Neues Migräne-Medikament kommt auf den Markt

Verena Elson Medizinredakteurin

Voraussichtlich noch in diesem Jahr wird ein neues Medikament in die deutschen Apotheken kommen, das Migräneanfällen vorbeugt. Wie funktioniert es und für wen ist es gedacht?

Frau mit Migräne
Ein neues Medikament gegen Migräne wirkt prophylaktisch Foto:  istock/sankalpmaya

Für Menschen mit häufigen und besonders heftigen Migräneattacken gibt es eine neue Hoffnung: Ein Wirkstoff mit dem Namen Erenumab wird voraussichtlich Ende dieses Jahres in die deutschen Apotheken kommen. 

Das Medikament ist seit Sommer für den europäischen Markt zugelassen. Es soll vorbeugend wirken und so bei besonders stark Betroffenen den Leidensdruck lindern. Forscher identifizierten dazu einen auslösenden Faktor der Migräneattacken.

„Die Ursache der Migräne ist noch nicht bekannt. Eine überzeugende Hypothese ist, dass bestimmte Botenstoffe schmerzwahrnehmende Nervenfasern im Kopfbereich reizen und damit die Migräne auslösen“, erklärt Privatdozentin Dr. Stefanie Förderreuther, Präsidentin der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e. V. (DMKG) und Oberärztin an der Neurologischen Klinik, Ludwig-Maximilians-Universität München. 

 

Antikörper blockiert Botenstoff

Bei der Suche nach möglichen „Übeltätern“, die den Kopfschmerz auslösen, stießen Forscher auf den Botenstoff CGRP (Calcitonin Gene-Related-Peptide). Das Eiweißmolekül wird während einer Migräneattacke ausgeschüttet. „Der therapeutische Ansatz bestand nun darin, einen Antikörper zu entwickeln, der die Wirkung von CGRP blockiert. Entstanden ist eine ganz neue Medikamentenklasse, die vor allem für die Vorbeugung der Migräne geeignet ist“, betont Förderreuther.

Erenumab wird Betroffenen einmal monatlich unter die Haut gespritzt – und konnte in Studien die Anfallhäufigkeit deutlich verringern: In den Studien zeigten ca. 40 Prozent der Patienten eine Besserung der Migräne von mindestens 50 Prozent. Bei den Probanden mit episodischer Migräne gingen die durchschnittlich acht monatlichen Migränetage um rund drei Tage zurück. Bei Patienten mit einer besonders schweren, chronischen Form der Erkrankung, die zuvor im Schnitt an 18 Tagen im Monat Migräneattacken hatten, verringerte sich die Zahl um sechs bis sieben Tage. Die Nebenwirkungen unterschieden sich nicht von denen in der Placebogruppe.

 

Die Zielgruppe sind Patienten mit starker Migräne

Das verschreibungspflichtige Medikament ist vor allem für stark Betroffene gedacht, so Privatdozent Dr. med. Tim Jürgens, Kongresspräsident des Deutschen Schmerzkongresses 2018 und Ärztlicher Leiter des Kopfschmerzzentrums Nord-Ost, Universitätsmedizin Rostock: „In erster Linie sollten diejenigen Patienten mit den neuen Antikörpern behandelt werden, die schwer und häufig von Migräneattacken betroffen sind und bei denen bislang verfügbare Mittel nicht gut gewirkt haben oder die für sie nicht gut verträglich waren“.

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