Nasenbohren: Wenn Kinder Popel essen

Dr. med. Nadine Hess

Kleine Kinder machen es oft und selbst manche Erwachsene können es nicht lassen: Nasenbohren. Gerade Kinder gehen dann oft sogar noch einen Schritt weiter und wollen die entfernten Popel essen. Kinderärztin Dr. Nadine Hess erklärt anhand einer Studie, warum das aus gesundheitlicher Sicht gar nicht so schlimm sein muss.

Popel essen
Expertin Dr. Hess: „Aus rein gesundheitlicher Sicht ist gegen Nasenbohren und Popel essen nichts einzuwenden. Im Gegenteil, das Immunsystem wird dadurch sogar gestärkt.“ © iStock
 

Das sagt Kinderärztin Dr. Nadine Hess

„Man bohrt nicht in der Nase!“ Haben Sie diesen Spruch früher auch von Ihren Eltern gehört und wenden ihn nun selbst bei Ihrem Kind an? Das ist zwar sicher gut für das Benehmen, könnte laut einer neuen Studie aber praktische gesundheitliche Vorteile, die Nasenbohren und das damit oft einhergehende Popel essen bei Kindern haben könnte, verhindern. Forscher der Harvard University und des Massachusetts Institute of Technology haben bei einer Untersuchung herausgefunden, dass besonders kleine Kinder vom Popel-Verzehr profitieren können. Demnach enthält der fest gewordene Nasenschleim sogenannte Speichel-Mucine, die die Zähne vor schädlichen Bakterien schützen können.

 

Besseres Immunsystem dank Popeln?

Es gibt aber noch einen Grund, weshalb Popel essen gesundheitlich gesehen sogar Sinn macht: Unsere Nase filtert in der Regel, wenn wir atmen, Keime aus der Luft heraus, die im Nasenschleim hängen bleiben. Wird der feste Popel nun gegessen, gelangen die Erreger dennoch in den Magendarmtrakt – was wiederum das Immunsystem stärkt, das sich mit den Eindringlingen auseinandersetzen muss. Gerade für Kleinkinder ist es wichtig, das Immunsystem auf solche Arten auch mal herauszufordern. Deshalb macht es auch nichts, wenn sie sich mal etwas Dreck, beispielsweise Erde in den Mund stecken.

Kinderärztin Dr. Nadine Hess
Nadine Hess © Privat

Experten fordern aus diesen Gründen schon länger, das Popel essen nicht mehr als anstößig einzustufen. Eltern sollten aber selbst entscheiden, ob es für die Gesundheit ihres Kindes wirklich sinnvoll sein könnte, wenn es fröhlich in der Nase bohrt und deren Inhalt verspeist. Denn es gibt auch andere Möglichkeiten, das Immunsystem von Kindern zu stärken – beispielsweise durch eine gesunde Ernährung mit vielen Vitaminen und Ballaststoffen. Empörten Blicken von anderen, weil das Kind in der Nase bohrt, kann man dadurch jedenfalls entgehen. Übrigens: Wenn das Bohren hin und wieder mal zu etwas Nasenbluten führt, ist das nicht so schlimm – die kleinen Äderchen in der Nase können unter Druck leicht platzen. Hat das Kind aber ständig – also mehrmals in der Woche – Nasenbluten, weil es so gerne bohrt, sollten Sie es zum HNO-Arzt bringen.

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2018 praxisvita.de. All rights reserved.