Neuer Gentest sagt Brustkrebs-Risiko voraus

Verena Elson Medizinredakteurin
Eine Laborantin beschriftet eine Blutprobe
Eine Blutprobe könnte künftig darüber Aufschluss geben, wie hoch das individuelle Brustkrebs-Risiko einer Frau ist – nicht nur in Bezug auf BRCA-Mutationen © iStock

Britische Forscher haben einen Gentest entwickelt, mit dem sich das Brustkrebs-Risiko von Frauen mit hoher Genauigkeit bestimmen lässt. Auch Frauen ohne das sogenannte Angelina-Jolie-Gen soll er helfen.

„Mein Arzt sagte mir, dass mein Risiko, aufgrund des Gendefekts an Brustkrebs zu erkranken, bei 87 Prozent liegt“, erklärte Angelina Jolie 2013 ihre Entscheidung, sich einer doppelten Mastektomie zu unterziehen – also, sich beide Brüste entfernen zu lassen.

Die Angst vor einer Brustkrebs-Erkrankung, die die Schauspielerin zu ihrer Entscheidung veranlasste, kennen alle Frauen, die wissen, dass bei ihnen eine Mutation des Gens BRCA1 (BReast CAncer 1) oder BRCA2 (BReast CAncer 2) vorliegt. Denn Mutationen dieser Gene erhöhen das Brustkrebs-Risiko stark.

 

Neuer Gentest bestimmt Brustkrebs-Risiko genauer

Doch wie hoch genau das Brustkrebs-Risiko einer Frau ist, lässt sich allein mit dem Test auf BRCA-Mutationen nicht beantworten, sagen die Entwickler des neuen Gentests aus Manchester. Jede Frau hat ein ganz individuelles Brustkrebs-Risiko, und bei diesem spielen auch andere Genvarianten eine Rolle. Laut dem Manchester Mediziner Prof. Gareth Evans liegt das Brustkrebs-Risiko von Frauen mit einer BRCA-Mutation irgendwo zwischen 30 und 90 Prozent.

Prof. Evans leitete das Forscherteam am Manchester University Foundation Trust, das den neuen Gentest gemeinsam mit Wissenschaftlern der Cambridge University, US-amerikanischen, australischen und europäischen Medizinern entwickelte.

 

Gen-Datenbank soll Risiko eingrenzen

Das Team analysierte Blut- und Speichelproben von 60.000 Frauen. Die Forscher konzentrierten sich dabei auf 18 Genvarianten, die einen erwiesenen Einfluss auf das Brustkrebs-Risiko haben. Die Testergebnisse kombinierten sie mit Informationen über die Brustdichte der Frauen und das Alter, mit dem sie in die Pubertät gekommen waren und Kinder bekommen hatten. Das erlaubte es ihnen, vorauszusagen, mit welcher Wahrscheinlichkeit die Frauen in den folgenden zehn Jahren oder irgendwann in ihrem Leben an Brustkrebs erkranken würden.

So könnten einige unnötige Mastektomien verhindert werden, hoffen die Forscher. In jedem Fall soll eine genauere Risikoeinschätzung Frauen die Entscheidung für oder gegen den einschneidenden Eingriff erleichtern.

 

In Zukunft auch für Frauen ohne Vorbelastung

Die Forscher wollen den Test weiterentwickeln, sodass er in zwei Jahren 300 Genvarianten berücksichtigt, die das Brustkrebs-Risiko beeinflussen können. Zudem planen sie Untersuchungen dazu, welche Rolle Gene bei der Entstehung von Darm-, Lungen-, Prostata-, Gebärmutterhals- und Eierstockkrebs spielen. Bei Letzterem könnten wiederum Trägerinnen von BRCA-Mutationen profitieren – denn auch ihr Risiko für Eierstockkrebs ist erhöht.

Zunächst sollen sich Frauen mit erblicher Vorbelastung, die an zwei Krankenhäusern in Manchester auf BRCA-Mutationen getestet werden, dem neuen Test unterziehen. Längerfristiges Ziel der Forscher ist es, den Test allen Frauen anzubieten – auch jenen, die noch keinen Brustkrebs in der Familie hatten.

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