Neurodermitis - ist Ihr Staubsauger schuld?

Hausstaubmilbe
Hausstaubmilben produzieren laut einer neuen Studie ein Enzym, das Neurodermitis begünstigt © Fotolia

Von diesem Neurodermitis-Auslöser sind wir ständig umgeben: Laut einer neuen Studie produzieren Hausstaubmilben ein bestimmtes Enzym, das die Hautentzündung fördern kann.

Wissenschaftler der britischen Universität Oxford könnten eine Quelle für Neurodermitis gefunden haben: In einer Studie konnten sie nachweisen, dass ein von Hausstaubmilben produziertes Enzym mit der Bezeichnung Phospholipase als Allergen wirkt. Es verändert die sogenannten Phospholipide der Haut. Darunter versteht man den Hauptbestandteil von Zellmembranen. Die Phospholipide reagieren auf das Enzym mit einer Aktivierung der T-Zellen des Immunsystems – wodurch wiederum eine Entzündungsreaktion der Haut ausgelöst wird.

 

Phospholipase-Aktivität bei Patienten war auffällig

Für die Studie entnahmen die Forscher um Chefautor Rachael Jarrett Blut- und Hautproben von Neurodermitis-Patienten. Dabei stellten sie bei den Probanden verglichen mit gesunden Menschen eine erhöhte Phospholipase-Aktivität sowie mehr reaktive T-Zellen fest.

Neurodermitis-Patienten haben meist juckende und schuppige Hautentzündungen, die in Schüben verlaufen. Die chronische Hautkrankheit trifft vor allem Kinder: Rund 15 Prozent von ihnen leiden unter der Erkrankung, bei der die natürliche Barrierefunktion der Haut gestört ist. Die genauen Ursachen sind bisher unklar – es wird aber vermutet, dass genetische Anlagen eine Rolle spielen und Betroffene deshalb stärker auf Umwelteinflüsse reagieren. Auch das sogenannte Filaggrin-Gen steht im Zusammenhang mit Neurodermitis im Interesse der Forscher: Das Protein ist am Verhornungsprozess der Haut beteiligt. Die aktuelle Studie zeigt, dass ein intaktes Filaggrin in der Lage ist, die Wirkung des Enzyms der Hausstaubmilbe und die Aktivierung der T-Zellen zu hemmen.

 

Weitere Studien sollen die Erkenntnisse belegen

Kritiker sehen in der Studie bisher nur einen möglichen Ansatz, um neue Behandlungsmethoden für Neurodermitis zu entwickeln und die genauen Ursachen einzugrenzen. „Der beschriebene Pathomechanismus dürfte nicht der zentrale Mechanismus, sondern ein Stück in einem großen komplexen Puzzle sein", so beispielsweise Natalija Novak, Leitende Oberärztin an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der Universität Bonn. Dennoch ist die Studie ein erster Erfolg im Kampf gegen die Hautkrankheit.

Um Hausstaubmilben möglichst effektiv zu bekämpfen, ist häufige Reinigung sehr wichtig. Besonders der Staubsauger sollte dabei zum Einsatz kommen: Die modernen Geräte besitzen in der Regel alle einen sogenannten Hepa-Filter, der feinste Staubpartikel und den meist Allergien auslösenden Kot der Hausstaubmilben einfangen kann. Da sich die Tiere außerdem im Bettzeug sehr wohlfühlen, sollte dieses alle 14 Tage gewaschen werden.

Hamburg, 11. Februar 2016

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