Nanopartikel im Essen – Gefahr für den Darm?

Phyllis Kuhn
Kaugummi
Nanopartikel wie Titandioxide kommen vor allem in Zahnpflege-Kaugummis zum EInsatz. © iStock

Kaugummis sollten wir besser nicht runterschlucken. Aber kann auch das bloße Kauen schon zu Darmschäden führen? Eine Studie aus den USA hat genau das nachgewiesen.

Nanopartikel finden sich heutzutage in zahlreichen Lebensmitteln und Kosmetikartikeln. Eine Gruppe von Nanopartikeln steht dabei seit kurzem im Fokus von Verbraucherschutzverbänden: Die etwa 30 Nanometer großen Titandioxide. Sie sollen in Zahncremes und Kaugummis für weiße Zähne sorgen und haben zusätzliche eine leicht abschmirgelnde Wirkung. Bisher standen die Partikel schon im Verdacht krebserregend zu sein, nun haben Forscher aus den USA weitere gesundheitliche Beeinträchtigungen untersucht.

 

Versuch am Darm-Modell

Die Wissenschaftler der Binghamton University im US-Bundesstaat New York prüften in einem Versuch die Auswirkungen von Titandioxid auf die Darmflora. Für ihren Versuch bildeten sie die Darmflora mit einem Modell aus menschlichen Zellen der Darmschleimhaut nach. Dieses Modell setzten sie über mehrere Tage einer Dosis an Titandioxiden aus. Dabei unterschieden die Wissenschaftler zwischen einem akuten Effekt (vier Stunden Belastung am Stück) und einem chronischen Effekt (fünf Tage durchgehende Belastung).

 

Chronische Belastung führt zu Entzündungen

Das Ergebnis ist besorgniserregend: Besonders die längerfristige Belastung mit den Nanopartikeln sorgte für Einschränkungen der Darmzellfunktionen. Ihre Barrierewirkung sank erheblich, es bildeten sich zahlreiche Entzündungsherde. Auch die Aufnahme von Eisen, Zink und Fettsäuren funktionierte nur noch eingeschränkt. Die akute Belastung hinterließ dagegen keine bleibenden Schäden.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die sogenannten Mikrovilli, fadenähnliche Zellfortsätze in den Epithelzellen des Darms, durch die Belastung mit Titandioxiden reduziert worden waren. Auch die Expression von Genen für verschiedene Transportproteine habe sich durch die Nanopartikel-Aufnahme verändert.

 

Wie lässt sich die Belastung mit Titandioxiden reduzieren?

Da die Verarbeitung von Nanopartikeln in vielen Konsumgütern allgegenwärtig ist, lässt sich die Aufnahme der Partikel nur schwer vermeiden. Gerade bei oral aufgenommenen Partikeln (Zahncreme, Kaugummi etc.) lohnt sich allerdings ein wenig Aufmerksamkeit. Wer ohnehin unter häufig wiederkehrenden Darmentzündungen leidet, sollte auf Zahnweiß-Kaugummis verzichten oder diese zumindest nicht über einen längeren Zeitraum konsumieren. Das gilt auch für Zahncremes. Da Zahncremes mit Whitening-Effekt auf Dauer ohnehin dem Zahnschmelz schaden, empfiehlt es sich, den Zähnen – und dem Darm – nach einer Anwendung einige Wochen Pause zu gönnen und andere Zahncremes zu verwenden.

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