Neues Hormon entdeckt

Amerikanische Forscher haben ein neues Hormon entdeckt und damit eine große Wissenslücke geschlossen. Das Hormon reguliert die Umwandlung von Stammzellen in Fettzellen. Auch ein Zusammenhang von Stress und Übergewicht wurde nachgewiesen.

Im menschlichen Körper befinden sich an vielen Stellen Depots, in denen Körperfett gespeichert wird. Diese Fett-Depots enthalten wiederum zum einen eine hohe Anzahl Fettzellen und außerdem eine kleinere Menge an Stammzellen, die sich zu Fettzellen entwickeln können. Der Körper baut also zusätzlich neue Fettzellen auf. Was genau diese Entwicklung auslöst, konnten jetzt erstmals amerikanische Forscher nachweisen: Es handelt sich um ein neu entdecktes Hormon, das den „Schalter“ für den Umwandlungsprozess bedient.

 

Schalter für Fettzellenwachstum

Das Hormon hört auf den Namen Adamts1. Nach ersten Erkenntnissen löst Adamts1 den Schalter aus, der kontrolliert, ob benachbarte Stammzellen beginnen, sich zu entwickeln und Fett zu speichern. Wie gleichzeitig nachgewiesen werden konnte, wird die Produktion des Hormons durch fettreiche Ernährung und Glucokortikoide (Stresshormone) beeinflusst.

Chemische Strukturformel von Cortisol
Das Hormon Cortisol wird bei Stress ausgeschüttet© alamy
 

Hormonproduktion durch Stress und Ernährung beeinflusst

Das Forscher-Team um Brian Feldman von der US-amerikanischen Stanford University konnte in einem ersten Experiment nachweisen, dass das Fettgewebe von Mäusen das Hormon Adamts1 bildet. Nach der Gabe von Glucokortikoiden verringerte sich das Niveau von Adamts1. Mäuse, die genetisch bedingt mehr Adamts1 produzierten, hatten kleinere Fettdepots und eine geringere Anzahl an Fettzellen. Wurde gereinigtes Adamts1 von außen zu einer Kultur von Fett-Vorläuferzellen gegeben, konnte es die Entwicklung dieser zu Fettzellen blockieren, obwohl zusätzlich Glucokortikoide gegeben wurden, die diese Entwicklung normalerweise auslösen. Adamts1 überlagert also die Glucokortikoid-Signalwege und verhindert so die Ausbildung neuer Fettzellen. Ein geringer Spiegel von Adamts1 dagegen fördert die Bildung von Fettzellen: Verabreichten die Forscher den Mäusen nur Stresshormone oder fettreiche Nahrung, so stellten die Fettzellen weniger Adamts1 her und die Fettpolster der Mäuse wurden größer, vor allem um die Bauchregion. Glucokortikoide und fettreiche Nahrung verringern also die Produktion von Adamts1 und sorgen so für die Ausbildung neuer Fettzellen.

Durch diese Reihe von Experimenten konnten die Forscher zeigen, dass es sich bei Adamts1 um ein Hormon handelt, dass die Bildung von Fettzellen aus Stammzellen direkt beeinflusst. Besonders wichtig: Diese neu ausgebildeten Fettzellen werden meist als sogenanntes Viszeralfett angelegt, welches mit schweren Erkrankungen wie Diabetes oder Herzinfarkt in Verbindung gebracht wird.

 

Abnehmwunsch? Stress und Fett vermeiden!

Das Hormon wird nur in Fettzellen gebildet und stützt damit außerdem die seit einiger Zeit anerkannte Meinung vieler Wissenschaftler, nach der Fettzellen nicht bloß passive Kalorienbunker sind, sondern auch aktiv in Stoffwechselprozesse eingreifen. Da das Hormon die Bildung neuer Fettzellen steuert und seine Produktion direkt vom Stresshormonlevel und der Ernährungsweise abhängt, ist nun auch klar, warum dauerhaft gestresste Menschen häufig den bekannten „Stressbauch“ entwickeln und warum eine fettreiche Nahrung für eine Gewichtsreduktion oft alles andere als hilfreich ist, auch wenn die Kalorienbilanz in einem gesunden Bereich liegt. Es ist also erwiesen: Eine Fettleibigkeit beim Menschen hängt nicht nur direkt von der Genetik und der Kalorienaufnahme ab, sondern zumindest noch von zwei weiteren Faktoren. Wer seine Fettpolster schwinden lassen möchte, sollte demnach auch Stress und fettreicher Nahrung nach Möglichkeit aus dem Weg gehen.

Hamburg, 27. Oktober 2016

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