Neues Mittel gegen Neurodermitis

Neues Mittel gegen Neurodermitis
Raus aus der Juck-Kratz-Spirale: Forscher arbeiten mit Hochdruck an einem neuen Mittel gegen Neurodermitis © Fotolia

Etwa fünf Millionen Menschen leiden unter der Hautkrankheit. Wie kann eine Blutwäsche bei schwerer Neurodermitis helfen? Erfahren Sie hier alles über das neue Mittel gegen Neurodermitis.

Trockene, gerötete Haut und höllischer Juckreiz – diese Symptome machen Neurodermitikern schwer zu schaffen. Aber was ist das eigentlich für eine Hautkrankheit? Neurodermitis-Experte Prof. Dr. Kristian Reich, Hautarzt am Dermatologikum in Hamburg: „Dabei handelt es sich um eine chronisch entzündliche Erkrankung der Haut“, erklärt er. „Es ist aber keine Allergie, wie oft gesagt wird. Auch wenn etwa 80 Prozent der Patienten zu Heuschnupfen oder Hausstauballergie neigen.“ Das verwundert nicht, denn Neurodermitis wird ebenfalls durch eine übertriebene Reaktion des Immunsystems auf eigentlich harmlose Substanzen ausgelöst.

 

Neurodermitis: Angst und Trauer können einen Schub auslösen

Bei vielen Betroffenen spielen genetische Faktoren eine Rolle. „Die Neigung der Abwehr zur Überreaktion ist zum Teil vererbt. Mit einem betroffenen Elternteil liegt die Wahrscheinlichkeit des Ausbruchs der Krankheit zwischen 20 und 30 Prozent, bei beiden Elternteilen sogar zwischen 40 und 60 Prozent“, sagt Prof. Reich. Als weitere Ursache gilt heute eine Störung der obersten Hautschicht. Auch das ist bei rund 30 Prozent der Betroffenen genetisch bedingt. „Beim Gesunden bildet die Hornschicht eine Barriere gegen Schadstoffe aus der Umwelt und schützt die Haut gleichzeitig vor Feuchtigkeitsverlust. Beim Neurodermitis-Patienten ist diese Schicht aufgelockert und durchlässig, weil die Zellen nicht mehr dicht verkittet sind. Dadurch trocknet die Haut aus.“ Auch äußere Einflüsse, etwa Stress, Angst und Trauer, können die Krankheit auslösen. Was immer einen Schub in Gang setzt, am Ende des Reaktionsprozesses werden entzündungsfördernde Stoffe freigesetzt, die auch den starken Juckreiz verursachen.

 

Neurodermitis-Patienten: Stress und starkes Schwitzen vermeiden

Die Krankheit kann in jedem Lebensalter auftreten, kommt aber am häufigsten bei Säuglingen vor. Je nach Alter sind verschiedene Stellen betroffen: bei Babys oft der ganze Körper, bei älteren Kindern und Erwachsenen meist Gesicht, Nacken, Armbeugen und Kniekehlen.

Betroffene sollten alles meiden, was zu Juckreiz und Rötung führen kann. Dazu gehören etwa Stress und starkes Schwitzen, aber auch kratzende Kleidungsstücke und zu häufiges und zu heißes Duschen.

 

Mittel gegen Neurodermitis: Kortison in Form von Salben oder Tabletten

Ob Baby oder Erwachsener – man sollte bei Verdacht auf Neurodermitis einen Hautarzt aufsuchen. Abwarten, ob sich die Krankheit bessert, ist der falsche Weg. „Unbehandelt kann Neurodermitis zu Heuschnupfen und allergischem Asthma führen“, warnt Prof. Reich. „Aber nicht nur das: Durch die trockene Haut und das Kratzen ist die Gefahr von Infektionen erhöht. Neurodermitis muss also immer behandelt werden, und zwar so früh wie möglich.“ An erster Stelle steht die Basistherapie. „Dazu zählt die Pflege mit rückfettenden und befeuchtenden Produkten, mindestens zweimal am Tag anwenden. Ihre Zusammensetzung richtet sich nach dem Hautzustand und der Jahreszeit. Im Winter sind fetthaltigere Cremes angebracht, im Sommer eher feuchtigkeitsspendende Lotionen“, sagt Prof. Reich. „Wasserbindende Zusätze wie Harnstoff und Glyzerin erhöhen die Befeuchtung. Vorsicht: Harnstoffzusätze können bei Babys auf der Haut brennen.“ Hydrocortison in niedriger Wirkstärke beruhigt die gereizte Haut. Bei akuten Schüben kann je nach Schweregrad als Mittel gegen Neurodermitis Kortison in Form von Salben oder Tabletten eingesetzt werden. Zur Dämpfung des überaktiven Immunsystems hat sich auch der Wirkstoff Ciclosporin als Mittel gegen Neurodermitis bewährt.

 

Blutwäsche als neues Mittel gegen Neurodermitis

Für schwere Fälle von Neurodermitis gibt es eine ganz neue Therapie, die sogenannte selektive Immunadsorption. Bei dem neuen Mittel gegen Neurodermitis handelt es sich um eine Art Blutwäsche. Bei Neurodermitikern sind die Werte bestimmter Eiweiße (IgE) im Blut erhöht. Sie gelten als Auslöser der Krankheit. Ziel der Therapie ist es, diese Antikörper aus dem Blut und der Haut herauszufiltern und so Juckreiz und Entzündung zu hemmen. Die Krankenkassen zahlen die Therapie. Da die Veranlagung für Neurodermitis in den Genen steckt, kann auch diese Therapie die Krankheit nicht heilen, aber sehr stark lindern.

 

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