Neuartige Plazenta-Verpflanzung nach einer Herzoperation

Redaktion PraxisVITA
Plazenta nach Herz-OP
Um einen Plazenta-Flicken als Entzündungshemmer nach Operationen einsetzen zu können, wird er von Chirurgen direkt auf das Herz genäht © Fotolia

Nach jeder Herzoperation besteht an der Eingriffsstelle akute Entzündungsgefahr. Medikamente, die das verhindern sollen, haben schwere Nebenwirkungen. Nun fanden US-amerikanische Forscher einen natürlichen Weg, um die gefährlichen Entzündungen abzuwenden. Erfahren Sie bei Praxisvita, wie das genau funktionieren soll.

Immer mehr Männer tragen ein Stück Gebärmutter in sich – hört sich unglaublich an, ist aber einer lebensrettenden Maßnahme zu verdanken, die Ärzte der Universität von Arizona entwickelt haben. Ziel dieser Maßnahme war es das Entzündungsrisiko an Wundstellen nach einer Herzoperation zu verringern. Dazu wird ein „Flicken“ aus der Eihaut der Plazenta (Amnionmembran) verwendet.

Die extrem dünne und sehr flexible Eihaut der Plazenta wird für ihre weitere Verwendung nach der Geburt vom Chirurgen – entsprechend der Wundgröße – zugeschnitten und nach einer Herzoperation wie eine Frischhaltefolie um das Herzgewebe gelegt und vernäht.

 

Natürlicher Entzündungshemmer nach Herzoperationen

Die Plazenta – auch Mutterkuchen genannt – ist Teil der Gebärmutter und versorgt einen Fötus mit Nahrung, Wasser und Sauerstoff. Abfallprodukte dieser Versorgung transportiert sie wieder ab und schützt zusätzlich das ungeborene Kind vor Infektionen und Entzündungen.

Die verwendeten Eihäute stammen von Kaiserschnittgeburten, wo sie nach der Entbindung üblicherweise als Teil der Nachgeburt entsorgt werden. Mit dem Einverständnis der Mütter werden sie in der Medizin als Grundlage für Medikamente – zum Beispiel bei Präparaten, die verhindern, dass nach einer Transplantation das verpflanzte Organ abgestoßen wird – und nun auch direkt als lebensrettender Entzündungsschutz nach Herzoperationen genutzt.

 

Plazenta-Verpflanzung nach einer Herzoperation in der Praxis bewährt

Die Plazenta-Verpflanzung nach einer Herzoperation hat die ersten klinischen Tests erfolgreich bestanden. Bisher wurden bereits mehrere Personen auf diese Weise behandelt – in keinem Fall musste ein Proband an der Wundstelle der Herzoperation nachversorgt werden. 

Diese neuartige Behandlung für Patienten nach einer Herzoperation bezeichnen Mediziner als einen wichtigen Schritt hin zu einem natürlichen und vor allem schonenderen Entzündungsschutz. Bisher mussten die Ärzte auf sogenannte Betablocker zurückgreifen, um das Entzündungsrisiko nach zum Beispiel Bypass-Operationen zu verringern. Doch Betablocker stehen immer wieder wegen ihrer starken Nebenwirkungen – wie beispielsweise Müdigkeit, Schwäche, Übelkeit, Erbrechen, Sonnenempfindlichkeit – in der Kritik.

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