Neue Therapie gegen chronische Schmerzen

Schmerz
Forscher aus Luxemburg haben erkannt, dass der Mensch konditioniert werden kann, weniger Schmerzen zu empfinden, indem er ein neutrales Geräusch hört © Fotolia

Die Konditionierung auf ein bestimmtes Geräusch lässt chronischen Schmerz verschwinden. Das zeigen Forscher aus Luxemburg in einer kürzlich veröffentlichten Studie. Die Mediziner nutzten dazu das Phänomen des sogenannten Gegenschmerzes und kombinierten es auf einfachste Weise mit dem Prinzip der klassischen Konditionierung. Das Ergebnis könnte die moderne Schmerztherapie revolutionieren.

Wer einen anhaltenden Schmerz empfindet, kann diesen durch einen kurzfristigen, aber intensiven Druck- oder Kneifschmerz lindern oder sogar verschwinden lassen. Das sogenannte Gegenschmerzprinzip ist ein medizinisch noch kaum erforschter Effekt, bei dem der Mensch in der Lage ist, ein schmerzliches Empfinden auszublenden. Forscher der Universität von Luxemburg haben diesen Effekt in einer kürzlich veröffentlichten Studie genauer untersucht und eine erstaunliche Entdeckung gemacht.

 

Der Mensch kann sich gegen Schmerz konditionieren

Die Forscher zeigten in einer klinischen Untersuchung, dass Schmerz nicht nur durch das sogenannte „Schmerz-blockiert-Schmerz-Phänomen“ ausblendbar ist, sondern, dass dieser Effekt auch konditionierbar ist. Dabei ersetzt ein nicht-schmerzhafter Impuls durch Konditionierung den Gegenschmerz. Die Wirkung bleibt dieselbe: der Schmerz verschwindet.

Für die Untersuchung wurden freiwillige Probanden am Fuß einer Reihe ungefährlicher, aber sehr schmerzhafter Stromstöße ausgesetzt. Um den Schmerz – entsprechend des bekannten Gegenschmerzprinzips – zu lindern, hielten sie nach den Stromstößen eine Hand in eiskaltes Wasser. Der Schmerz verschwand. Das Prozedere wurde wiederholt.

 

Ein Klingelgeräusch ersetzt den Gegenschmerz

An dieser Stelle teilte sich das Versuchsfeld der Probanden in zwei Gruppen. Während die erste Gruppe den Stromschmerz nur mit dem Eiswasser linderte, wurde der zweiten Gruppe beim Eintauchen der Hand in das Eiswasser ein Klingelgeräusch vorgespielt – das gleiche Geräusch immer wieder bei jedem Durchgang.

Bereits nach einigen Wiederholungen des „Strom-Schmerz-Eiswasser-Geräusch-Versuchs“ reichte das Hören des Klingelgeräuschs bei der zweiten Probandengruppe aus, um den Stromschmerz zu lindern. Das Erzeugen eines Gegenschmerzes durch das Eintauchen der Hand in das Eiswasser war dazu nicht mehr nötig. Tatsächlich waren diese Probanden auf den akustischen Reiz so konditioniert, dass sie damit Schmerzlinderung verbanden.

Nach Aussagen von Studienleiter Professor Fernand Anton wirft diese Entdeckung nicht nur ein neues Licht auf die Konditionierbarkeit menschlicher Empfindungen im Allgemeinen, sondern könnte auch die moderne Schmerztherapie revolutionieren. Besonders die Behandlung von chronischem Schmerz mithilfe eines bestimmten akustischen Signals soll medizinisch weiter erforscht werden.

Hamburg, 14. Juli 2014

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