Neue Studie: (Wie) Kann Corona Diabetes auslösen?

Mona Eichler Health-Redakteurin

Diabetes gehört zu den Corona-Risikofaktoren, das ist bekannt. Aber kann das Virus die Zuckerkrankheit auch auslösen? Eine Studie hat das nun untersucht.

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Inhalt
  1. Studie: Corona kann Diabetes auslösen
  2. Diabetes als Folge von COVID-19: Welchen Rezeptor nutzt Corona?
  3. Mögliche Behandlungsmethode für Corona-bedingten Diabetes

Wer an Diabetes leidet, gehört zu den Corona-Risikogruppen. Zuckerkranke Menschen haben ein höheres Risiko, schwer an COVID-19 zu erkranken. Die beiden Krankheiten stehen allerdings in wechselseitiger Beziehung: Wer schwer an Corona erkrankt ist, entwickelt mit einer hohen Wahrscheinlichkeit Diabetes. Eine neue Studie erklärt nun, warum das so ist. 

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Studie: Corona kann Diabetes auslösen

Chien-Ting Wu von der Stanford University untersuchte mit einem internationalen Team an Forschern, wie genau Corona und Diabetes mellitus zusammenhängen. Der an der Studie beteiligte Mediziner Matthias Matter, Fachbereichsleiter der Molekularpathologie am Universitätsspital Basel, verwies darauf, dass etwa 10 bis 20 Prozent aller Patienten mit einem schweren Corona-Verlauf in der Folge an Diabetes erkranken. Grund dafür ist die Schädigung der insulinproduzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse, was einen erhöhten Blutzucker zur Folge hat. 

Die bisher ungeklärte Frage: Ist das Coronavirus direkt für die Zellschäden verantwortlich oder wird der Diabetes durch eine Autoimmunreaktion des Körpers auf die COVID-Infektion ausgelöst? 

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Diabetes als Folge von COVID-19: Welchen Rezeptor nutzt Corona?

Laut der Studie infiziert SARS-CoV-2 die Betazellen der Bauchspeicheldrüse und löst damit einen Diabetes aus, die dem Diabetes Typ 1 ähnelt. Das Ungewöhnliche daran: Bisher gingen Wissenschaftler davon aus, dass das Coronavirus vor allem über ACE2 und seinen Kofaktor TMPRSS2 in Zellen eindringt. Beide sind in Betazellen allerdings nur gering vorhanden. 

Die Studie deckt nun auf, dass Corona mit Blick auf Diabetes einen anderen Weg in die Zellen nutzt. Statt an ACE2 bzw. TMPRSS2 dockt das Virus an einem Rezeptor an, der in der Bauchspeicheldrüse verstärkt vorkommt: das Protein Neuropilin 1. Dort vermehrt sich SARS-CoV-2 und zerstört die Zellen. Die Insulinproduktion im Körper wird gestoppt. „Diese Ergebnisse sind ein starker Beleg für die erhöhte Anfälligkeit der Betazellen in der menschlichen Pankreas gegenüber SARS-CoV2“, schlussfolgern Wu und sein Team. 

 

Mögliche Behandlungsmethode für Corona-bedingten Diabetes

Bewiesen scheint damit, dass der coronabedingte Diabetes eine direkte Folge der Viruserkrankung ist. „Unsere Beobachtungen zeigen einen Mechanismus, durch den SARS-CoV-2 direkte Schäden an den Betazellen verursachen kann und dadurch auch einen klinischen Typ-1-Diabetes“, so Chien-Ting Wu. 

Die Erkenntnisse deuten eine Behandlungsmöglichkeit an: Blockiert man den Rezeptor Neuropilin 1, könnte die Infektion der Betazellen und damit die Entstehung von Diabetes mellitus verhindert werden. Hierzu gibt es allerdings noch keine medizinischen Untersuchungen.

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Quellen:
SARS-CoV-2 infects human pancreatic β cells and elicits β cell impairment, in: sciencedirect.com
Forscher: Covid-19-Erkrankung kann Diabetes auslösen, in: deutschlandfunk.de
So löst das Coronavirus Diabetes aus, in: scinexx.de
Diabetes und COVID-19, in: diabsurv.rki.de

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