Neuer Diabetes-Typ entdeckt

Ein Diabetiker misst seine Blutzuckerwerte
Viele Typ-2-Diabetiker sind normalgewichtig – US-Forscher vermuten, dass sie an einer bisher unbekannten Form von Diabetes leiden © Fotolia

US-Wissenschaftler haben eine neue Form von Diabetes entdeckt, die weder von Übergewicht noch von einem Insulinmangel ausgelöst wird. Sie vermuten, dass etwa 20 Prozent der Diabetiker über 65 davon betroffen sind.

Übergewicht gilt als größter Risikofaktor für Typ-2-Diabetes. Doch nicht alle Betroffenen sind übergewichtig: Rund zehn bis 20 Prozent von ihnen haben ein normales Gewicht. Der Grund dafür könnte sein, dass diese Menschen gar keinen Typ-2-Diabetes haben, sondern eine andere Form der Erkrankung – das haben Wissenschaftler des Salk Institute for Biological Studies im US-amerikanischen La Jolla herausgefunden. Bei Mäusen entdeckten sie eine bisher unbekannte Ursache für Diabetes – diese könnte bei rund einem Fünftel der Diabetiker über 65 vorliegen. Die Studie wurde in dem Magazin „nature“ veröffentlicht.

 

Wie unterscheiden sich die bisher bekannten Diabetes-Typen?

Das Hormon Insulin ist dafür zuständig, den Blutzuckerspiegel zu regulieren. Es bindet sich an die Oberfläche der Körperzellen und veranlasst sie, Zucker aus dem Blut herauszufiltern und als „Kraftstoff“ abzuspeichern. So verhindert es, dass der Zuckerspiegel im Blut zu hoch ansteigt.

Bei gesunden Menschen produziert die Bauchspeicheldrüse Insulin – diese Produktion funktioniert bei Menschen mit Typ-1-Diabetes nicht mehr. Der Grund ist eine Fehlfunktion des Immunsystems: Es greift die sogenannten Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse an, die für die Herstellung des Insulins zuständig sind. Das Problem bei Typ-1-Diabetikern ist also, dass der Körper kein Insulin produziert – der Blutzuckerspiegel muss durch Insulinspritzen reguliert werden. Typ-1-Diabetes tritt meist schon im Jugendalter auf.

Ein Typ-2-Diabetes entsteht meist im höheren Alter, darum wird er auch Altersdiabetes genannt. Seit einigen Jahren tritt er aber auch immer häufiger bei jüngeren Menschen und sogar bei Kindern auf. Der Grund: Der Haupt-Risikofaktor ist Übergewicht. Da es immer mehr übergewichtige und fettleibige Kinder gibt, ist auch diese Altersgruppe zunehmend betroffen.

Übergewicht und Fettleibigkeit können dazu führen, dass der Körper immer weniger auf das vorhandene Insulin reagiert – das heißt, die Zellen nehmen immer weniger Zucker aus dem Blutstrom auf. Fettgewebe, besonders das am Bauch, schüttet Botenstoffe aus, die so eine „Insulinresistenz“ fördern.

Der Körper bemüht sich zunächst, die Resistenz mit einer vermehrten Produktion von Insulin auszugleichen. Doch mit der Zeit ist er damit überfordert und die Insulinproduktion geht wieder zurück. In der Folge steigt der Blutzuckerspiegel an.

Unter dem Begriff Typ-3-Diabetes werden verschiedene, seltene Formen der Erkrankung zusammengefasst.

 

Was ist die neue Form von Diabetes?

Die bisher nicht bekannte Diabetes-Form entdeckten die US-Forscher bei Versuchen mit Mäusen. Besonders alte und magere Tiere waren davon betroffen. Bei ihnen führte die Überaktivität einer bestimmten Art von Immunzellen, sogenannter Regulatorischer T-Zellen (TReg-Zellen), zur Entwicklung einer Insulinresistenz. Mäuse mit einem Mangel an TReg-Zellen waren geschützt vor dieser Art von Diabetes, konnten aber durch Übergewicht ausgelösten Typ-2-Diabetes bekommen. Die Verminderung von TReg-Zellen durch eine medikamentöse Behandlung führte dazu, dass der Körper wieder besser auf Insulin reagierte.

Ob diese neue Form von Diabetes auch bei Menschen vorkommt, ist noch offen. Doch die Studienleiter gehen davon aus – und sie glauben, dass rund 20 Prozent der Diabetiker über 65 davon betroffen sind: nämlich jene, die im Alter Diabetes bekommen, ohne übergewichtig zu sein. Mit einer entsprechenden Medikation könnten ihre Blutzuckerwerte besser eingestellt werden. Außerdem haben die Forscher die Hoffnung, dass ihre Studie die Risiko-Wahrnehmung bezüglich Diabetes verändert. Denn die Meinung, dass normalgewichtige Menschen vor dem sogenannten Altersdiabetes sicher seien, ist weit verbreitet. Doch laut den neuen Erkenntnissen spielt Übergewicht bei immerhin 20 Prozent der Betroffenen bei der Entstehung der Krankheit keine Rolle.

Hamburg, 19. November 2015

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