Neues Corona-Medikament? Molnupiravir blockt das Virus

Gaby Scheib

Amerikanische Forscher haben in einer Studie ein neues Corona-Medikament präsentiert, das die Übertragung des Virus hemmen soll. In Tierversuchen wurde die Wirksamkeit von Molnupiravir bereits nachgewiesen. Was kann das Mittel und wie wirkt es genau?

Inhalt
  1. Wie wirkt das neue Corona-Medikament? 
  2. Erste erfolgreiche Tests an Frettchen
  3. Wie funktioniert Molnupiravir – und ist es eigentlich sicher?

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie wird weltweit unter Hochdruck nach wirksamen Mitteln gegen SARS-CoV-2 gesucht. Neben Impfstoffen wird auch die Wirkung anderer Arzneimittel geprüft. Jetzt haben Forscher der Georgia State University in einer Studie ein neues Corona-Medikament vorgestellt: das eigentlich als Grippemittel entwickelte Molnupiravir – geführt unter den Kürzeln MK-4482 und EIDD-2801. Es soll schon nach 24 Stunden verhindern, dass das Virus übertragen wird

Zuvor waren bereits Mittel wie Remdesivir, Hydroxychloroquin und Chloroquin Im Gespräch. Auf sie wurden große Hoffnungen gesetzt. Die letzten beiden wurden als zu riskant eingestufe und schieden schnell aus, und auch das Ebola-Mittel Remdesivir wird mittlerweile von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nicht mehr empfohlen. Umso größer ist nun die Hoffnung, dass Molnupiravir wirksam ist.

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Wie wirkt das neue Corona-Medikament? 

Ursprünglich wurde Molnupiravir gegen Grippe entwickelt. Dann haben die Wissenschaftler um Dr. Robert Cox entdeckt, dass das Mittel auch gegen SARS-CoV-2 wirksam sein könnte – möglicherweise lassen sich damit nicht nur bestehende Infektionen stoppen, sondern auch weitere Übertragungen blockieren.

Die Vorteile des antiviralen Medikaments:

  • Es soll die Virusübertragung komplett unterdrücken, und das schon innerhalb von 24 Stunden. 
  • So kann eine Corona-Infektion im frühen Stadium behandelt und die Krankheitsdauer verkürzt werden. 
  • Auch ein schwerer Verlauf könnte so verhindert werden. 

Insgesamt könnte sich ein Corona-Ausbruch mit Molnupiravir schnell eindämmen lassen, so die Hoffnung der Forscher.

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Erste erfolgreiche Tests an Frettchen

Um ihre Theorie zu untersuchen, haben die Wissenschaftler Frettchen mit SARA-CoV-2 infiziert. Die Tiere eignen sich besonders zur Simulation, weil die Ausbreitung des Virus’ ähnlich wie beim Menschen funktioniert. Im Test wurde ein Teil von infizierten Frettchen zweimal täglich mit Molnupiravir behandelt, der andere Teil nicht. Beide wurden mit gesunden Tieren in jeweils einen Käfig zusammengebracht. 

Das Ergebnis: Bei den behandelten Frettchen sank die Viruslast deutlich, im Käfig steckte sich kein gesundes Tier an. Im zweiten Versuch wurden dagegen alle Käfig-Artgenossen infiziert. Das lässt die Schlussfolgerung zu, dass die Übertragbarkeit von SARS-CoV-2 „dramatisch reduziert“ werden könne, so Dr. Richard Plemper, der ebenfalls an der Studie mitgewirkt hat. Zumal bei dem Versuch auch keine unerwünschten Nebenwirkungen aufgetreten sind.

 

Wie funktioniert Molnupiravir – und ist es eigentlich sicher?

Der Wirkstoff des Mittels soll die Virus-RNA verändern und sie auf diese Weise abtöten. Der Mechanismus ist dabei ähnlich wie bei Remdesivir. Doch anders als das intravenös verabreichte Ebola-Mittel kann Molnupiravir ganz einfach oral eingenommen werden.

Wegen möglicher Genmutationen steht das Mittel aber in der Kritik – nach Angaben eines Whistleblowers gab es bei Versuchen mit ähnlichen Medikamenten genetische Veränderungen beim Nachwuchs von Versuchstieren. Dennoch wird Molnupiravir bereits in Phase-2- und -3-Studien am Menschen, unter anderem an 1.300 Probanden, getestet. Experten empfehlen deshalb, nicht nur die Wirksamkeit, sondern auch die Sicherheit genauesten im Auge zu behalten.

Läuft alles gut, könnte das neue Corona-Medikament aber im kommenden Jahr ein weiterer wichtiger Baustein im Kampf gegen die Corona-Pandemie werden.

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Quellen:

Experimentelles Virostatikum hemmt SARS-CoV-2 im Tiermodell in: ÄrzteZeitung

SARS-CoV-2-Ansteckungen im Tierversuch verhindert in: Pharmazeutische Zeitung

Therapeutically administered ribonucleoside analogue MK-4482/EIDD-2801 blocks SARS-CoV-2 transmission in ferrets in: Nature Microbiology

Efficacy and Safety of Molnupiravir (MK-4482) in Hospitalized Adult Participants With COVID-19 (MK-4482-001) in: clinicaltrials.gov

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