Nasenspray: Kann es Schnupfen auslösen?

Redaktion PraxisVITA
Eine Frau verwendet Nasenspray
Nasenspray nicht länger als eine Woche anwenden – denn sonst besteht die Gefahr einer Abhängigkeit © Fotolia

Um Nasenspray ranken sich viele Gesundheitsmythen: süchtig soll es machen und die Schleimhäute dauerhaft zerstören. Was ist dran an diesen Gerüchten? Praxisvita macht den Faktencheck.

Endlich wieder durchatmen! Bei einem starken Schnupfen wirkt Nasenspray befreiend. Und seine Anwendung ist durchaus sinnvoll: Denn eine verstopfte Nase begünstigt Entzündungen der Nasennebenhöhlen – das Nasenspray beugt dem vor. Außerdem kann es uns bei einer Erkältung zu dem erholsamen Schlaf verhelfen, auf den der Körper zur Regeneration angewiesen ist. Doch welche Risiken birgt Nasenspray? Wir haben nachgeforscht.

 

Nasenspray: Macht es süchtig?

Nasenspray kann tatsächlich abhängig machen. Es enthält Wirkstoffe, die die angeschwollene Nasenschleimhaut bei Schnupfen abschwellen lassen, indem sie die Durchblutung der Schleimhaut mindern. Doch wird das Spray länger als eine Woche verwendet, kann es zum sogenannten Rebound-Effekt kommen: Lässt die Wirkung des Nasensprays nach, schwellen die Schleimhäute übermäßig an und animieren dazu, erneut zum Nasenspray zu greifen. So entsteht ein Teufelskreis, der die dauergereizten Schleimhäute immer mehr austrocknen lässt. Die Folgen einer Nasenspray-Abhängigkeit reichen von Dauerschnupfen bis zum Verlust des Riechvermögens. Betroffene klagen außerdem teilweise über heftige Entzugserscheinungen – ohne Nasenspray haben sie das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen.

Experten raten Betroffenen zum schrittweisen Entzug: Dabei wird erst ein Nasenloch „entwöhnt“, nach ein bis zwei Wochen folgt das zweite.

Frau inhaliert
Das Inhalieren mit ätherischen Ölen ist eine gute Alternative zu der dauerhaften Verwendung von Nasenspray© Imago
 

Nasenspray: Welche Alternativen gibt es?

Um eine Abhängigkeit von Nasenspray zu vermeiden, sollte spätestens nach einer Woche zu Alternativen gegriffen werden. Geeignet ist eine Inhalation mit ätherischen Ölen wie Kamille oder Eukalyptus. Der heiße Wasserdampf löst den Schleim und die ätherischen Öle wirken keimtötend. Außerdem hilft eine Nasendusche mit Salzwasser – sie macht die Nase frei, enthält aber keine abschwellenden Wirkstoffe.

 

Nasenspray: Kann man es vorbeugend anwenden?

Ja! Wenn die nächste Erkältungswelle anrollt, kann ein Meersalz-Nasenspray dem Schnupfen vorbeugen. Es befeuchtet die Nasenschleimhaut und unterstützt so zum einen die natürliche Reinigung der Nase (der Schleim kann besser abtransportiert werden). Zum anderen hält es Viren davon ab, sich anzusiedeln – denn sie können auf feuchten Schleimhäuten schlecht haften.

 

Nasenspray: Wird es nur gegen Schnupfen eingesetzt?

Nein – es gibt zahlreiche Anwendungsgebiete für Nasensprays. Neben der Behandlung einer angeschwollenen Nasenschleimhaut bei Schnupfen oder aufgrund einer Allergie werden unter anderem Medikamente gegen Migräne, häufigen Harndrang oder Diabetes als Nasenspray verabreicht. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder Apotheker auf mögliche Konservierungsstoffe hinweisen und sich hinsichtlich der Wirkstärke und Darreichungsform für Ihre Behandlung beraten.

 

Nasenspray: Wie schädlich sind Konservierungsstoffe?

In vielen Nasensprays ist der Konservierungsstoff Benzalkoniumchlorid enthalten. Er soll verhindern, dass bei der Anwendung Bakterien der Nasenschleimhaut in die Flasche gelangen und bei erneutem Sprühen wieder in die Nase transportiert werden, wo sie Infektionen auslösen können.

Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Benzalkoniumchlorid die Nasenschleimhaut langfristig schädigen kann. Dabei passiert Folgendes: Die Nasenschleimhaut ist mit kleinen Flimmerzellen ausgestattet. Darauf sitzen die sogenannten Zilien, das sind kleine, bewegliche Fortsätze. Ihre Aufgabe ist es, die Atemwege sauber zu halten: Kleine Schmutzpartikel, Bakterien und Viren, die in die Nase eindringen, werden vom Nasensekret gebunden und von den Zilien in Wellenbewegungen zum Rachen transportiert. Dort werden sie mit dem Sekret ausgehustet oder verschluckt und von der Magensäure zersetzt. Benzalkoniumchlorid schädigt die Zilien so, dass sie sich nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr bewegen können. Die Folge: Das Nasensekret kann nicht mehr schnell genug abtransportiert werden und bildet einen optimalen Nährboden für Bakterien und Viren. Die Nasenschleimhaut entzündet sich und schwillt an – es kommt zu Schnupfen, der je nach Grad der Schädigung chronisch werden kann.

Die gute Nachricht: Es gibt Alternativen ohne Konservierungsstoffe (rezeptfrei in der Apotheke). Sie sind in Flaschen mit speziellen Sprühvorrichtungen abgefüllt, die das Eindringen von Keimen in den Behälter verhindern.

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