Nie wieder Angst vor Spinnen?

Verena Elson
Spinne auf einer Hand
Eine Spinne über die eigene Hand krabbeln lassen – für viele ehemalige Spinnenphobiker ist das nach einer Konfrontationstherapie tatsächlich möglich © iStock

Mit virtuellen Bildern die Angst vor realen Situationen bekämpfen: Bei der Behandlung von Phobien sehen Wissenschaftler in der sogenannten Virtual Reality die Therapie der Zukunft. Denn sie hat viele Vorteile gegenüber der „echten“ Konfrontationstherapie.

Die Spinne ist nicht echt, die Angst aber schon: Wenn Spinnen-Phobiker eine Virtual-Reality-Brille (VR-Brille) tragen und eine virtuelle Spinne in einer virtuellen Küche betrachten, zeigen sie die gleichen körperlichen Reaktionen wie bei der Konfrontation mit einer echten Spinne – sie weichen zurück, dabei beschleunigt sich ihr Pulsschlag und sie fangen an zu schwitzen.

Und das, obwohl sie wissen, dass da in Wirklichkeit gar keine Spinne ist – wie kommt das? Experten erklären es damit, dass Wissen bei Ängsten keine Rolle spielt. Auch in der eigenen Küche zu Hause weiß der Spinnenphobiker, dass die Hausspinne an der Wand ihm nichts tun kann – und trotzdem hat er Angst.

 

Virtuelle Konfrontationstherapie

Diese Tatsache wollen sich Psychotherapeuten bei der sogenannten Konfrontations- oder Expositionstherapie zunutze machen. Diese hat sich bei einigen Angststörungen – darunter Höhenangst, Flugangst und Spinnenangst – als wirksam erwiesen. Dabei wird der Patient immer wieder gezielt mit Situationen konfrontiert, vor denen er sich fürchtet. Ziel der Therapie ist es, dass Betroffene dabei ihre Ängste „verlernen“, indem sie immer wieder erleben, dass bei der Konfrontation nichts Schlimmes passiert.

Allerdings ist diese Form der Therapie sehr zeit- und kostenaufwendig. Wissenschaftler forschen darum seit Jahren an einer Alternative, die Flugtickets und Zoobesuch überflüssig macht – der Therapie mit VR-Brille. Therapeuten und Programmierern sind in der Erschaffung neuer Angstszenarien für die Patienten keine Grenzen gesetzt.

Bereits in den 1990er Jahren gab es Experimente zum Anti-Angst-Training mit VR-Brillen. Allerdings war das Erlebnis damals noch nicht weit genug entwickelt, um die echte Konfrontationstherapie zu ersetzen. Denn um sich wirklich in die vorgespielte Situation hineinzuversetzen, muss sie realistisch wirken – und das tut sie vor allem dann, wenn das Geschehen auf dem Bildschirm auf eigene Reaktionen und Bewegungen reagiert. Inzwischen sind Sensoren und Bildschirme der VR-Systeme so weiter entwickelt worden, dass sie erstaunlich echte Erlebnisse vermitteln.

Mann mit VR-Brille
Die Virtual-Reality-Brille besteht aus einem vollkommen blickdichten und lichtundurchlässigem Headset, das jedem Auge ein anderes Bild zeigt – so entsteht der Eindruck von räumlicher Tiefe© iStock
 

Vorteile und Nebenwirkungen der VR-Therapie

Zahlreiche Studien konnten indes zeigen, dass die VR-Therapie mindestens genauso erfolgreich ist in der Behandlung von Phobien wie die klassische Konfrontationstherapie. Neben der leichteren Umsetzung sehen einige Experten außerdem einen Vorteil in der besseren Dosierbarkeit der Exposition, die nachweislich zu weniger Rückfällen führt als der „Ganz oder gar nicht“-Ansatz. Ist ein Patient mit Flugangst einmal in ein Flugzeug gestiegen, gibt es kein Zurück mehr. Mit der VR-Brille lässt sich das Tempo der Therapie ganz auf die Bedürfnisse des Patienten einstellen.

Doch auch diese Therapie ist nicht ohne Nebenwirkungen: Bei einigen Patienten kommt es zur sogenannten „Motion Sickness“, die sich in Schwindel, Desorientierung und Übelkeit äußert.

 

Gibt es die VR-Therapie schon?

Noch ist die VR-Therapie bei Phobien nicht in der psychotherapeutischen Praxis angekommen. Experten rechnen aber damit, dass sie sich in den kommenden Jahren immer mehr etablieren wird. In der Hochschulambulanz für Psychotherapie der Universität Regensburg können sich Patienten bereits mit der neuen Methode behandeln lassen – nähere Informationen finden Sie hier.

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