Neue Therapien bei Bandscheibenvorfällen

Redaktion PraxisVITA
Mann mit Bandscheibenvorfall
Wenig Bewegung, Übergewicht oder eine schlechte Körperhaltung können die Bandscheiben verrutschen lassen © Fotolia

Wann konservative Maßnahmen helfen und welche modernen Eingriffe Erfolg versprechend sind, erfahren Sie hier bei Praxisvita.

Der Rücken macht viel mit: Bei jeder Bewegung wird die Wirbelsäule gestreckt und gestaucht. Davon bemerken wir meist nichts, denn die vergleichsweise elastischen Bandscheiben zwischen den harten Wirbeln dienen als Stoßdämpfer. Durch eine dauerhaft schlechte Körperhaltung, wenig Bewegung oder Übergewicht können die Bandscheiben verrutschen. Drücken sie auf einen Nerv, entstehen starke Schmerzen. Ärzte sprechen von einem "Vorfall".

 

Tabletten und gezielte Physiotherapie

Dann raten Experten aber von vorschnellen Operationen ab. Zuerst gehören die Behandlung mit Schmerzmitteln und Wärme-Anwendungen sowie Physiotherapie zu den Standardmaßnahmen.

 

Spezielle Behandlung mit Elektroden

Erst, wenn diese keinen Erfolg bringen, kann ein Eingriff sinnvoll sein. Heute setzen viele Orthopäden die "gepulste Radiofrequenz-Therapie" ein. Dabei wird eine Elektrode über das Kreuzbein in den Wirbelkanal geführt und mit ihrer Spitze genau zwischen Nervenwurzel und Bandscheibe platziert. Die Elektroden geben an der Spitze elektrische Impulse an die Nerven ab. Diese beruhigen die Nervenwurzeln. Der Patient empfindet dadurch erheblich weniger Schmerzen, die durch die Reizung entstandene Entzündung heilt aus. Außerdem kann über die Sonde ein Medikament direkt am Nerv abgegeben werden. Um Komplikationen zu vermeiden, findet der Eingriff unter örtlicher Betäubung und Röntgen-Kontrolle statt.

 

Letzte Alternative: Gewebe Entfernen

Ist der Nerv regelrecht eingequetscht, kommt es häufig zu Lähmungserscheinungen. Dann hilft meist nur noch eine minimalinvasive Operation, bei der das auf Nerven drückende Gewebe entfernt wird. Bisher kam es bei vielen Patienten nach nur wenigen Monaten zu einem Rückfall, ausgelöst durch einen Defekt des widerstandsfähigen Gewebes rund um den Bandscheibenkern. Mit einer neuen Technik können Chirurgen die undichte Stelle dieses sogenannten Fasserrings einfach verschließen (siehe Interview).

Nikolai G. Rainov
Prof. Dr. Dr. Nikolai G. Rainov Neurochirurg, Wirbelsäulenzentrum Dr. Schneiderhan in München© Praxisklinik Dr Schneiderhan & Kollegen
 

"Rückfälle kann man verhindern"

 

Kann es nach einer Operation zu erneuten Beschwerden kommen?

Wenn ein Loch oder Riss im Schutzring auftritt, der die Bandscheibe umgibt, kann Gewebe austreten. Dann sprechen wir von einem Vorfall. Bei einem operativen Eingriff wird das ausgetretene Gewebe entfernt. In manchen Fällen bleibt der Defekt im Schutzring so groß, dass das Risiko für einen erneuten Vorfall wahrscheinlich ist.

 

Wie können Sie diesen verhindern?

Heute können wir ein spezielles Implantat in den Fasserring einsetzen, die sogenannte Barricaid-Prothese (Kassenleistung). Dafür ist keine eigenständige OP notwendig. Denn wir führen den Eingriff dann durch, wenn das ausgetretene Gewebe entfernt wird. In der Folge sinkt das Risiko für einen erneuten Vorfall um das Drei- bis Vierfache.

Im Interview

Prof. Dr. Dr. Nikolai G. Rainov, FRCSEd

Facharzt für Neurochirurgie, Spezielle neurochirurgische Schmerztherapie im Wirbelsäulenzentrum Dr. Schneiderhan in München

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