Neue App treibt die medizinische Forschung zum Thema Kreuzbandriss voran

Martin Zens ist Mitenwickler der App "Back on Track"
Martin Zens ist Mitenwickler der App "Back on Track" © www.imtek.de

Als Teil des Apple ResearchKit hat das Universitätsklinikum Freiburg eine neue App zum Thema Kreuzbandriss veröffentlicht. Medizinische Studien sollen so vereinfacht werden.

Um Behandlungsmethoden zu vereinfachen, ist die medizinische Forschung auf Studienergebnisse angewiesen. Genau an diesem Punkt hat Martin Zens angesetzt: Am Institut für Mikrosystemtechnik der Universität Freiburg entwickelte der Arzt und Wirtschaftsingenieur gemeinsam mit Prof. Dr. Philipp Niemeyer und der Firma DESIGN-IT eine App, die Studien zum Thema Kreuzbandriss erleichtern soll. Diese App mit dem Titel „Back on Track“ soll es Patienten ermöglichen, schnell und unkompliziert an medizinischen Studien teilzunehmen, sich weiter zum Thema Kreuzbandriss zu informieren und sich untereinander auszutauschen. Praxisvita hat mit Martin Zens über die Ziele der App gesprochen.

 

Herr Zens, das Universitätsklinikum Freiburg wird die erste deutsche Uniklinik sein, die mit dem Apple ResearchKit arbeitet. Für wen ist „Back on Track“ interessant und auf welchen Geräten läuft die App?

Martin Zens: Als Teil des Apple ResearchKit läuft „Back on Track“ auf allen internetfähigen, mobilen Apple-Geräten wie dem iPhone, dem iPad oder dem iPod Touch. Eine Ausweitung auf Android- und Windows-Systeme ist aber bereits geplant. Unsere Interessengruppe sind alle Patienten mit vorderem Kreuzbandriss, die ihren Sport auch danach nicht an den Nagel hängen wollen und an schneller Heilung interessiert sind. Die Forschung kann einem Patienten auch selbst wieder zugutekommen. Das Kreuzband kann man sich mehrfach im Leben oder am anderen Kniegelenk reißen. Und nur, weil man sich als begeisterter Fußballspieler mal das Kreuzband gerissen hat, hört man mit dem Spielen ja nicht auf.

 

Also spricht die App sowohl Patienten an, die schon einen Kreuzbandriss hatten, als auch die, die akut daran leiden?

Zens: Genau. Die Leute, die akut an einem Kreuzbandriss leiden, mögen zwar denken, dass die App für sie jetzt eh zu spät kommt. Aber man weiß nie, ob man nicht vielleicht doch nochmal wieder einen bekommt. Eine Rekonstruktion wird ja nie so gut, wie der liebe Gott das Kreuzband ursprünglich mal gebaut hat.

 

Was bringt mir die App denn konkret – als Patient?

Zens: Derzeit diskutieren wir über eine Community-Funktion, die es Patienten ermöglichen soll, sich untereinander auszutauschen. So sollen die Teilnehmer beispielsweise sehen können, ob ihr Heilungsverlauf dem Durchschnittswert entspricht. Das ist sicher besonders interessant für die Leute, die es nicht erwarten können, wieder mit dem Sport anzufangen. Natürlich wird es auch Erklärungen rund um das Thema Kreuzbandriss geben sowie generelle Informationen zu Neuerungen in der Orthopädie.

 

Und welche Ziele verfolgen Sie mit der Studie genau?

Zens: In der Behandlung von Kreuzbandrissen gibt es besonders international gravierende Unterschiede, da reicht schon die Entfernung von Freiburg bis in die Schweiz. In Deutschland werden Kreuzbandrisse oft zeitnah operiert. In der Schweiz dagegen spielt die eigene Versicherung eine besondere Rolle: Je nach Versicherung müssen dort erst konservative Behandlungen wie eine Physiotherapie angeboten werden, ehe die Krankenkasse die Kosten für eine Operation übernimmt. Wir hoffen, mit der Studie herauszufinden, ob und wie die unterschiedlichen Behandlungsmethoden die Heilungsdauer und den Zustand des Patienten beeinflussen.

 

Spart eine Studie in App-Form denn Arbeit für die Teilnehmer?

Zens: Ja, das ist ein wesentlicher Vorteil des Apple ResearchKits. Und auch die Auswertung wird so vereinfacht, denn alles funktioniert online. Man lädt die App herunter, registriert sich und kann alles, was mit der Studie zusammenhängt, auf dem mobilen Apple-Gerät in ein paar Minuten erledigen. Dank der Technik müssen wir als Forscher auch nicht mehr über Monate hinweg auf dem postalischen Weg den Zustand des Patienten mit Fragebögen erfassen.

 

Wann können Sie Ihrer Meinung nach mit der Auswertung beginnen?

Zens: Da es bisher noch keine Studie in dieser Art gab, ist das schwer abzuschätzen. Die erste Resonanz ist aber sehr gut. Aktuell wurde die App rund 500 mal heruntergeladen, und wir stehen ja noch ganz am Anfang. 10.000 Teilnehmer im ersten Jahr wären ein großer Erfolg für uns. Unser Zeitplan sieht vor, nach drei Monaten die ersten Ergebnisse zu analysieren, nach sechs Monaten die erste Veröffentlichung zu bringen und nach zwölf Monaten noch einmal auszuwerten.

 

Soll es künftig noch weitere Apps geben, die Studien zu bestimmten Krankheiten erfassen?

Zens: Da die derzeitige Resonanz für „Back on Track“ schon so groß ist, planen wir bereits eine Erweiterung auf alle Großgelenke. Die App soll von so vielen Patienten wie möglich als Nachsorgetool benutzt werden können und die Forschung für uns vereinfachen.

Hamburg, 02. September 2015

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