Alzheimer-Impfung in Sicht?

Verena Elson

Alzheimer ist nicht heilbar – bisher gibt es lediglich Medikamente, die das Voranschreiten der Erkankung verzögern. US-Forscher behaupten jetzt, sie hätten einen Weg gefunden, den Ausbruch der Krankheit deutlich zu verzögern.

Gehirn mit Alzheimer
Die Alzheimer-Krankheit kann bisher nicht geheilt werden. Weltweit wird an neuen Therapien geforscht, die den Ausbruch von Alzheimer zumindest verzögern sollen. Ein Ansatz ist die Alzheimer-Impfung Foto:  istock/ChrisChrisW

Winzig ist sie, fast unsichtbar. Nichts weiter als ein Fleck. Doch diese minimale Veränderung im Gehirn hat schwerwiegende Folgen. Im Gehirn von Alzheimer-Patienten bilden sich sogenannte Plaques – Ablagerungen an den Kontaktstellen der Nervenzellen aus einem extrem klebrigen Eiweiß, umgeben von einem verklumpten Hof von Fasern, die das Gehirn verstopfen. Studien zeigen noch eine zweite negative Eigenschaft dieser sogenannten Beta-Amyloide: Sie behindern das Wachsen und Heranreifen neuer Nervenzellen.

 Bisher ist Alzheimer nicht heilbar. Weltweit forschen Mediziner an neuen Therapien, die den Ausbruch von Alzheimer zumindest deutlich verzögern sollen.

Krankheiten & Behandlung Was ist Alzheimer?

Ein Ansatz ist die Alzheimer-Impfung: Sie soll im Frühstadium eingesetzt werden. Der Impfstoff erkennt die Ablagerungen, dockt sich an und vernichtet sie.

 Wissenschaftler des UT Southwestern Medical Center in Texas gingen in ihrer aktuellen Studie einen anderen Weg: Ihr Impfstoff animiert den Körper dazu, Antikörper zu bilden, die die Eiweißablagerungen – welche typischerweise auf die Anwesenheit der degenerativen Gehirnerkrankung im Körper hindeuten – unterbinden. Dadurch ließe sich der Krankheitseintritt hinauszögern. Bisher wurde der Impfstoff erfolgreich an Tieren getestet – Forscher erhoffen sich, dass er auch bei menschliche Probanden vielversprechende Ergebnisse zeigt.

Der Weg vom Tierversuch bis zum Einsatz am Menschen ist lang und mühsam, und viele vielversprechende Heilmittel halten dem nicht stand. Der leitende Autor Roger N. Rosenberg der in dieser Woche in der Fachzeitschrift Alzheimer's Research & Therapy veröffentlichten Studie sagte gegenüber USA Today, dass sich der Impfstoff als sicher und wirksam erweisen und die Gesamtzahl der Demenzdiagnosen verringern könnte.

 

Impfstoff kann die Zahl der Demenzerkrankungen halbieren

„Wenn sich der Ausbruch der Krankheit sogar um fünf Jahre verzögern lässt, wäre das für die Patienten und ihre Familien ein enormer Fortschritt“, erklärt Studienautorin Doris Lambracht-Washington, Professorin für Neurologie und Neurotherapeutika, gegenüber USA Today. „Die Zahl der Demenzfälle könnte um die Hälfte sinken.“

Bei der Alzheimer-Erkrankung können sich zwei abnormale Proteinstrukturen (Plaques und Verwirrungen) im Gehirn aufbauen und Nervenzellen zerstören. Der neue Impfstoff könnte in der Lage sein, eine solche Anhäufung dieser Proteine ​​zu stoppen, ohne eine Gehirnentzündung zu verursachen, schreiben die Forscher.

Der experimentelle Impfstoff markiert damit einen monumentalen Vorstoß im Kampf gegen Demenz. Aktuell wird mit Medikamenten gearbeitet, die die vorhandenen Gehirnzellen anregen, ihr Absterben jedoch nicht verhindern können.

 Zum einen gibt es sogenannte Acetylcholinesterase-Hemmer: Der Botenstoff Acetylcholin wird in den Nervenzellen gebildet. Er ist wichtig für Gedächtnis-Leistungen. Durch das Zell-Sterben wird nicht mehr ausreichend produziert. Zudem wird er zu schnell wieder abgebaut – ist also im Gehirn nur kurz verfügbar. Genau hier setzt das Medikament an: Es hemmt den Abbau – die geistige Leistungsfähigkeit wird wieder gesteigert.



Zum anderen gibt es die Glutamat-Antagonisten: Für das Absterben der Nervenzellen ist u. a. eine erhöhte Glutamat-Konzentration verantwortlich. Dieser Botenstoff ermöglicht gesunden Menschen Gedächtnisleistung und Lernfähigkeit. Bei Patienten ist die Konzentration des Stoffes jedoch erhöht, sodass es zur Überreizung kommt – die Zellen sterben früher ab. Das Medikament stoppt diesen Dauerreiz.

 Für alle Betroffenen gilt: Je eher die Krankheit behandelt wird, umso besser lässt sich ihr Verlauf heute aufhalten.



Quelle: 

Roger N. Rosenberg, Min Fu and Doris Lambracht-Washington (2018):Active full-length DNA Aβ42 immunization in 3xTg-AD mice reduces not only amyloid deposition but also tau pathology in: Alzheimer's Research & Therapy

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