Neu entwickeltes Tinnitus-Gel stoppt Geräusche im Ohr

Tinnitus-Behandlung durch Gel
Wissenschaftler haben ein Gel zur Behandlung von Tinnitus entwickelt. Eine Studie zeigt, dass auf diese Weise bereits nach wenigen Tagen fast jedem zweiten Tinnitus-Patienten geholfen werden könnte © Fotolia

Ein neu entwickeltes Gel zeigt erstaunliche Erfolge bei der Behandlung von Tinnitus. Wissenschaftler zeigen in einer aktuellen Studie, dass sich durch das neue Medikament die lästigen Ohrgeräusche kurzfristig verringern lassen – und langfristig sogar ganz geheilt werden können.

Forscher der Universitätskliniken in Antwerpen haben in einer Studie – kürzlich veröffentlicht in der Fachzeitschrift Otology and Neurotology – ein neu entwickeltes Gel untersucht, das in Fachkreisen als „radikal neue Behandlungsmethode gegen Tinnitus“ bezeichnet wird. Das Medikament ist nach Aussagen beteiligter Mediziner nicht nur in der Lage, die Ohrgeräusche zu verringern, sondern auf lange Sicht sogar Tinnitus-Patienten ganz zu heilen.

Die Untersuchungen zeigen, dass bei 42 Prozent der an Tinnitus leidenden Probanden bereits nach einer Behandlungszeit von drei Tagen eine Halbierung der Ohrgeräusche feststellbar war. Dazu wurde das Gel pro Tag einmal in die Ohren injiziert.

 

Heilung als Langzeitwirkung

Neben der kurzfristigen Wirkung wurde auch der langfristige Einfluss des Medikaments auf die Probanden beobachtet. Nach einer 90-tägigen Anwendungszeit des Tinnitus-Gels ließ sich bei rund 57 Prozent der Patienten eine Halbierung der Ohrgeräusche oder sogar ein demgegenüber „stark verbessertes“ Befinden feststellen.

Bei einigen Patienten verschwanden im Zuge der Langzeitbehandlung die Ohrgeräusche ganz und kehrten auch danach nicht zurück. Die Mediziner sprachen in diesem Zusammenhang von einer Heilung oder einem zumindest „viel besseren“ Befund der Tinnitus-Probanden. 

 

Das Gel stoppt den „Glutamat-Sturm“

Konkret blockiert das Gel mit dem Wirkstoff (AM-101) die Glutamat-Rezeptoren im Innenohr. Dabei handelt es sich nicht um das gleiche Glutamat, das als Geschmacksverstärker bekannt ist, sondern um einen chemischen Botenstoff – einen sogenannten Neurotransmitter –, der Geräusche von den winzigen Haarsinneszellen (Nervenzellen) in das Gehirn überträgt.

Bei einem Tinnitus produzieren die Haarsinneszellen zu viel dieser Neurotransmitter und Glutamatrezeptoren – die auch als „Glutamat-Sturm“ bezeichnet werden –, was zu einer Überstimulation des Gehörtrakts führt und schließlich das Absterben von Nervenzellen im Innenohr verursacht. Durch diese Fehlfunktion senden die Nervenzellen im Innenohr auch ohne Eingangssignal sogenannte Klang-Relais an das Gehirn, die schließlich die lästigen Ohrgeräusche auslösen.

 

Tinnitus-Patienten müssen schnell behandelt werden

Die beteiligten Forscher berichten, dass die Behandlung nur bei Patienten möglich sei, die innerhalb eines Jahres nach der Tinnitus-Diagnose mit der Injektion des Gels beginnen. Nur in diesem frühen Stadium sei es möglich, die „Schäden an den Nervenzellen im Innenohr zu reparieren.“

Das neue Tinnitus-Gel befindet sich bereits in einer sogenannten Phase III Studie, was bedeutet, dass es unter normalen klinischen Bedingungen am Menschen getestet wird. In Großbritannien wird es zurzeit in acht Krankenhäusern zur Behandlung von Tinnitus eingesetzt.

Hamburg, 15. Juli 2014

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