Narkolepsie: Ursache endlich gefunden

Carolin Banser Medizinredakteurin

Narkolepsie ist eine neurologische Erkrankung, die nicht heilbar ist. Jahrelang suchten Ärzte nach dem Grund für die Dauer-Müdigkeit. Jetzt konnten Forscher das Rätsel erstmals lösen und die Verursacher der Schlafkrankheit identifizieren. Auf Grundlage dieser Ergebnisse könnten die Therapiemöglichkeiten revolutioniert werden. PraxisVITA fasst für Sie die Studie zusammen.

Schlaflabor
Seit jeher versuchen Wissenschaftler die Narkolepsie-Therapie zu verbessern – diesem Ziel sind Schweizer Forscher jetzt einen entscheidenden Schritt näher gekommen © istock/gorodenkoff
Inhalt
  1. Gibt es für die Krankheit einen Auslöser?
  2. Was ist Narkolepsie?
  3. Wie viele Menschen sind von einer Narkolepsie betroffen?
  4. Was ist typisch für Narkolepsie-Patienten?
  5. Mit was für Vorurteilen leben Narkoleptiker?
  6. Wie kann man Narkolepsie behandeln?

Beim Sport, beim Essen, unterwegs – Menschen mit Narkolepsie nicken ständig ein. Bis zu 15 Mal am Tag schlafen Betroffene für mehrere Minuten oder Stunden, weil sie eine unerträgliche Müdigkeit überfällt. Kino- und Restaurantbesuche sind mit dem gestörten Schlaf-Wach-Rhythmus eine Herausforderung. Auch Auto fahren oder arbeiten sind nicht leicht, wenn man von einer Sekunde auf die nächste überraschend einschläft. Hinzu kommt, dass die Muskeln in emotionalen Stressmomenten versagen – dann werden die Knie weich, die Gesichtsmuskeln erschlaffen, und die Betroffenen kippen einfach um. Der Zustand nennt sich Kataplexie, ein klassisches Symptom für Narkolepsiepatienten.

 

Gibt es für die Krankheit einen Auslöser?

Wissenschaftler vom Schlafforschungszentrum der amerikanischen Universität von Stanford haben vor Jahren bereits eine wichtige Entdeckung gemacht. Demnach spielt der Verlust des Proteins Hypokretin im Gehirn beim gestörten Schlaf-Wach-Rhythmus eine wesentliche Rolle. Schweizer Forscher – mit Beteiligung des Universitären Schlaf-Wach-Epilepsie-Zentrums Bern (SWEZ) – haben jetzt den Auslöser für diesen Mechanismus gefunden: autoreaktive Immunzellen, die im Körper von Narkolepsie-Patienten vorkommen. Diese sogenannten T-Lymphozyten erkennen das Molekül Hypokretin und setzen eine Immunantwort in Gang, indem sie gegen für das Schlaf-Wach-Verhalten wichtige (hypokretinproduzierende) Neuronen im Gehirn reagieren und diese zerstören. Prof. Federica Sallusto am Institut für Forschung in Biomedizin in Bellinzona (IRB) fasst die Ergebnisse wie folgt zusammen: „Wenn wir autoreaktive T-Zellen in frühen Stadien blockieren, können wir möglicherweise den neuronalen Verlust begrenzen und das Fortschreiten der Krankheit verhindern.“

Die Ergebnisse wurden kürzlich in dem Fachmagazin Nature veröffentlicht.

Quelle

Nature, 2018; https://www.nature.com/articles/s41586-018-0540-1

Hintergrund

 

Was ist Narkolepsie?

Narkolepsie ist eine Erkrankung des Schlaf-Wach-Rhythmus. Die Betroffenen leiden an einer exzessiven Tagesschläfrigkeit.

 

Wie viele Menschen sind von einer Narkolepsie betroffen?

Laut Schätzungen gibt es hierzulande gibt etwa 40.000 Narkolepsie-Betroffene, die meisten erkranken zwischen dem 15. und 25. Lebensjahr.

 

Was ist typisch für Narkolepsie-Patienten?

Die Betroffenen schlafen in ungewöhnlichen Situationen ein, wie im Restaurant oder während eines Gesprächs. Auch der Nachtschlaf ist gestört, die Patienten können zwar sofort einschlafen, wachen aber im Verlaufe einer Nacht sehr häufig auf.

 

Mit was für Vorurteilen leben Narkoleptiker?

Sie leiden darunter, dass die Umwelt ihre Krankheit auf Ursachen zurückführt wie „nachts zu wenig Schlaf“ oder „sich nicht zusammenzureißen“. Erst durch Schlaflaboruntersuchungen kann die Diagnose gestellt werden. Ein gesunder Mensch benötigt 10–20 Minuten zum Einschlafen, ein Narkoleptiker nur ein bis drei. Die Müdigkeitsanfälle können so stark sein, wie nach einer durchzechten Nacht.

 

Wie kann man Narkolepsie behandeln?

Die Krankheit ist nicht heilbar, aber die Symptome können medikamentös behandelt werden. Ritalin hemmt beispielsweise die Tagesmüdigkeit. Es gibt auch Medikamente, die die Schlafarchitektur in der Nacht verändern und damit indirekt für einen wacheren Zustand am Tag sorgen. Auch die Kataplexie kann man medikamentös dämpfen. Viele Patienten lernen immer besser, mit der Krankheit zurechtzukommen und kommen daher ohne Medikamente aus.

 

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