Neue Hoffnung bei Parkinson

Michael J. Fox hat Parkinson
Michael J. Fox hat Parkinson – mit Medikamenten konnte er die Krankheit lindern © CorbisGerma

Michael J. Fox: Wie er sein Leben mit der Krankheit meistert.

Es war 1990, während der Dreharbeiten zu der Filmkomödie „Doc Hollywood". Eines Morgens erwachte der Schauspieler Michael J. Fox in seinem Hotelzimmer davon, dass der kleine Finger seiner linken Hand zitterte. Überarbeitung, dachte er, oder doch ein Drink zu viel gestern Abend in der Hotelbar. Einige Tage darauf begannen auch andere Finger zu zittern, seine Schultern versteiften sich. Als ihm schließlich beim Signieren einer Fan-Postkarte der Kugelschreiber aus der Hand fiel, gab es kein Leugnen mehr: Er war krank. Sehr krank. Und die Diagnose der Mediziner eindeutig: Michael J. Fox hatte Parkinson. „Viel zu früh, sehr ungewöhnlich", sagte sein Arzt, „aber leider gibt es keinen Zweifel." Wie verkraftet man den Absturz vom Super-Star zum unheilbar Kranken? Wie akzeptiert man mit dreißig Jahren, dass einem bestenfalls noch „zehn gute Jahre als Schauspieler bleiben"? Zunächst versuchte Michael J. Fox, die Krankheit zu verheimlichen. Drehte weiter. Dabei musste er immer öfter zu Tricks greifen, etwa die zitternden Hände fest in die Hosentaschen stopfen.

1998 ging er schließlich an die Öffentlichkeit, bekannte sich zu seinem Leiden. „Die Reaktionen der Menschen waren ermutigend und herzerwärmend", sagt er heute, das habe ihm sehr geholfen. Heute geht es dem gebürtigen Kanadier dank eines speziellen Medikamenten-Cocktails so gut, dass er sogar wieder drehen kann: Derzeit steht er für eine neue US-Serie vor der Kamera. Daneben arbeitet er für die von ihm gegründete Parkinson-Stiftung und hat ein Buch über sein Leiden geschrieben: „Lucky Man" („Glücklicher Mann"). Glücklicher Mann? Vor allem wohl ein tapferer Mann – der nie aufgegeben hat und sagt, er habe seinen Frieden mit der Krankheit gemacht. Die Kraft dazu schenkt ihm seine Familie, Frau Tracy und die vier Kinder, mit denen er in New York lebt: „Sie geben mir viel mehr, als Parkinson mir je nehmen kann."

 

Patienten Geschichte:

Es begann mit einem Zittern. Fassungslos starrte Doris Rahn auf ihre Hand, die vorher entspannt auf dem Tisch gelegen hatte und nun plötzlich dieses leichte Schütteln zeigte. Sie war erst 53. Trank keinen Alkohol, rauchte nicht. Was war mit ihr los? Das fragte sich die Verkäuferin in den nächsten Monaten immer häufiger. Bei vielen alltäglichen Handgriffen war sie zusehends unsicherer, die Bewegungen wurden immer langsamer: „Ich brauchte ewig, um den Schlüssel ins Haustür-Schloss zu bekommen." Trotzdem versuchte sie weiterzumachen, als wäre nichts passiert. Erst als sie beim Überqueren einer Straße stolperte und beinahe von einem Auto angefahren worden wäre, wurde ihr klar: So geht es nicht weiter. Ihr Hausarzt stellte fest: Doris Rahn hat Parkinson – ein Schicksal, das sie mit etwa 280 000 anderen Menschen in Deutschland teilt.

 

Was sind die Symptome?

Die Diagnose war ein Schock für die Berlinerin. Schließlich führt diese Krankheit in der Regel zu zunehmender Hilflosigkeit. „Werde ich jetzt ein Pflegefall?", fragte sie sich. Doch ein langes Gespräch mit einem Neurologen gab ihr neue Hoffnung: Die Medizin hat große Fortschritte bei der Behandlung dieser Krankheit gemacht – und mit einem Hirnschrittmacher sensationelle Therapie-Erfolge erzielt. Das ist umso erstaunlicher, als die Ursache des Leidens bis heute nicht endgültig geklärt ist. Fest steht nur: Im Gehirn sterben jene Zellen ab, die den Nerven-Botenstoff Dopamin produzieren. Fehlt er, kann der Mensch seine Bewegungen nicht mehr richtig koordinieren. In den ersten fünf Jahren lässt sich dieser Mangel aber heute mit Medikamenten gut ausgleichen. Die typischen Symptome wie unsicheres Stehen, Händezittern oder verlangsamte Bewegungen verschwinden dadurch fast völlig. Ärzte nennen das den „Honeymoon" - die Flitterwochen der Erkrankung. Danach übernimmt nach und nach die Schüttel-Lähmung die Kontrolle über den Körper. Trotz Medikamenten. Die Betroffenen sind teilweise unfähig, ihre Füße zum Gehen anzuheben. Festfrieren auf der Stelle, „Freezing", heißt das in der Fachsprache. Diese nicht planbaren „Off-Phasen", in denen nichts mehr geht, werden immer häufiger und länger. Stress verschlimmert die Symptome. Normale Dinge wie das Ausfüllen eines Formulars werden mit zitternden Händen zum Albtraum.

 

Hilfe für das Gehirn

In schweren Fällen können Ärzte seit etwa zehn Jahren einen Hirn-Schrittmacher einsetzen, der Linderung bringt. Hierbei werden in einer bis zu zwölf Stunden dauernden OP feine Elektroden ins Gehirn implantiert. Sie sind mit einem flachen Gerät verbunden, das am Schlüsselbein unter der Haut sitzt. Dieses steuert den Hirn-Schrittmacher und wird vom Arzt oder sogar dem Patienten selbst bedient. Die Zahl der gefürchteten "Off-Phasen" wie auch der Medikamentenbedarf können dadurch halbiert werden. Das Zittern verschwindet fast völlig. Mittlerweile wird der Einsatz des Geräts auch für das frühe Stadium der Erkrankung getestet: dem Ende der „Honeymoon"-Zeit. Dadurch verbessert sich die Lebensqualität der Patienten drastisch. Und die Wirkung hält über Jahre an!

Führende Wissenschaftler gehen sogar davon aus, dass sich die Richtlinien für die Behandlung von Parkinson-Patienten jetzt grundlegend ändern werden.

 

Kann man vorbeugen?

Da die Ursache der Krankheit bis heute ungeklärt ist, können Sie nicht gezielt vorbeugen. Doch große Studien geben Hinweise, dass Ernährung als Schutzschild dienen kann: regelmäßiger Konsum von Kaffee oder grünem Tee zum Beispiel – optimal sind mindestens drei Tassen pro Tag. Auch wer viel Beeren isst, erkrankt seltener an Parkinson. Die roten und blauen Pflanzen-Farbstoffe haben einen nervenschützenden Effekt. Und die neueste Erkenntnis: Nikotin senkt das Risiko zu erkranken. Der Gesundheit zuliebe sollte der bekannte Zigaretten-Inhaltsstoff allerdings besser durch Nachtschattengewächse wie Tomaten, Kartoffeln, Paprika oder Auberginen aufgenommen werden. Schon vier normale Beilagen-Portionen dieser Gemüsesorten pro Woche senken das Parkinson-Risiko um 30 Prozent. Ein weiterer Hoffnungsschimmer.

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