Neuer Gesundheits-Podcast: Naturheilmittel - gegen alles ist ein Kraut gewachsen

Ines Fedder

„Äußere Schönheit kommt von innen“, hat bereits Hildegard von Bingen gesagt. Die Auswirkung von Nahrungsmitteln, Kräutern und Gewürzen auf die Gesundheit war ihr Steckenpferd. Aber wie hat sich die Naturheilkunde im Laufe der Jahre entwickelt? Wirkt die natürliche Kraft der Pflanzen genauso gut wie ein chemisch hergestelltes Medikament?

Frau reibt Orangenschale
Nicht bei jedem gesundheitlichem Problem muss sofort ein Arzt aufgesucht werden. Abhilfe schaffen auch Heilmittel aus der Natur Foto:  KatarzynaBialasiewicz/iStock
Inhalt
  1. Heilpflanzen aus dem eigenen Garten
  2. Was sind Phytopharmaka?
  3. Herstellung von pflanzlichen Arzneimitteln
  4. Phytopharmaka gleich Homöopathie?
  5. Phytopharmaka: Wann zahlt die Kasse?
  6. Mehr zu Phytopharmaka im VitaTALK-Podcast

Die Lehren der Hildegard von Bingen aus dem 16. Jahrhundert wurden von Generation zu Generation weitergetragen – und im Laufe der Jahre weiter untersucht. Rudolf Fritz Weiss († 27. November 1991), Professor der Phytotherapie, gilt heute als Begründer der wissenschaftlichen Pflanzenheilkunde, die in den vergangenen Jahren einen regelrechten Boom erlebte. Das musste auch Annegret Ebel erfahren, die Führungen durch ihr kleines „Kräuterparadies“ anbietet. Die Blumenbindemeisterin hat sich vor fast 40 Jahren eine Laube und einen Minigarten in Berlin Pankow geleistet. Heute wächst dort so ziemlich alles, was Berliner Erde weitergibt. Das Motto der Kräuterhexe, wie sie liebevoll genannt wird: Alles was im Garten wächst, kann verwendet werden. Zu den drei wichtigsten Kräutern aus Annegrets Garten zählen Brennnessel, Minze und Holunder. Brennnessel eignet sich wunderbar für Tees und hilft beim Entschlacken, Minze wirkt belebend.

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Heilpflanzen aus dem eigenen Garten

„Das, was freiwillig und gern in eurem Garten wächst, braucht der Körper“, sagt Annegret. Was genau das sein könnte? Ein paar hilfreiche Tipps hat die Kräuterhexe immer parat: Holunderbeersaft wirkt fiebersenkend, Kümmel hilft bei Bauschmerzen und bei einer kleinen Schramme am Knie einfach ein Blatt Breitwegerich drauflegen. Es ist der achtsame Umgang mit der Natur, den Annegret Ebel weitergeben möchte. „Achte jede Pflanze, versucht euch den Namen zu merken und lernt, was man daraus machen kann.“

Wer sich nicht gleich einen eigenen Kräutergarten anlegen möchte und auf Nummer sicher gehen will, der fragt in Sachen Heilkraft aus der Natur lieber einen Arzt oder Apotheker. Zum Beispiel Dr. Stefan Noé, Fachapotheker für Arzneimittelinformationen und Inhaber der Beerenapotheke in Karlsruhe.

 

Was sind Phytopharmaka?

Er weiß ganz genau, was sogenannte Phytopharmaka eigentlich sind: „Phytopharmaka ist ein Fachwort, das übersetzt pflanzliche Arzneimittel bedeutet.“ Das kann von Arzneitees bis hin zu modernen Arzneien, basierend auf diversen Studien, alles beinhalten. Dass viele Verbraucher heute viel lieber auf pflanzliche Arzneien zurückgreifen als auf chemische Erzeugnisse, erklärt der Apotheker sich so: „Das mag daran liegen, dass sich die Verbraucher immer mehr Gedanken darüber machen, wo die Arzneimittel herkommen.“

 

Herstellung von pflanzlichen Arzneimitteln

Aber wie funktioniert das eigentlich mit der Herstellung? Sie fängt mit der Auslesung des Saatgutes an, dann muss man sich über die Anbaufläche Gedanken machen – nicht alle Böden sind für den Anbau von Pflanzen gleich gut geeignet – und natürlich die richtige Erntezeit auswählen. Die Pflanzen werden dann nach der Ernte aufbereitet, die Inhaltsstoffe extrahiert und konzentriert. Überprüft wird das Arzneimittel anschließend vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Das Endprodukt ist nur dann zugelassen, wenn die Wirkung und Qualität gewährleistet sind.

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Phytopharmaka gleich Homöopathie?

Viele denken bei dem Einsatz von pflanzlichen Arzneimitteln direkt an Homöopathie. Dabei sind Phytopharmaka und Homöopathie nicht das Gleiche, erklärt Dr. Stefan Noé. „Homöopathie bedeutet, dass man Gleiches mit Gleichem heilt. Zum Beispiel, wenn man mit einem Gift behandelt, dass stark verdünnt (potenziert) verabreicht wird.“
Eine rationale Phytotherapie bedeutet, dass man Arzneimittel bei der Behandlung anwendet, deren pflanzliche Inhaltsstoffe messbar nachweisbar sind. Und es gibt noch einen Unterschied: Im Vergleich zu Phyto-Arzneiprodukten werden homöopathische Mittel nur registriert, da ihre Wirkung nicht zweifelsfrei nachweisbar ist. Bei Phytopharmaka müssen die Arzneimittel ein Zulassungsverfahren durchlaufen haben, das die Wirkung nachweist.

 

Phytopharmaka: Wann zahlt die Kasse?

Pflanzlich ist also nicht gleich pflanzlich. Und Arzneimittel nicht gleich Arzneimittel –  Zumindest dann nicht, wenn es um den Preis geht. Denn wenn es um die Bezahlung der Phytopharmaka geht, muss der Verbraucher meist selber ran. „Es ist leider vor einigen Jahren bei eine der anstehenden Sparrunden entschieden worden, dass alle Arzneimittel, die nicht verschreibungspflichtig sind, aus der Erstattungsfähigkeit rausfallen. Das ist eine Entscheidung, die kritisch zu hinterfragen ist. Nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel haben ein geringeres Risiko, das bedeutet aber nicht, dass sie nicht wirksam sind“, erklärt Dr. Stefan Noé. Eine gute Nachricht gibt es dann aber doch: Wenn der Arzt ein sogenanntes „Grünes Rezept“ ausstellt, kann man sich nach dem Kauf des Medikaments in der Apotheke bei einigen Krankenkassen die Kosten zurückerstatten lassen.

 

Mehr zu Phytopharmaka im VitaTALK-Podcast

Und bevor Sie jetzt mit einem geschulten Blick durch Ihren Garten wandern auf der Suche nach Heilpflanzen oder den Apotheker aufsuchen: Weitere spannende Hintergründe zum Thema Phytopharmaka und spannende Tipps von Kräuterhexe Annegret erhalten Sie hier in unserem VitaTALK-Podcast.

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