Neue schnelle Hilfe bei Arthritis-Schmerzen

Arthritis-Patienten sind durch spezielle Präparate morgens viel früher beweglich
Ein spezielles Kortisonpräparat sorgt dafür, dass der Tabletten-Wirkstoff genau dann in der Nacht freigesetzt wird, wenn die Entzündungsaktivität im Körper ansteigt. Rheumatoide Arthritis-Patienten sind so morgens viel früher beweglich © Fotolia

Vor allem Frauen zwischen 40 und 60 leiden unter der Qual in den Fingern. Moderne Behandlungen helfen dabei, die Arthritis-Schmerzen zu verringern.

Besonders schlimm war es immer am Morgen. Dann konnte Ingrid T. ihre Finger kaum bewegen. Duschen, Kaffee kochen, das Frühstück machen: All das war nur unter Arthritis-Schmerzen möglich. Die Gelenke an den Fingern der 48-jährigen Berlinerin waren geschwollen, gerötet und heiß. Im Laufe des Tages besserten sich die Beschwerden dann meist. Die Diagnose des Arztes: rheumatoide Arthritis, oder kurz RA.

 

800 000 Betroffene von Arthritis-Schmerzen

Die RA ist eine der häufigsten Rheuma-Arten überhaupt. Gut 800 000 Betroffene gibt es in Deutschland. Die Erkrankung wird bei ihnen in Schüben immer schlimmer und verursacht starke Arthritis-Schmerzen. "Bislang ist rheumatoide Arthritis nicht heilbar, sie kann aber dank neuer Therapien gut behandelt werden", weiß Dr. Rieke Alten, Rheumatologin aus Berlin. Es gibt zum Beispiel Basis-Medikamente mit den Wirkstoffen Methotrexat oder Cyclosprin, die das fehlgeleitete Immunsystem regulieren. Kortison hemmt Entzündungen, Schmerzmittel lindern die unmittelbaren Auswirkungen der RA ebenso wie etwa Kälteanwendungen oder Krankengymnastik.

 

"Nachtaktive" Erkrankung

Ein großes Problem der RA ist allerdings ihr sogenannter zirkadianer Rhythmus. Die Erkrankung ist sozusagen nachtaktiv. Das heißt, die Stoffe, die die Entzündung in den Gelenken verursachen, werden nachts freigesetzt. Deshalb sind die Arthritis-Schmerzen auch morgens am größten. Für die Behandlung bedeutet das, dass Medikamente wie herkömmliche Kortisonpräparate mitten in der Nacht eingenommen werden müssen. "Das aber ist für Patienten kaum praktikabel", sagt Dr. Alten. Ideal wäre also ein Medikament, das seine Wirkung erst Stunden nach der Einnahme entfaltet. Das bietet nun der verschreibungspflichtige Arzneistoff Prednison MR. Dabei handelt es sich um ein spezielles Kortisonpräparat.

 

Verzögerte Wirkung

Das MR steht für modified release, also für modifizierte Freisetzung. "Die Tablette wird gegen 22 Uhr eingenommen", erklärt Dr. Alten. "Der Wirkstoff wird gegen 2 Uhr nachts freigesetzt – genau dann, wenn die Entzündungsaktivität ansteigt." Patienten sind so morgens viel früher beweglich. Zu diesem Kortison wird weiter eine der Basis-Arzneien gegeben.

 

Den Alltag wieder meistern

Auch Ingrid T. hat mit der neuen Behandlung ein großes Stück Lebensqualität zurückerlangt. Ihre Gelenke sind morgens nicht mehr so geschwollen, die Schmerzen sind weniger geworden. Der Alltag geht ihr trotz leichter Arthritis-Schmerzen wieder leichter von der Hand.

 

Das ist gut

 

Vitamine

Rheumatiker haben einen höheren Vitaminbedarf (C, D, und E). Dieser Bedarf lässt sich durch eine ausgewogene Ernährung mit fünfmal täglich Obst und Gemüse decken. Präparate sind selten nötig. Fragen Sie Ihren Arzt.

 

Bewegung

Wer körperlich aktiv ist, erhält die Beweglichkeit und Stabilität seiner Gelenke. Versuchen Sie es vor allem mit sanften Sportarten wie Radfahren oder Wassergymnastik.

 

Das ist schlecht

 

Übergewicht

Zu viele Kilos belasten die Gelenke. Deshalb sollten Rheumatiker in jedem Fall Übergewicht abbauen. Ärztlich kontrolliertes Fasten kann sogar die Entzündungen lindern. Fragen Sie Ihren Arzt.

Arthritis-Schmerzen
Übergewicht belastet die Gelenke und kann so Arthritis-Schmerzen auslösen© Fotolia
 

Fleisch und Wurst

Die ungesättigte Fettsäure Arachidonsäure, die vor allem in Fleisch und noch mehr in Wurst steckt, fördert Entzündungen. Essen Sie nur etwa 250 Gramm Fleisch pro Woche. Bessere Eiweißlieferanten: Fisch und Hülsenfrüchte.

 

Gut zu wissen

 

So werden die Gelenke zerstört

Fest steht, dass das Immunsystem den eigenen Körper bekämpft. Aber warum es das macht, weiß man bis heute noch nicht. Die körpereigene Abwehr, das Immunsystem, bekämpft statt Viren und Bakterien die eigenen Zellen. Das findet bei rheumatoider Arthritis, einer sogenannten Autoimmunerkrankung, vor allem in den Gelenken statt: Bestimmte Botenstoffe rufen Entzündungen hervor. Passiert das in Schüben immer wieder, schädigen die Entzündungen den Knorpel, die Arthritis-Schmerzen auslösen. Auch die Knochen selbst können angegriffen werden. Dann lassen sich die Gelenke immer schlechter bewegen und werden instabil. Fehlstellungen bilden sich. Die Schäden bleiben erhalten, auch wenn die Entzündungsphase längst wieder abgeklungen ist. Meist sind zuerst die kleinen Gelenke an den Händen und Füßen betroffen. Die rheumatoide Arthritis kann aber auch auf Ellenbogen, Schultern, Hüften sowie auf Knie und sogar die Organe übergreifen.

 

Rauchen verschlimmert den Verlauf der Krankheit

 

Rheumafaktoren

Zigarettenkonsum verstärkt Arthritis-Schmerzen. Bei 71 Prozent der Raucher lassen sich im Blut deutlich mehr Rheumafaktoren nachweisen als bei Nichtrauchern, ergab eine Studie des Berufsverbands der Rheumatologen.

 

Gefährdete Therapie

Deshalb ist auch bei Rauchern die Chance nur halb so groß, dass die Entzündungen und Schmerzen durch eine Therapie verringert werden können.

 

Mehr Arzneien

Zudem scheint Rauchen die Wirkung der Basis-Medikamente bei RA zu schwächen. Nikotinsüchtige brauchen demzufolge auch deutlich mehr Medikamente. Und das erhöht die Gefahr von Nebenwirkungen. Es ist also höchste Zeit, aufzuhören – nicht erst wenn eine RA vorliegt.

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