Neue Behandlung bei Knieverletzungen: Verband aus Stammzellen

Joana Schmidt
Ein Verband aus Stammzellen könnte in Zukunft die Behandlung von Sportverletzungen revolutionieren
Ein Verband aus Stammzellen könnte in Zukunft die Behandlung von Sportverletzungen revolutionieren © IStock

Eine Knieverletzung setzt viele Menschen schlagartig außer Gefecht. Jetzt gibt es eine neue Behandlung als Alternative zur Meniskusentfernung. PraxisVITA erklärt, wie der Verband aus Stammzellen funktionieren soll.

Mehr als eine Million Menschen in Europa und den USA erleiden jedes Jahr Meniskusverletzungen. Sportler sind besonders häufig Opfer davon, zum Beispiel Fußball- oder Rugbyspieler. 90 Prozent der Verletzungen betreffen die sogenannte weiße Zone des Meniskus – da sie nicht durchblutet wird, ist sie schwierig zu reparieren. Viele Profisportler lassen deshalb den Meniskus oder Teile davon entfernen. Diese Operation steigert laut Studien jedoch das Risiko, später an Arthrose zu erkranken.

Jetzt wurde erstmals eine alternative Therapie an Menschen ausprobiert: Ein Verband aus Stammzellen, der die Behandlung von Sportverletzungen revolutionieren könnte.

 

So funktioniert der lebendige Verband

Die Bandage wurde von der Universität Bristol entwickelt. Sie soll den gerissenen Meniskus dazu bringen, sich selbst zu regenerieren, indem das Zellwachstum im betroffenen Gewebe angeregt wird.

Eine Prototyp-Version des Verbands wurde an fünf Patienten ausprobiert, die zwischen 18 und 45 Jahre alt waren und einen Meniskusriss in der weißen Zone erlitten hatten. Dafür wurden ihnen Stammzellen aus ihrem eigenen Knochenmark entnommen. Diese wurden zwei Wochen gezüchtet und anschließend auf eine Membran aufgetragen, durch die sie sich mit der verletzten Stelle verbinden können. Der fertige Stammzellenverband wurde dann in die Mitte des gerissenen Meniskus implantiert. Der Knorpel wurde an die Bandage angenäht, um ihn an seinem Platz zu halten.

 

Das Ergebnis der Behandlung

Alle fünf Patienten hatten 12 Monate nach der Operation wieder einen intakten Meniskus. Nach 24 Monaten konnten drei von fünf ihr Knie wieder ohne Einschränkungen belasten. Bei den anderen beiden war ein weiterer chirurgischer Eingriff notwendig. Ihr Meniskus musste entfernt werden, da er ein weiteres Mal gerissen war.

Professor Anthony Hollander, der die entsprechende Forschungsgruppe leitet, sagt: „Die Ergebnisse sind viel versprechend. Diese Methode ist eine potentielle Alternative zur chirurgischen Entfernung des Meniskus, die das kaputte Gewebe repariert und die volle Funktionsfähigkeit des Knies wieder herstellt.“ Aktuell entwickeln die Forscher eine verbesserte Version, bei der Stammzellen von Spendern verwendet werden. Das senkt die Kosten des Verfahrens und dem Patienten bleibt eine zweite Operation erspart.

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