Neues Virus in China: Erreger kann zu Organversagen führen

Chinesische Forscher:innen haben bei dutzenden Personen das Langya-Henipavirus nachgewiesen. Was Sie über den Krankheitserreger wissen müssen.

Virus unter einem Mikroskop
In China ist das Langya-Henipavirus ausgebrochen (Symbolbild) Foto: IMAGO/ZUMA Wire

In den chinesischen Provinzen Shandong und Henan findet derzeit ein Ausbruch mit dem Langya-Henipavirus (LayV) statt. Der Erreger soll – wie das Coronavirus – tierischen Ursprungs und auf den Menschen übergegangen sein.

China: Dutzende LayV-Infizierte

Wie das taiwanesische Center for Disease Control (CDC) meldet, sind derzeit 35 Fälle mit Langya-Henipavirus bekannt (Stand 10. August 2022). Wissenschaftler aus Peking und Singapur berichten in einer Studie über den Ausbruch.

Ihnen zufolge fand die Übertragung des Virus von Tier zu Mensch statt – wie 2019 beim Coronavirus in der chinesischen Stadt Wuhan.

Chuang Jen-hsiang, stellvertretender Direktor des taiwanesischen CDC betonte, dass eine Übertragung von Mensch zu Mensch bisher nicht stattgefunden habe.

Langya-Henipavirus: Diese Symptome treten auf

Das Virus ist mittels Rachenabstrich bei Fieberpatienten entdeckt worden, berichtet das CDC weiter. 26 von den 35 Betroffenen waren ausschließlich am Langya-Henipavirus erkrankt, neun Patient:innen hatten zusätzliche andere Infektionen.

Zu den Symptomen der LayV-Infektionen gehörten:

Neues Virus kann zu Organversagen führen

Im Rahmen der Studie konnten neben milderen Symptome auch schwerwiegendere Folgen einer Infektion mit dem Langya-Henipavirus beobachtet werden:

  • Abnahme der weißen Blutkörperchen: bei 54 Prozent der Erkrankten

  • Eine niedrige Blutplättchenzahl: bei 35 Prozent

  • Leberversagen: bei 35 Prozent

  • Nierenversagen: bei 8 Prozent

Infektionsketten: Wie wird das Langya-Henipavirus übertragen?

Laut Chuang Jen-hsiang vom taiwanesischen CDC haben die 35 LayV-Infizierten untereinander keinen Kontakt gehabt und auch ihre Familienmitglieder oder andere enge Kontaktpersonen nicht mit dem Erreger infiziert. Das stützt seine These, dass das Langya-Henipavirus derzeit nicht von Mensch zu Mensch übertragen wird.

Vielmehr deuten Tests darauf hin, dass die Spitzmaus als Überträger infrage kommt. Rund 27 Prozent der im Rahmen der Studie getesteten Nager waren LayV-positiv, ebenso wie fünf Prozent der untersuchten Hunde und zwei Prozent der getesteten Ziegen.

Eine Spitzmaus auf einer Wiese
Die Spitzmaus ist ein möglicher LayV-Überträger Foto: istock_phototrip

Eine mögliche Übertragung von Mensch zu Mensch kann zu diesem Zeitpunkt aber nicht ausgeschlossen werden, betonten die Wissenschaftler:innen um Xiao-Ai Zhang vom Beijing Institute of Microbiology and Epidemiology. Dazu seien die vorliegenden Fallzahlen einfach zu klein.

Zoonose: Werden von Tier zu Mensch übertragene Krankheiten ein Problem?

Kommt es zu einer Krankheitsübertragung von Tier zu Mensch, spricht man von einer Zoonose. Eine der bekanntesten Zoonosen ist Tollwut, die durch das Rabies-Virus ausgelöst wird.

Forscher:innen gehen davon aus, dass die globalisierte Welt in Zukunft öfter mit Zoonosen konfrontiert werden wird. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zwei stehen in Wechselwirkung: Zum einen gibt es immer mehr Menschen auf der Welt und zum anderen ist die Weltbevölkerung immer mobiler. Durch das vermehrte Reisen explodieren die Kontakte, was Ansteckungen begünstigt.

Ein weiterer Grund für eine mögliche Zunahme von Zoonosen ist die Tatsache, dass die Menschen immer mehr in den Lebensraum der Tiere vordringen. So kommt es zu einem vermehrten Kontakt zwischen Mensch und Tier – und auch das begünstigt Ansteckungen.

Die Studie zum aktuellen Ausbruch des Langya-Henipavirus in China erschien im "New England Journal of Medicine".