Naturheilmittel – was Ihrem Kind wirklich hilft

Belladonna enthält entzündungshemmende Inhaltsstoffe
Belladonna enthält entzündungshemmende Inhaltsstoffe, die Fieber mit Schweißbildung lindern können. Der fiebersenkende Effekt tritt oft erst nach zwei Stunden ein © Fotolia

Erkältungen, Fieber, Kopfschmerzen – für Kinder sind Naturheilmittel oft nicht nur die sanfteste, sondern auch die beste Lösung. Praxisvita erklärt, wie damit auch effektiv Dreitagefieber gemildert werden kann.

Sechs Uhr morgens: Die kleine Linda weint bitterlich. Heftige Hustenanfälle erschüttern den Körper der Dreijährigen, ihre Stirn ist glühend heiß, die Nase verstopft. Für ihren Arzt handelt es sich nur um einen banalen Infekt – für die kleine Patientin und ihre Eltern ist es ein Albtraum, der der Familie nachts den Schlaf raubt. Erkältungen, Fieber und Halsschmerzen – bis zu zwölf Infekte pro Jahr sind bei Kindern im Vorschulalter normal. Ihr Immunsystem befindet sich in der Aufbauphase – es trainiert, lernt, wie es Eindringlinge enttarnen und bekämpfen kann. Denn alle feindlichen Bakterien und Viren hinterlassen eine Art Visitenkarte im immunologischen Gedächtnis.

Doch wie können Eltern ihrem kranken Kind am besten helfen? Das Problem: Fast 70 Prozent aller Medikamente, die den Kleinen verordnet werden, sind an Erwachsenen getestet worden. Häufige Folge: unerwünschte Komplikationen und falsche Wirkweise. Auf der sicheren Seite sind Eltern dagegen meist mit Naturheilpräparaten oder homöopathischen Mitteln. Vor allem Kräuter haben ein unglaubliches Potenzial an keimtötenden Wirkstoffen. Naturmediziner und Kinderärzte haben jetzt untersucht, welche sanften Verfahren sich bei Infekten besonders gut bewährt haben. Entstanden ist dabei eine Liste von Mitteln, die Beschwerden rasch lindern, Fieber senken, die Selbstheilungskräfte gezielt anregen, - und mitunter sogar wie ein pflanzliches Antibiotikum wirken. Wichtig: bei hohem Fieber, unklaren Symptomen oder starken Ohrenschmerzen unbedingt einen Arzt aufsuchen.

 

Wann Naturmedizin für Kinder gefährlich werden kann

Was heilt, kann auch Nebenwirkungen haben. Eltern sollten wissen: Menthol und Kampfer sind für Säuglinge und Kleinkinder nicht geeignet. Sie wirken schleimlösend – aber die Kleinen können so viel Schleim noch gar nicht abhusten. Bronchitis-Gefahr! Auch Pfefferminze kann bei Kindern unter drei Jahren Atembeschwerden, Sauerstoffmangel und Krämpfe verursachen. Japanisches Heilpflanzenöl kann im Extremfall bei Babys sogar zu Erstickungsanfällen führen. Der Immunstärker Echinacea (roter Sonnenhut) kann bei Kindern unter zwei Jahren allergische Reaktionen auslösen.

 

Naturheilmittel: Die besten Helfer für Ihr Kind

 

Myrrhe hilft bei Aphten

Die kleinen entzündlichen und leicht geschwollenen Schleimhautdefekte im Mund sind enorm schmerzhaft. Meist treten Aphten dann auf, wenn das Immunsystem durch einen Infekt geschwächt ist. Im Akutfall: Stündlich mit Myrrhe-Tinktur (aus der Apotheke) bepinseln. Zusatztipp: mehrmals täglich einen TL Honig im Mund zergehen lassen – wirkt desinfizierend und entzündungshemmend. Vorbeugung: Zinktabletten können neuen Aphten vorbeugen. Tagesdosis: Säuglinge 5 mg, 1 bis 4 Jahre 7 mg, 4 bis 10 Jahre 10 mg, ab 11 Jahren 12 mg.

 

Pelargonie verkürzt Infekte

Antibiotika bei Atemwegsinfekten – das ist nicht immer sinnvoll. Denn die Mittel greifen nur bei Bakterien. Bei Viren, die fast 95 Prozent der Infekte auslösen, sind sie machtlos. Sinnvoll ist ein Extrakt aus der Kapland-Pelargonie (Umckaloabo, Apo.). Anwendung: Bei akuten Infekten wie Bronchitis, Nebenhöhlen- und Mandelentzündung nehmen Kinder von 6 bis 12 Jahren dreimal täglich 10 bis 20 Tropfen, Kinder ab 6 Monaten 5 bis 10 Tropfen.

 

Melisse heilt Herpes

Unangenehme Begleiterscheinung bei Infekten: Lippenherpes. In leichten Fällen hilft laut einer Anwenderstudie eine Salbe aus Melissenblätterextrakt (aus der Apotheke). Anwendung: mit einem Wattestäbchen mehrmals täglich auf die Bläschen auftupfen. Nach dem Abheilen noch 2 Tage auftragen.

 

Pflanzen beruhigen den Darm

Bei kleinen Kinder reagiert der Verdauungstrakt bei Infekten äußerst sensibel. Dauert starker Durchfall bei einem Kindergartenkind länger als 12 Stunden (Schulkind 18), muss es zum Arzt. Im Akutfall: Pflanzliche Quellmittel (aus der Apotheke) helfen besonders rasch, binden Wasser und besänftigen den gestressten Verdauungstrakt. Anwendung: Kinder ab 6 Jahren 1/2 TL 1- bis 3-mal täglich vor oder nach den Mahlzeiten und mit reichlich Flüssigkeit. Homöopathie: Acidum nitricum D6 (aus der Apotheke). Anwendung: Kinder bis zum 2. Jahr erhalten 3-mal tägl. 2 Globuli, Kinder bis zum 3. Jahr erhalten 3-mal tägl. 3 Globuli.

 

Belladonna senkt Fieber

Wer bei Fieber nicht den chemischen Wirkstoff Paracetamol einsetzen will, dem empfehlen Kinderärzte homöopathische Mittel. Anwendung: Aconitum D6 hilft bei trockener Fieber-Hitze und Schüttelfrost – im Akutfall alle 2 Stunden 3 Globuli, max. drei Gaben. Belladonna D6 bei Fieber mit feuchtem Schweiß. Anwendung: im Akutfall alle 15 bis 30 Min. 3 Globuli (nicht mehr als 4 Gaben). Danach 3- bis 4-mal täglich je 3 Globuli. Wichtig: Bei homöopathischen Mitteln kommt es zunächst zu einer Symptomverschlechterung – der fiebersenkende Effekt tritt oft erst nach zwei Stunden ein. Zusatztipp: zur Unterstützung kalte Wadenwickel anlegen.

 

Baldrian fördert den Schlaf

Infekte rauben Kindern oft den Schlaf. Ideal für Kinder ab 6 sind Baldrianpräparate (aus der Apotheke). In einer Untersuchung wurde eine deutliche Besserung der Schlafqualität nachgewiesen. Anwendung: nach Beipackzettel. Homöopathische Mittel helfen auch kleineren Kindern, verkürzen die Einschlafdauer und fördern die Tiefschlafphase. Anwendung: abends Offea D30 3 Globuli. Zusatztipp: Bewährt hat sich in Kinderkliniken auch der Klassiker: ein Glas warme Milch mit 2 TL Honig.

 

Lärchenharz hilft den Augen

Gerade bei kleinen Kindern kommt es oft im Rahmen einer Erkältung zu einer bakteriellen Bindehautentzündung. Lindernd wirkt eine Salbe aus Resina laricis 5 % (aus der Apotheke). Anwendung: mehrmals tägl. dünn um das Auge herum auftragen.

 

Pulsatilla löst Schnupfen

Homöopathie hilft verschnupften Kindern oft besser als Nasensprays. Bei plötzlichem Schnupfen ist Aconitum D30 das richtige Mittel. Anwendung: im Akutfall alle zwei Stunden 3 Globuli, max. 3 Gaben, dann bei Bedarf ein Folgemittel. Euphrasia D6 bei starkem Fließschnupfen mit Tränenfluss. Anwendung: im Akutfall alle 1 bis 2 Stunden 3 Globuli, max. 5 Gaben. Bei schleimigem Schnupfen mit wechselnder Farbe: Pulsatilla D6. Anwendung: im Akutfall alle 1 bis 2 Stunden 3 Globuli, danach 3- bis 4-mal täglich je 3 Globuli.

 

Isländisch Moos bei Halsweh

Halsschmerzen sind oft erste Anzeichen eines Infekts. „Unbedingt Bonbons mit Isländisch Moos (aus der Apotheke.) lutschen", empfiehlt Prof. Teo Dingermann. Isländisch Moos enthält Wirkstoffe, die die angegriffene Schleimhaut beruhigen und die Ausbreitung von Krankheitskeimen stoppen.

 

Efeu dämpft Husten

Virusinfekte können die sensiblen Schleimhäute reizen und starke Hustenanfälle auslösen. Bonner Forscher haben jetzt die Wirkmechanismen des Efeus entschlüsselt: Der Extrakt (aus der Apotheke) enthält antibakterielle Saponine, die die Bronchialmuskulatur entspannen, schleimlösend und krampflösend wirken. Folge: Hustenreiz wird gelindert, der zähe Schleim verflüssigt und so das Abhusten erleichtert. Anwendung: Dosierung nach Beipackzettel.

 

Kamille lindert Ohrschmerz

Bei Infekten kann die eustachische Röhre, die Verbindung zwischen Ohr und Nasen-Rachen-Raum, zuschwellen. Die Folge: starke Schmerzen. Wichtig: Eine akute Mittelohrentzündung sollte immer vom Arzt behandelt werden. Unterstützend hilft bei Ohrentzündungen im Anfangsstadium Ferrum phosphoricum D12. Anwendung: 3-mal täglich drei Globuli. Eine antibakterielle Wirkung haben Nasentropfen mit Kamillenlösung (aus der Apotheke). Anwendung: 1/2 TL Kamillenlösung mit 1/2 Tasse kochendem Wasser übergießen. Honig zufügen, bis eine zähflüssige Lösung entsteht. Mit einer Pipette 1-2 Tropfen stdl. in jedes Nasenloch geben.

 

Weidenblätter gegen Kopfweh

Kopfschmerzen sind häufig Begleiter eines grippalen Infekts. Weidenrinde wirkt krampflösend und beruhigend. Besonders gut verträglich ist eine Teemischung aus je 20 g Weidenblättern und -rinde, Mädesüßkraut, Birken- und Melisseblättern (aus der Apotheke) Anwendung: 1 EL der Mischung mit 1/2 l kochendem Wasser übergießen, 10 Min. ziehen lassen und dann abseihen. Stündlich eine Tasse trinken, bis der Schmerz abklingt. Zusatztipp: Coldpack (Aus der Apotheke) mit Frotteetuch umwickeln und auf die Stirn legen. Wirkt schmerzlindernd durch das Herabsetzen von Nervenimpulsen.

 

Pyrit lindert Heiserkeit

Virusinfekte der oberen Atemwege lassen die Stimmbänder anschwellen. Folge: Heiserkeit. Schmerzlindernd und abschwellend wirkt laut Anwenderuntersuchungen Pyrit (aus der Apotheke). Anwendung: alle 2 Std. 1 Tablette im Mund zergehen lassen.

 

Nux vomica bei Übelkeit

Übelkeit und Erbrechen sind unangenehme Begleiterscheinungen bei grippalen Infekten. Hilfe kommt aus der Homöopathie: Nux vomica D3 oder D4 stoppt den Brechreiz, beruhigt den Magen. Anwendung: im Akutfall 3 Globuli alle 30 Minuten. Maximal 4 Gaben à 3 Globuli pro Tag.

 

Johanniskraut hilft der Haut

Ekzeme, raue Stelle – die überaus sensible Kinderhaut reagiert bei Infekten oft gereizt. Geheimwaffe für trockene, gereizte Haut und bei Neurodermitis ist laut einer Studie der Freiburger Uni-Klinik Johanniskraut (aus der Apotheke). Anwendung: morgens und abends dünn auf die gereizten Partien auftragen.

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