Neues Diagnoseverfahren bei Vorhofflimmern

Das Bild des Rhythmia Mapping Systems am Bildschirm
Das sogenannte Rhythmia Mapping System erstellt präzise 3-D-Bilder des Herzens, auf denen sich die Entstehungsorte von Herzrhythmusstörungen genau verorten lassen © Boston Scientific

Ein neues Gerät ermöglicht es, Vorhofflimmern noch schneller zu diagnostizieren und zu behandeln – sodass der Patient die Klinik noch am selben Tag verlassen kann. Erfahren Sie hier, wie die Methode funktioniert.

Wyn Davies ist nicht irgendein Kardiologe – 2004 heilte er das Vorhofflimmern des ehemaligen britischen Premierministers Tony Blair. Nun verwendet er laut Angaben von Daily Mail als einer der ersten ein neues Verfahren, dass Diagnose und Behandlung von Vorhofflimmern am selben Tag ermöglicht.

 

Das passiert beim Vorhofflimmern

Das Innere unseres Herzens besteht aus zwei Herzkammern mit je einem Vorhof. Die linke Herzhälfte hat die Aufgabe, sauerstoffreiches Blut aus der Lunge in den Kreislauf zu pumpen, während die rechte Herzhälfte das verbrauchte Blut aus dem Kreislauf wieder in die Lunge pumpt. Die Vorhöfe sammeln das aus den Venen ankommende Blut und pumpen es in die Herzkammern.

Der Rhythmus unseres Herzens wird durch elektrische Impulse gesteuert, die den Herzmuskel dazu anregen, sich zusammenzuziehen. Den Takt für diese Impulse gibt der sogenannte Sinusknoten im rechten Vorhof vor – von dort aus werden die Impulse über das ganze Herz ausgebreitet. Bei Menschen mit Vorhofflimmern ist das Herz „aus dem Takt geraten“: Die elektrischen Impulse kreisen unkontrolliert und erregen immer eine andere Stelle im Vorhof. Die Folge: Die Vorhöfe zittern oder „flimmern“ nur noch, anstatt sich geregelt zusammenzuziehen. Bei Betroffenen schlägt das Herz unregelmäßig, zu schnell und manchmal auch zu langsam.

 

Bisherige Behandlung: Katheterablation

Eine Möglichkeit der Behandlung bei Vorhofflimmern ist die sogenannte Katheterablation – dabei wird bei einem kleinen Eingriff ein Katheter über ein Blutgefäß in der Leiste bis zum Herzen geschoben. Eine kleine mit Elektroden ausgestattete Sonde sucht das Herz nach der Stelle ab, die für die falschen elektrischen Signale verantwortlich ist. Hat sie sie gefunden, wird das betroffene Gewebe verödet.

Das Problem bisher: Das kranke Gewebe ist nicht immer leicht aufzuspüren. Die Elektroden senden Bilder an einen Bildschirm – häufig sind sie aber schwer zu entschlüsseln. Das neue Verfahren soll das jetzt ändern. Neben einer genaueren Verortung des kranken Gewebes verkürzt es die Behandlungsdauer und den benötigten Krankenhausaufenthalt.

Rhythmia Mapping System
Das neue System, das wie ein Mini-Schneebesen geformt ist, soll bald flächendeckend im Krankenhaus Herzrhythmusstörungen aufspüren© Boston Scientific
 

So funktioniert das Rhythmia Mapping System

Kernstück des sogenannten Rhythmia Mapping Systems ist ein kleiner Sensor, der einem Mini-Schneebesen ähnelt und mit Elektroden ausgestattet ist. Auch er wird in der Leistengegend in den Körper eingeführt und bis zum Herzmuskel geleitet. Sobald er die Herzoberfläche erreicht hat, breitet er sich zur Größe einer Limette aus und beginnt, die elektrischen Impulse des Herzens aufzuzeichnen. Dazu ist der Sensor mit Dutzenden von Elektroden ausgestattet, die in 15 Minuten 20.000 Daten speichern können. Zum Vergleich: Herkömmliche Geräte können in 30 Minuten nur 500 Daten speichern. Diese Informationsmenge erlaubt es Ärzten, ein detailliertes 3D-Bild des Herzens zu erstellen und so präzise den Abschnitt des Herzmuskels zu identifizieren, der die Probleme verursacht.

In einer anschließenden kurzen Prozedur wird das kranke Gewebe verödet. In einigen Fällen kann der Patient die Klinik noch am selben Tag verlassen – bei der herkömmlichen Behandlungsmethode waren drei bis vier Tage Krankenhausaufenthalt notwendig.

Kardiologe Wyn Davies betont, dass diese Erfindung einen bahnbrechenden Erfolg bedeutet, der viele Leben retten kann – denn Herzrhythmusstörungen führen nicht selten zu einem Schlaganfall.

Hamburg, 17. Februar 2015

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