Neugeborenes Baby: Die ersten Tage zu Hause – worauf achten?

Kinderärztin Dr. Nadine Hess gibt Tipps für die ersten Tage mit Baby
Expertin Dr. Hess: „Normalerweise reicht es aus, wenn Ihr Kind in den ersten Lebenswochen von der Hebamme und beim Kinderarzt gewogen wird. Alles andere macht die Eltern eher unsicher.“ © privat

So lange hat man darauf gewartet, das Kind endlich in den Armen zu halten. Nun ist es soweit, die anstrengende Geburt ist geschafft, die abschließenden Untersuchungen von Kind und Mama sind erfolgt – man darf nach Hause. Beim ersten Kind stellen sich da viele Fragen: Worauf muss man sich einstellen? Woher weiß man, ob das Baby genug trinkt? Sollte ich es täglich wiegen? Vielleicht sogar nach jeder Stillmahlzeit? Wie oft sollten die Windeln gewechselt werden und woher weiß ich, wieso das Kind weint?

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Die ersten Tage zu Hause sind anstrengend und wunderschön zugleich. Wenn man Glück hat, hat auch der Papa ein paar Tage Urlaub und man kann gemeinsam die ersten Tage als Familie auf sich zukommen lassen. Geprägt ist diese Zeit vom „Kennenlernen“ – es wird ein bisschen Zeit brauchen, bis Sie Ihr Baby besser verstehen. Zu Beginn klingt jedes Schreien gleich, aber ziemlich schnell stellt man Unterschiede fest: Wenn das Baby Hunger hat, schreit es anders, als wenn es Nähe braucht, müde ist oder gar Bauchweh hat. Geben Sie sich und Ihrem Baby diese Zeit, sich aneinander zu gewöhnen und kennenzulernen.

 

Neugeborenes Baby: Wie lange schlafen ist normal?

Die ersten Tage mit Baby als frischgebackene Familie
Neugeborene schlafen in den ersten Tagen etwa 20 Stunden – nur unterbrochen, um zu trinken© Fotolia

Einen Tag-Nacht-Rhythmus wie wir, mit der Hauptschlafphase über Nacht, wird Ihr neugeborenes Baby noch nicht haben – es wird vielmehr ständig schlafen und zwischendurch nur kurz wach sein, um zu trinken.

Es ist nicht ungewöhnlich, wenn ein neugeborenes Baby in den ersten Tagen insgesamt 20 Stunden, manchmal sogar noch ein bisschen länger, über den ganzen Tag verteilt schläft.

 

Neugeborenes Baby: Wie viele Mahlzeiten?

Die ersten Tage mit Baby - wieviel trinken?
Neugeborene sollten ungefähr 120-150 Milliliter pro Kilo und Tag trinken. Bei einem Kind von 3500 Gramm sind das also circa 400 bis 500 Milliliter am Tag© Shutterstock

Wenn Ihr Baby nach der Stillmahlzeit anderthalb bis drei oder vier Stunden satt ist, also zufrieden schläft oder in Ihren Armen liegt, ohne zu weinen, dann können Sie ziemlich sicher sein, dass es erstmal genug Milch bekommen hat. Mit der Zeit werden die Mengen, die Ihr Baby trinkt, größer – und damit auch die Abstände bis zur nächsten Mahlzeit. Aber am Anfang kann es durchaus sein, dass Sie alle zwei Stunden mehr oder weniger „unsanft“ daran erinnert werden, dass Ihr neugeborenes Baby sich eine erneute Trinkrunde wünscht. Neugeborene sollten ungefähr 120-150 Milliliter pro Kilo und Tag trinken. Bei einem Kind von 3500 Gramm sind das also circa 400 bis 500 Milliliter am Tag.

 

Neugeborenes Baby: Wie oft wiegen?

Stillt man, lässt sich schwer sagen, wieviel Milch das Kind zu sich genommen hat. Es vor und nach dem Stillen zu wiegen, ist aber nur in seltenen Fällen, bei denen es Schwierigkeiten mit der Gewichtszunahme gibt, notwendig. Normalerweise reicht es aus, wenn Ihr Kind in den ersten Lebenswochen von der Hebamme und beim Kinderarzt gewogen wird. Alles andere macht die Eltern eher unsicher. Was ist, wenn das Kind vom einen auf den anderen Tag nicht zugenommen hat? Gar nichts macht es! Meistens nimmt es dafür am nächsten Tag etwas mehr zu. Darum reicht es auch, ein bis zwei Mal pro Woche das Gewicht zu überprüfen, sofern alles normal läuft.

 

VIDEO: Die ersten Tage mit Baby

 

Neugeborenes Baby: Wann wickeln?

Bei Neugeborenen Windel prüfen: genug Urin?
Überprüfen Sie die Windeln Ihres Neugeborenen regelmäßig auf Urin, um festzustellen, ob es genug getrunken hat© Fotolia

Wichtige Marker, ob ein neugeborenes Baby genug zu trinken bekommt, sind also zum einen die Gewichtsentwicklung, zum anderen auch, ob täglich mehrere Windeln mit Urin produziert werden. Hat das Baby zu wenig Flüssigkeit, wird nämlich nichts mehr als Urin ausgeschieden. Zusätzlich sind die Neugeborenen dann auch sehr schlapp, schläfrig und melden sich von allein kaum noch zur Mahlzeit. In diesen Fällen wenden Sie sich direkt an Ihre Hebamme oder Ihren Kinderarzt – wenn Sie sich große Sorgen machen und beide nicht erreichen können, auch an ein Kinderkrankenhaus. Aber das ist selten nötig. In der Regel merkt man ziemlich schnell, wenn die Windel mit mehr als nur Urin „gefüllt“ wurde – das ist also einfach zu detektieren. Und hatte Ihr Baby Stuhlgang, sollten Sie auch so rasch wie möglich die Windel auswechseln, denn der Stuhl kann die empfindliche Haut schnell reizen und es kommt zu einer unangenehmen Windeldermatitis. Was den Urin angeht, ist es ein bisschen schwieriger – den riecht man meist nicht. Aber die meisten Windeln heute sind mit einem kleinen Strich versehen, der sich farblich verändert, wenn Urin in der Windel ist. So können Sie durch einen kurzen Blick unter den Body schon feststellen, ob es Zeit zum Wickeln ist.

 

Neugeborenes Baby: Auf den eigenen Instinkt vertrauen

Grundsätzlich sollte man sich auf die ersten Tage und Wochen mit einem Neugeborenen freuen und sich nicht so viele Sorgen machen. Verlassen Sie sich auf Ihr Gefühl, Sie wissen meist instinktiv, was richtig ist oder wenn mal wirklich etwas nicht stimmt. Und wenn Sie unsicher sind, abgesehen von den eigenen Eltern (die nun glückliche Großeltern sind...) steht Ihnen Ihre Hebamme und Ihr Kinderarzt immer mit Rat und Tat zur Seite. Freuen Sie sich auf das neue Leben als Familie!

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