Neues Gehör-Implantat: Magnet bringt die Hörfähigkeit zurück

Neues Hörgerät mit Magnetverbindung
Ein neuartiges Gehör-Implantat kann mit dem Außenempfänger über einen Magneten verbunden werden. Dadurch ist das Hörgerät nicht sichtbar, besitzt mehr Tragekomfort und ein geringeres Verletzungsrisiko © Fotolia

Ein neu entwickeltes Hörgerät lässt gehörlose Menschen wieder Töne wahrnehmen. Das Implantat wird hinter dem Ohr im Knochen verankert und – verborgen unter der Haut – lediglich durch einen Magnetanschluss mit dem zugehörigen, sogenannten Geräuschprozessor verbunden. Die bisher notwendige, mechanische und aus der Haut herausragende Anschlussstelle – für den externen Geräuschprozessor entfällt so beim neuen System. Klinische Tests zeigen, dass auf diese Weise ein diskretes Tragegefühl bei Gehörlosen entsteht.

Das kürzlich der Fachwelt vorgestellte implantierte Hörgerät – das sogenannte „Bone Anchored Hearing Aid (BAHA) Attract“ – wird mit einer titanlegierten Schraube in den Schädelknochen direkt hinter dem Ohr verankert. Die Schraube trägt eine runde Magnetplatte. Zusammen bilden beide Komponenten den unter die Haut implantierten Teil des Geräts, der von außen nicht sichtbar ist.

Während frühere Implantate an dieser Stelle mit einer weiteren Schraube oder einem anderen mechanischen Verschlusssystem die Haut durchstießen, um mit dem externen Schallempfänger verbunden zu sein, funktioniert dieses BAHA-System mit einer technischen Neuheit. Der Schallempfänger – oder „Soundprozessor“ – wird mithilfe eines zweiten, externen Magneten mit der im Schädel verschraubten Magnetplatte zusammengeführt und gehalten. Für den Tragekomfort sorgt ein entsprechendes „Softpad“, das zwischen den beiden Magneten direkt auf der Haut aufliegt.

 

BAHA-Hörsystem: Abnehmbar und unsichtbar

Das völlig sicher verankerte Magnetimplantat überträgt über den titanlegierten Schraubzapfen die vom externen Soundprozessor gesendeten Klänge direkt an das Innenohr und umgeht den geschädigten Bereiche im äußeren und mittleren Ohrbereich. Dabei bleiben Träger des BAHA-Systems völlig flexibel, denn der magnetisch verbundene Soundprozessor kann nach Bedarf angelegt oder abgenommen werden. Wird der Sound-Empfänger – mit der Größe eines Handy-Freisprech-Headsets – nicht getragen, sind die restlichen Komponenten des Geräts völlig unsichtbar.

Neues Hörgerät mit Magnetverbindung
Die implantierten Innenkomponenten des BAHA-Systems sind mit dem kabellosen Soundprozessor mithilfe von zwei Magneten verbunden. Für einen angenehmen Tragekomfort sorgt ein spezielles „Softpad“ zwischen den Außen- und Innenteilen des Hörsystems© Cochlear

Dieser Faktor ist, nach Aussagen der Entwickler, ein wichtiger Fortschritt des BAHA-Systems, denn aufgrund des magnetisch angekuppelten Empfängersystems ragen – anders als bei älteren Systemen – keine mechanischen Anschraub- oder Ansteckteile aus der Haut heraus. Das wiederum bedeutet für den Träger ein diskreteres Tragegefühl und eine geringere Verletzungs- und Infektionsgefahr an der Durchstoßstelle in der Haut.

 

Keine Hilfe für jeden Gehörschaden

Klinische Tests haben gezeigt, dass das Ohrimplantat bei Gehörschädigungen im äußerlichen und mittleren Ohrbereich selbst bei schwierigen Geräuschkulissen zuverlässiges Hören und Verstehen ermöglicht. Zudem soll es in Zukunft möglich sein, das drahtlose Gerät mit weiteren Funktionen zu vernetzen – beispielsweise um drahtlos mithilfe eines speziellen „Telefonclips“ telefonieren zu können.

Dennoch eignet sich das BAHA-System nicht für jede Form des Gehörschadens. Lediglich Patienten mit Verletzungen im äußeren und mittleren Ohrbereich– z.B. durch Entzündungen oder frühere Operationen – können mit der neuen Technik behandelt werden, da die Schallwellen mit dem BAHA-System nur umgeleitet werden und das Innenohr weiterhin ein wichtiger Teil der Klangaufnahme bleibt.

 

Kleine Operation – großer Effekt

Um das BAHA-System in den Schädel zu verzapfen und die runde, innenliegende Magnetplatten unter die Haut zu implantieren, bedarf es nur eines kleinen Eingriffs. Unter Vollnarkose wird hinter dem beschädigten Ohr auf einer Fläche von etwa fünf Zentimetern die Haut aufgeklappt. Die titanlegierte Schraube bohrt ein Chirurg einen Zentimeter tief in den Schädel und verbindet den hinteren Zapfenbereich mit der innenliegenden Magnetplatte. Danach wird die Haut wieder vernäht.

Insgesamt dauert der Eingriff 40 Minuten – verheilt sind die Eingriffswunden bereits nach zwei bis vier Wochen. Danach – so schildern es die Mediziner – bekommt der Patient seinen kabellosen Soundprozessor und kann wieder vollständig hören.

Hamburg, 30. Juni 2014

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