Neue Therapien gegen Alzheimer: Was wirklich hilft

Erinnerungsvermögen verwelkt bei Alzheimer
Wenn das Erinnerungsvermögen verwelkt: Im fortgeschrittenen Stadium erkennen Alzheimer-Patienten sich selbst, Verwandte oder enge Freunde nicht mehr wieder © Fotolia

Ganz heilbar ist die Alzheimer-Krankheit zwar noch nicht. Aber sie lässt sich aufhalten. Je früher Alzheimer erkannt wird, desto besser wirken Medikamente und Therapien.

Winzig ist sie, fast unsichtbar. Nichts weiter als ein Fleck. Doch diese minimale Veränderung im Gehirn hat schwerwiegende Folgen. Denn sie ist schuld daran, dass Maria Feldmann nicht nur ihre PIN-Nummer vergessen hat – sie wird der 62-Jährigen auch nie wieder einfallen.

"Alzheimer", lautet die niederschmetternde Diagnose des Arztes. Von nun an werden sich in Marias Gehirn immer mehr "Plaques" bilden – Ablagerungen an den Kontaktstellen der Nervenzellen aus einem extrem klebrigen Eiweiß, umgeben von einem verklumpten Hof von Fasern, die das Gehirn verstopfen.

Neue Studien zeigen noch eine zweite negative Eigenschaft dieser sogenannten Beta-Amyloide: Sie behindern das Wachsen und Heranreifen neuer Nervenzellen.

 Bisher ist Alzheimer nicht heilbar. Doch das heißt noch lange nicht, dass man dem geistigen Verfall hilflos ausgeliefert ist: Das Fortschreiten der Krankheit lässt sich heute deutlich verlangsamen – mit hochmodernen Therapien.



 

Medikamente hemmen den Verfall

So wird aktuell mit Medikamenten gearbeitet, die die vorhandenen Gehirnzellen anregen, ihr Absterben jedoch nicht verhindern können.

Zum einen gibt es sogenannte Acetylcholinesterase-Hemmer: Der Botenstoff Acetylcholin wird in den Nervenzellen gebildet. Er ist wichtig für Gedächtnis-Leistungen. Durch das Zell-Sterben wird nicht mehr ausreichend produziert. Zudem wird er zu schnell wieder abgebaut – ist also im Gehirn nur kurz verfügbar. Genau hier setzt das Medikament an: Es hemmt den Abbau – die geistige Leistungsfähigkeit wird wieder gesteigert.



Zum anderen gibt es die Glutamat-Antagonisten: Für das Absterben der Nervenzellen ist u. a. eine erhöhte Glutamat-Konzentration verantwortlich. Dieser Botenstoff ermöglicht gesunden Menschen Gedächtnisleistung und Lernfähigkeit. Bei Patienten ist die Konzentration des Stoffes jedoch erhöht, sodass es zur Überreizung kommt – die Zellen sterben früher ab. Das Medikament stoppt diesen Dauerreiz.

Für alle Betroffenen gilt: Je eher die Krankheit behandelt wird, umso besser lässt sich ihr Verlauf heute aufhalten.



 

Impfung bremst Eiweiß-Ablagerungen

Therapien, an denen noch geforscht wird, sollen nicht nur Symptome lindern, sondern die Eiweiß-Ablagerungen bekämpfen. Ein Ansatz ist die Alzheimer-Impfung: Sie soll im Frühstadium eingesetzt werden. Der Impfstoff erkennt die Ablagerungen, dockt sich an und vernichtet sie.

Bei einer anderen Impf-Methode sollen Eiweiße unter die Haut gespritzt werden, damit das Immunsystem Antikörper bildet. Diese bekämpfen dann die Eiweiß-Ablagerungen im Gehirn.


Labor-Untersuchungen zeigten zudem große Erfolge bei der sogenannten Farbstoff-Therapie. Hintergrund: Der Farbstoff "Methylenblau" reagiert mit Bestandteilen der Ablagerungen. Er verhindert, dass diese Klumpen bilden. Dadurch könnte das Fortschreiten der Krankheit effektiv gestoppt werden.

 

Der Promi-Fall: Rudi Assauer hat Alzheimer

Rudi Assauer (69) – Jahrelang war der Ex-Schalke-Manager mit dem losen Mundwerk aus dem Fußball-Geschäft nicht wegzudenken. Er galt als unverbesserlicher Macho mit Herz. Nie um einen Spruch verlegen. Rudi Assauer gab immer Vollgas.

Doch heute rührt uns allein das Schicksal der Fußball-Manager-Legende. Vor mehr als einem Jahr ging Rudi Assauer mit dem Geständnis an die Öffentlichkeit: "Ich habe Alzheimer." Mit der heimtückischen Krankheit hat sich Assauers Leben völlig verändert. Er erinnert sich nicht mehr an einstige Mitspieler, öffentliche Auftritte und Interviews meidet er meist. Betreut wird er von seiner Tochter Bettina Michel.

 Seine Gedanken hielt Assauer in seinem Buch fest: " ... wenn es eine Sache gibt, vor der ich immer Angst hatte, so richtig Schiss auf gut Deutsch, dann Alzheimer. Bloß nicht diese Nummer. Bloß nicht dement werden im Alter, das schwirrte mir oft im Kopf herum", heißt es in "Wie ausgewechselt – Verblassende Erinnerungen an mein Leben" (Riva, 19,99 Euro).

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