Neuro Athletik: 3 Übungen für zuhause

Redaktion PraxisVITA

Belgien-Star Thorgan Hazard hat nicht nur mit seinem Siegestor gegen Portugal für Aufmerksamkeit gesorgt. Auch sein Jubel danach fiel auf: Der Mittelfeldspieler machte eine ganz besondere Geste, die von Expertin Almuth Schult mit Neuro Athletik erklärt wurde. Aber was genau ist Neuro Athletik? Alle Infos und drei Übungen zum Nachmachen.

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Nach dem Siegestor gegen Portugal formte Torschütze Thorgan Hazard die eine Hand zu Hasenohren und die andere zur Pistole, und wechselte im schnellen Tempo dann immer wieder die Hände mit der jeweils anderen Geste. Was zunächst wie eine makabre Drohung wirkte, hat eine ganz andere und einfache Erklärung: Neuro Athletik, ein Trend, den immer mehr Sportler:innen in ihr Trainingsprogramm aufnehmen. Doch was genau steckt hinter dem neuen Trend und welche Neuro Athletik Übungen sind besonders sinnvoll?

 

Was ist Neuro Athletik?

Erstmals wurde Neuro Athletik (engl. Neuro Atletic Training) im Rahmen der Fußball-WM 2014 bekannt, als der Sportwissenschaftler Lars Lienhard die deutsche Nationalmannschaft betreute. Er setze Neuro Athletik als Ergänzung zum klassischen Trainingsprogramm ein. Der Fokus lag nicht mehr allein auf Kraft, Ausdauer und Bewegungsabläufen, sondern auf einer neuen Komponente: auf die Neurophysiologie.

Neuro Athletik möchte die Verbindung zwischen Körper, Nervensystem und Gehirn stärken. Denn jede Bewegung ist mit dem zentralen Nervensystem verknüpft, das die Informationen an das Gehirn weiterleitet. Das Gehirn wertet die Informationen aus und aktiviert die Bewegung.

Somit hängt die körperliche Leistungsfähigkeit und die Qualität der Bewegungsabläufe wesentlich von der Qualität der Informationsverarbeitung ab – so die Grundannahme. Schmerzen, Verspannungen und Leistungseinbußen seien daher Anzeichen für Defizite in der Bewegungssteuerung. Als zentrale bewegungssteuernde Elemente gelten die Augen und das Gleichgewichtsorgan.

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Neuro Athletik geht auf den Athletik-Trainer Eric Cobb zurück. Vor rund zwanzig Jahren entwickelte er ein Ausbildungssystem für Trainer und Therapeuten. Er nannte es „Z-Health Education System“. Lars Lienhard entwickelte das Progamm schließlich weiter und setzte es als Erster im Spitzensport ein.

 

Wie funktioniert das Neuroathletik-Training?

Um das Leistungspotential voll auszuschöpfen, werden spezielle Übungen angewandt, um gezielt bestimmte Hirnareale zu stimulieren, neue Synapsen zu bilden und dadurch die Bewegungssteuerung zu trainieren. Auf diese Weise soll die körperliche Leistungsfähigkeit gesteigert, Verletzungen vorgebeugt und der allgemeine Gesundheitszustand verbessert werden.

 

Neuro Athletik: 3 Übungen für zuhause

Nicht nur Spitzensportler profitieren von Neuro Atheltik Übungen, sondern auch Hobby-Sportler. Die folgenden Übungen trainieren vor allem die beiden wichtigsten bewegungssteuernden Elemente: die Koordination und die Augen.

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1. „Hase und Jäger“ stimuliert beide Gehirnhälften

Diese Übung, die auch Thorgan Hozard nach seinem Siegestor gemacht hat, soll die Kommunikation zwischen den beiden Gehirnhälften stärken und die Koordinationsfähigkeiten verbessern.

So geht die Übungen:

  1. Formen Sie mit der linken Hand den „Hasen“, indem Sie Zeige- und Mittelfinger erheben. Die Handfläche zeigt dabei nach vorne.
  2. Mit der rechten Hand formen Sie eine Pistole. Strecken Sie dafür Daumen und Zeigefinger in Richtung der anderen Hand aus.
  3. Wechseln Sie nun die Seiten gleichzeitig: Die linke Hand zeigt die Pistole, die rechte Hand den Hasen.
  4. Wiederholen Sie das zwanzig Mal – möglichst, ohne beim Wechsel Fehler zu machen. Je sicherer Sie sind, desto schneller können Sie werden.

Um den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen, lässt sich die Übung mit einer anderen Körperbewegung verbinden: Machen Sie bei jedem Wechsel einen Ausfallschritt oder klatschen Sie nach drei Positionswechseln einmal vor und einmal hinter Ihrem Rücken in die Hände.

 

2. Neuroathletiktraining für die Augen

Die Augen gilt in der Neuro Athletik als wichtigstes bewegungssteuerndes System. Die feinen Muskelstränge in den Augen können gezielt mit der folgenden Übung trainiert werden.

So geht die Übung:

  1. Strecken Sie Ihren Arm aus und zeigen Sie mit dem Zeigefinger nach oben. Dabei ist die Handfläche zu Ihnen gerichtet.
  2. Bewegen Sie den Arm langsam zur linken Seite hin und folgen Sie mit dem Blick den Zeigefinger. Machen Sie dasselbe für die rechte Seite.
  3. Wiederholen Sie für jede Seite fünfmal.

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3. Verbindung aus Koordinations- und Augentraining

Mit der folgenden Übung trainieren Sie sowohl Ihre Koordinationsfähigkeiten als auch Ihre Augenmuskeln, dabei vor allem das periphere Sehen.

So geht die Übung:

  1. Suchen Sie sich einen Fixpunkt im Raum und richten Sie Ihren Blick darauf.
  2. Laufen Sie nun eine „Acht“ ab – bleiben Sie dabei mit dem Oberkörper immer in Richtung des Fixpunkts und lassen Sie den Blick die ganze Zeit darauf ruhen.
  3. Machen Sie insgesamt zehn Runden.

Inzwischen gibt es sportmedizinische Praxen und Personal Trainer, die Neuro Athletik Übungen in ihrem Angebot aufgenommen haben – allerdings werden die Kosten eines Trainings nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Mehr Neuro Athletik Übungen gibt es hier:

Quelle:

Neuroathletiktraining (NAT): Was Schielen und Summen mit Bewegungsqualität zu tun haben, in: Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin

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