Neue Netflix-Serie „Erkrankt“ – was die Zuschauer nicht sehen

Mona Trautmann Medizinredakteurin

Sie leiden unter starken Schmerzen, extremer Müdigkeit und seltenen Allergien. Verursacht durch alltägliche Dinge wie Elektrizität, Schimmelsporen oder Licht. Die Hauptakteure der neuen US-Netflix-Serie „Erkrankt“ (Originaltitel Afflicted) können aufgrund verschiedener chronischer Erkrankungen kein normales Leben führen. Das Besondere daran: Die Erkrankungen sind extrem selten und niemand weiß, woher sie kommen und wie man sie heilt.

Jamison Hill
Jamison Hill gehört zu den sieben Personen, deren Schicksale in der Doku "Erkrankt" gezeigt werden Foto:  Jamison Hill
Inhalt
  1. Afflicted (Erkrankt) zeigt seltene Krankheitsschicksale
  2. Suche nach Heilung, Verständnis und Mitgefühl
  3. Das passiert hinter den Kulissen der Doku
  4. Erkrankt – physisch oder psychisch?
 

Afflicted (Erkrankt) zeigt seltene Krankheitsschicksale

In sieben Folgen dokumentiert die Serie das Leben der ehemaligen Lehrerin Carmen, die unter Elektro-Hypersensibilität leidet und das Filmteam bittet, Handys und Smartwatches nicht mit in ihr Haus zu nehmen. Dann zeigen sie den bettlägerigen Jamison, der von einer Pflegerin täglich beim Essen, Waschen und Zähneputzen unterstützt wird. Jede Bewegung löst bei ihm starke Schmerzen aus. Warum – das weiß keiner. 

Zu den weiteren Erkrankten gehören Pilar, die sich isoliert, da sie keine Chemikalien verträgt. Bekah, die wegen ihrer Schimmepilzallergie in der Wüste lebt. Jill, die ebenfalls keine Schimmelsporen aushält und deshalb ihr Haus verkauft. Jake leidet unter Lyme-Borreliose und kann an vielen Tagen das Bett nicht verlassen. Die siebte Person ist Star, der Experten bereits zwölf verschiedene Diagnosen stellten und ihre Beschwerden wie Muskelzuckungen und Taubheitsgefühle trotzdem nicht lindern konnten. Zwischen den Sequenzen sieht der Zuschauer Interviews mit ratlosen Angehörigen und Experten.

 

Suche nach Heilung, Verständnis und Mitgefühl

Immer wieder wird deutlich: Es ist schwierig eine Erkrankung anzuerkennen, zu akzeptieren und zu behandeln, die so speziell ist, dass selbst Experten überfragt scheinen. Umso wichtiger war es den sieben Protagonisten, mithilfe der Serie für Aufklärung zu sorgen. 

Versprochen wurde den Darstellern – laut deren Aussage – eine mitfühlende sensible Art der Darstellung ihrer Schicksale. Und sie erhofften sich mehr Verständnis oder sogar Aufklärung ihrer rätselhaften Symptome durch weitere Forschungen.

 

Das passiert hinter den Kulissen der Doku

Doch jetzt behaupten die Protagonisten, das Gegenteil sei eingetreten: In dem Artikel „The Truth behind Netflix’s ‘Afflicted“ verteidigt Jamison sich und seine Gleichgesinnten: 
Er habe nicht gewusst, dass er an einem Projekt teilnehme, dass ihn und seine Gleichgesinnten weiter lächerlich und unglaubwürdig mache. Er fühlt sich missverstanden, weil sich in der Dokumentation Experten äußern, die den Zustand der Betroffenen als psychosomatisch (durch seelische Belastungen ausgelöst) beschreiben.

Angebliche Belege dafür, dass die Krankheitssymptome organische Ursachen haben, würden in der Doku nicht gezeigt, kritisiert er. Viele Testergebnisse und Diagnosen fänden in der Serie keine Erwähnung. Er betont, dass er und seine Gleichgesinnten bereits psychologische Hilfe in Anspruch genommen hätten, was die Symptome aber nicht verbesserte.

Jamison berichtet vom Casting für das Format und bezeichnet die Doku wegen der für ihn verfälschenden Darstellungsart als Reality-Show. Die Expertenmeinungen seien so zusammengeschnitten, dass sie nicht zu den vorgestellten Erkrankungen passten und so die Darstellungen verzerrten. In seinem Blog "Jamison writes" erklärt er auch, dass die Produzenten die Erkrankten und ihre Angehörigen während der Interviews manipuliert hätten und ihnen die Worte im Mund umdrehten. Eine Vergütung erhielten die Protagonisten ebenfalls nicht, erklärt Jamison. Die Akteure der Serie fühlen sich ausgenutzt.

 

Erkrankt – physisch oder psychisch?

Ob es sich bei den Protagonisten um Hypochonder handelt (wie in der Serie angedeutet) oder sie tatsächlich an schweren Erkrankungen leiden, lässt sich nicht feststellen. Offensichtlich ist jedoch, wie sehr die Betroffenen unter ihren Beschwerden – und nun auch der falschen Darstellung in der Sendung – leiden. Wer sich selbst ein Bild machen möchte: Die Serie besteht aus sieben etwa vierzigminütigen Folgen und ist seit dem 10. August 2018 auf Netflix verfügbar.

 

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