf Jahren könnte dieses Problem medikamentös behoben werden.

 

Gebärmutterschleimhaut altert zu schnell

Wissenschaftler der University of Warwick analysierten Proben der Gebärmutterschleimhaut von 183 Patientinnen, die bereits drei oder mehr Fehlgeburten erlitten hatten. Dabei fiel auf: Verglichen mit einer Kontrollgruppe wiesen die Proben dieser Frauen weniger Stammzellen auf. Stammzellen sind Produktionsstätten neuer Zellen – sie bilden sogenannte Tochterzellen, aus denen neues, „junges“ Gewebe entsteht. Stammzellen sind notwendig, damit sich die Gebärmutterschleimhaut immer wieder erneuern kann. Bei Frauen, denen diese Zellen fehlen, altert die Gebärmutterschleimhaut schneller und eine erfolgreiche Schwangerschaft wird unwahrscheinlicher.

Expertenschätzungen zufolge erleidet eine von 100 Frauen drei oder mehr Fehlgeburten hintereinander. Studienleiter Prof. Jan Brosens: „Ich kann mir vorstellen, dass wir in der Lage sein werden, diese Defekte zu beheben, bevor die Patientin wieder versucht, schwanger zu werden.“

 

Therapie in Aussicht

Dafür wollen die Forscher verschiedene Ansätze verfolgen. Co-Autorin Siobhan Quenby erklärt: „Im Frühling 2016 werden wir anfangen, neue Methoden zu testen, die die Gebärmutterschleimhaut verbessern. Erstens wollen wir die Diagnose bei Frauen mit wiederkehrenden Fehlgeburten verbessern, indem wir neue Tests entwickeln. Zweitens gibt es eine Reihe von Medikamenten und Eingriffen, (...) die das Potenzial haben, die Anzahl der Stammzellen in der Gebärmutterschleimhaut zu erhöhen.“

Schon in wenigen Jahren könnten betroffenen Frauen demnach Therapiemöglichkeiten zur Verfügung stehen. Allerdings ließen sich Fehlgeburten damit nicht per se verhindern, denn es gibt eine Reihe weiterer möglicher Ursachen, zum Beispiel – ein besonders häufiger Auslöser für Fehlgeburten in der Frühschwangerschaft – genetische Schäden im Erbgut des Embryos.

Hamburg, 8. März 2016

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