„Nature“ kürt Leukämie-Überlebende zur Medizin-Persönlichkeit des Jahres

Stephanie Pingel
Emily Whitehead
Emily Whitehead wurde als erstes Kind mit der CAR-T-Methode gegen Blutkrebs behandelt und hat sich mit ihrer Familie erfolgreich für die Zulassung der Behandlung eingesetzt © emilywhitehead.com

Als die damals sechsjährige Emily Whitehead an Leukämie erkrankt, wird sie als erstes Kind der Welt mit einer bis dahin noch nicht zugelassenen Gentherapie behandelt. Später sorgen sie und ihre Familie dafür, dass die neue Behandlungsmethode eingesetzt werden darf. Das Fachmagazin „Nature“ hat das Mädchen dafür jetzt als Medizin-Persönlichkeit des Jahres ausgezeichnet.

Akute lymphoblastische Leukämie – als die damals sechsjährige Emily Whitehead 2011 diese Diagnose bekommt, bricht für ihre Familie eine Welt zusammen. Denn obwohl sich die Heilungschancen dieser Blutkrebsart für betroffene Kinder und Jugendliche in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert haben und mittlerweile bei 80 bis 85 Prozent liegen, verläuft keine der Erkrankungen gleich. Emily wurde 2012 nach zahlreichen Therapieversuchen und Rückfällen ins Kinderhospital in Philadelphia eingeliefert. Ihre Chancen standen schlecht – bis die Ärzte eine experimentelle und bis dahin noch nicht zugelassene Behandlungsmethode namens CAR-T an ihr testeten. Inzwischen ist Emily seit fünf Jahren krebsfrei und engagierte sich mit ihrer Familie erfolgreich dafür, dass die CAR-T Methode zugelassen wird. Seit Juli ist die Behandlung nun offiziell erlaubt. Für ihren Einsatz hat das Fachmagazin „Nature“ Emily als Medizin-Persönlichkeit des Jahres ausgezeichnet.

 

Was ist CAR-T?        

Bei der Gentherapie werden aus dem Blut des Patienten die weißen Blutkörperchen extrahiert und mithilfe eines modifizierten HIV-Virus umprogrammiert. Dadurch sollen die Blutkörperchen wieder in der Lage sein, die Krebszellen im Körper des Patienten zu bekämpfen. Emilys Zustand verschlechterte sich nach der Behandlung zunächst: Ihr Immunsystem spielte verrückt, in der Nacht litt sie an Fieber und Halluzinationen. Die Ärzte griffen daraufhin auf eine ebenfalls unorthodoxe Methode zurück, um das Mädchen zu retten – sie verabreichten ihm ein Medikament gegen rheumatoide Arthritis. Bereits am nächsten Morgen ging es Emily deutlich besser und wenige Wochen später erklärten die Ärzte sie für krebsfrei.

Sobald sich ihre Tochter erholt hatte, gründeten Emilys Eltern eine Stiftung und engagierten sich fortan mit ihr für ein beschleunigtes Zulassungsverfahren der CAR-T-Methode. Im Juli dieses Jahres hielt Vater Tom eine Rede bei der US Food and Drug Administration, einem Experten-Panel, bei dem der Zulassungsvorschlag anschließend einstimmig angenommen und der amerikanischen Prüfbehörde FDA vorgelegt wurde. „Emily ist praktisch ein lebendes Werbeversprechen für die Methode“, so der Kinderonkologe Timothy Cripe, der am Experten-Panel teilnahm.

 

Nature´s 10

Jedes Jahr kürt die „Nature“ zehn Menschen, die sich in Bereichen wie Medizin, Biologie und Chemie besonders verdient gemacht haben. Neben Emily wurde dieses Jahr beispielsweise der Biologe David Liu ausgezeichnet, der neue Technologien zur Gen-Bearbeitung entwickelt hat. Auch der Seismologe Víctor Cruz-Atienza bekam einen Preis: Er hat das Potenzial für starke Erdbeben rund um Mexiko City voraus berechnet – im September dieses Jahres kam es dann tatsächlich zu einem Erdbeben in dem Gebiet, das auf der Skala eine Stärke von 7.1 erreichte. Cruz-Atienza engagiert sich zudem für mehr Sicherheitsaufklärung in Erdbebengebieten.

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