Neue Hinweise zur Ursache: Narkolepsie eine Autoimmunkrankheit

Ines Fedder

Die Ursache von Narkolepsie wird seit Jahren erforscht. Wissenschaftler der Universität in Kopenhagen haben nun einen Beweis gefunden, dass es sich bei der Schlafkrankheit um eine Autoimmunerkrankung handelt. Die Studienergebnisse könnten die Behandlung der chronischen Krankheit revolutionieren. Und die Betroffenen vielleicht sogar heilen?

Mann im Anzug lehnt sich an Busfenster und schläft
Foto:  Foto: Geber86/Stock
Inhalt
  1. Schlafkrankheit nicht heilbar
  2. Studie beweist: Narkolepsie, eine Reaktion des Immunsystems
  3. Die richtige Therapie: Medikamente zur Regulierung des Immunsystems

Bei der Erkrankung Narkolepsie handelt es sich um eine chronische neurologische Schlafstörung, die durch die Fehlregulierung des Schlaf-Wach-Zyklus gekennzeichnet ist. Betroffene leiden an einer massiven Tagesschläfrigkeit, Schlafstörungen und Schlaflähmungen. Narkoleptiker können bis zu 15 Mal am Tag über kurze oder längere Phasen einfach einschlafen oder plötzlich umkippen und sind in ihrem Alltag stark eingeschränkt. Darüber hinaus wird bei Narkoleptikern häufig eine Störung des Muskeltonus im Wachzustand festgestellt. Das heißt, dass die Muskeln in besonders stressigen oder emotionalen Momenten plötzlich nachlassen und ihnen wortwörtlich die Knie weich werden. Kataplexie nennt ein Mediziner dieses kurz andauernde Muskelversagen.  

Hypothalamus
Krankheiten & Symptome Was ist eine Narkolepsie?

 

Schlafkrankheit nicht heilbar

Die Ursachen von Narkolepsie, die bisher nicht heilbar ist, erforschen Wissenschaftler seit geraumer Zeit. Sie gehen davon aus, dass es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt, bei der der Verlust des Proteins Hypokretin im Gehirn den Schlaf-Wach-Rhythmus stört. Eindeutig beweisen konnte man das bisher jedoch noch nicht – bis jetzt. Forschern der Fakultät für Gesundheit und Medizin der Universität in Kopenhagen und der Technischen Universität von Dänemark ist es nun gelungen, einen wichtigen Beweis dafür zu liefern, dass es sich bei Narkolepsie tatsächlich um eine Autoimmunkrankheit handelt. 
 

 

Studie beweist: Narkolepsie, eine Reaktion des Immunsystems

In der aktuellen Studie untersuchten die Forscher dabei 20 Blutproben von Narkolepsie-Patienten und 52 Blutproben aus einer Kontrollgruppe mit gesunden Personen. Das Ergebnis: Bei fast allen der 20 Betroffenen konnten die Wissenschaftler autoreaktive und zytotoxische Immunzellen CD8-T-Zellen nachweisen. Wenn die Immunzellen im Körper autoreaktiv sind, bedeutet es, dass sie die körpereigenen Zellen als Angriffspunkte erkennen, genau so, als wären sie zum Beispiel von Bakterien oder Viren befallen. Zytotoxisch bezieht sich auf die Fähigkeit, die Zellen abzutöten. Die Wissenschaftler stellten also fest, dass bei den Narkolepsie-Patienten zerstörerische Immunzellen im Blut vorhanden waren und das genau die Neuronen durch die Zellen zerstört wurden, die das wichtige Hypocretin zur Steuerung des Schlaf-Wach-Zustandes produzieren.

Bereits im vergangenen Jahr 2018 veröffentlichten Wissenschaftler des Epilepsie-Zentrums Bern (SWEZ) eine Studie, die belegt, dass autoreaktive CD4-T-Zellen bei Narkoleptikern im Blut gefunden wurden  – der erste Beweis. Nun der zweite Beleg: Auch die CD8-T-Zellen sind autoreaktiv.

Allerdings: Ebenfalls fanden die Forscher heraus, dass auch gesunde Patienten autoreaktive Zellen im Blut aufwiesen, bei denen die Autoimmunantwort jedoch nicht aktiviert wurde. „Es ist etwas, was wir bei Autoimmunität immer öfter sehen - dass es in allen schlummert, aber nicht aktiviert ist", sagt Birgitte Rahbek Kornum aus der Abteilung für Neurowissenschaften der Universität Kopenhagen.

 

Die richtige Therapie: Medikamente zur Regulierung des Immunsystems

Bleibt nur noch die Frage: Was genau aktiviert den Zerstörungsmechanismus der Zellen? Die genaue Ursache konnten die Wissenschaftler noch nicht herausfinden. Man geht davon aus, dass es eine Kombination aus Genetik, autoreaktiven Zellen und einem Auslöser wie zum Beispiel einer Virusinfektion ist. Die neuen Erkenntnisse sind ein erster Schritt, um neue Behandlungsmethoden zu entwickeln. So können bisherige Therapien, die darauf abzielen, die neurologische Wirkung zu behandeln  – wie zum Beispiel Ritalin, um den Müdigkeitszustand zu verringern – abgelöst werden durch Medikamente, die dabei helfen, die Immunreaktion zu behandeln. „Jetzt, da wir wissen, dass es T-Zell-gesteuert ist, können wir anfangen, Immunbehandlungen noch effektiver und präziser zu machen", sagt Birgitte Rahbek Komum.

So könnte das Leiden der Betroffenen durch neue Therapiemöglichkeiten effektiver behandelt werden und das Leben mit Narkolepsie entscheidend erleichtern.

Quelle: "CD8+ T cells from patients with narcolepsy and healthy controls recognize hypocretin neuron-specific antigens" in: Nature 2018, Communications Band 10 , Artikelnummer:  837, https://www.nature.com/articles/s41467-019-08774-1

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