Corona-Folge Guillain-Barré-Syndrom: Lähmungen und Nervenschäden

Gaby Scheib

COVID-19 ist für Mediziner und Wissenschaftler in großen Teilen immer noch ein Rätsel. Ständig werden neue Symptome und Komplikationen entdeckt. Jetzt manifestiert sich auch die Erkenntnis, dass das Guillain-Barré-Syndrom eine Corona-Folge sein kann. Die Hintergründe.

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Inhalt
  1. Corona-Folgeschäden: Was ist das Guillain-Barré-Syndrom?
  2. Berichte über das Guillain-Barré-Syndrom als Corona-Folge
  3. Wie verläuft GBS nach einer Corona-Infektion?

Wie der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, Prof. Dr. Peter Berlit, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) äußerte, könnte eine Corona-Folge das Guillain-Barré-Syndrom sein. Das berichtet unter anderem der Donaukurier. Die Erkrankung tritt nach einer COVID-19-Erkrankung zwar selten auf, kann aber schwerwiegend sein.

 

Corona-Folgeschäden: Was ist das Guillain-Barré-Syndrom?

Beim Guillain-Barré-Syndrom (GBS) handelt sich um ein schweres neurologisches Krankheitsbild. Die Nerven werden geschädigt, es kann zu Lähmungserscheinungen verschiedener Muskeln kommen, auch die Atemmuskulatur kann betroffen sein. Rund drei Viertel aller GBS-Fälle treten nach Infektionen auf, sowohl durch Bakterien als auch durch Viren, zum Beispiel durch das Zytomegalievirus. Jetzt steht auch SARS-CoV-2 in Verdacht, die Krankheit auszulösen.

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Berichte über das Guillain-Barré-Syndrom als Corona-Folge

Laut Prof. Dr. Berlit wurden weltweit bereits mehr als 100 Fälle bekannt, bei denen COVID-19 zu GBS geführt hat. Bereits im April berichtete die Deutsche Gesellschaft für Neurologie über die Möglichkeit, dass GBS in Zusammenhang mit SARS-CoV-2 auftreten könnte: Ein erster Fall tauchte damals in China auf, wo die Pandemie ihren Ursprung hatte. Hier traten bei einer 61-jährigen Frau Lähmungserscheinungen auf, lange bevor sie typische Corona-Symptome wie Husten, Fieber und Atemnot zeigte und positiv auf das Virus getestet wurde. Allerdings hätte dies ein Zufall sein können. 
Auch in Deutschland gab es schon im April erste Verdachtsmomente: Damals hatte Thomas Pfefferkorn, Direktor der Klinik für Neurologie am Klinikum Ingolstadt, einen an COVID-19 erkrankten Patienten behandelt, der GBS-Symptome zeigte. „Zu dem Zeitpunkt damals hat man gedacht, das gäbe es eigentlich nicht“, so der Mediziner. Als weltweit aber immer mehr Fälle auftraten, wurde der Verdacht zur sicheren Erkenntnis.

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Wie verläuft GBS nach einer Corona-Infektion?

Nach Schätzungen von Prof. Dr. Berlit gibt es in Deutschland ungefähr 20 Fälle, bei denen SARS-CoV-2 GBS ausgelöst hat. Der überwiegende Teil der Betroffenen, etwa 80 Prozent, erholt sich wieder vollständig – jedoch beträgt die Sterblichkeitsrate fünf Prozent: Wenn GBS die Atemmuskulatur lähmt, die Lunge durch das Coronavirus zusätzlich geschädigt ist und der Patient beatmet werden muss, stehen die Chancen schlecht. Mediziner empfehlen daher, dass bei Patienten mit GBS abgeklärt unbedingt werden sollte, ob eine SARS-CoV-2-Infektion vorliegt.

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Bemerkenswert ist auch, dass GBS nach einer Corona-Erkrankung einen entscheidenden Unterschied zu anderen Infektionen zeigt. Typischerweise tritt GBS erst nach 10 Tagen bis zu vier Wochen nach der Infektion auf – bei COVID-19 geht das deutlich schneller: Hier erkrankten die Betroffenen am Guillain-Barré-Syndrom als Corona-Folge schon in einem Zeitraum von wenigen Tagen bis zu drei Wochen.

Quellen:

Neurologe: Guillain-Barré-Syndrom kann Folge von Corona sein in: donaukurier.de
Covid-19 begünstigt Guillain-Barré-Syndrom in: n-tv.de
SARS-CoV-2 kann das gefürchtete Guillain-Barré-Syndrom auslösen in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie

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