Nanokugeln gegen Asthma

Verena Elson
Eine Frau mit Asthma inhaliert
In einer neuen Allergie-Studie haben US-Forscher eine Methode entwickelt, das Immunsystem so "umzuprogrammieren", dass es das Allergen nicht mehr als Gefahr ansieht © Fotolia

US-Forscher haben eine Methode entdeckt, die Allergien und allergisches Asthma dauerhaft heilen könnte – mithilfe neuester Technologie aus der Nano-Forschung.

Allergisches Asthma beruht auf einem Irrtum des Immunsystems. Dieses zeigt eine Überreaktion auf eigentlich harmlose „Eindringlinge“ – Allergene wie beispielsweise Pollen, Hausstaubmilben oder Tierhaare. Der Asthmaanfall ist der Versuch des Körpers, die scheinbar bedrohliche Substanz wieder loszuwerden. Eine solch übertriebene Abwehrreaktion des Immunsystems kann für Betroffene gefährlich werden, wenn es zu extremer Atemnot kommt.

Auf der Suche nach einem Heilmittel gegen allergisches Asthma und andere Allergieformen wendeten Wissenschaftler der Northwestern University in Chicago einen Trick an, um das Immunsystem von der Harmlosigkeit des Allergens zu überzeugen.

Der entscheidende „Irrtum“ bei Allergien passiert in dem Teil des Immunsystems, der als „Alarmanlage“ fungiert: Spezielle Immunzellen sind dafür zuständig, feindliche Eindringlinge wie Viren und Bakterien zu erkennen und entsprechend der Größe der Bedrohung Alarm zu schlagen. Andere Immunzellen, die sogenannten Fresszellen, haben dann die Aufgabe, die Eindringlinge aus dem Körper herauszubefördern.

 

„Alarmanlage“ des Immunsystems überlistet

Bei Allergikern wirkt diese Alarmanlage beim Eindringen eines Allergens wie ein Panikknopf, der einen Ausnahmezustand auslöst – das gesamte Immunsystem spielt verrückt.

Die Idee der US-Forscher: das Allergen an der „Alarmanlage“ des Immunsystems vorbeizuschleusen. Dazu verpackten sie ein Allergen, das bei den Versuchsmäusen normalerweise Asthma auslöste, in Nanokügelchen aus Milchsäure und injizierten es den Tieren.

So getarnt, wurde das Allergen nicht als Gefahr erkannt – eher als Abfall, der herausbefördert werden muss. Erst, als die Fresszellen ihre Entsorgungsarbeit begonnen hatten, wurde das Allergen im Inneren der Immunzellen aus seiner Hülle befreit und entsorgt.

Doch wie weitere Versuche zeigten, hatte dieser Prozess einen Lerneffekt auf das Immunsystem der Mäuse. Denn die Behandlung hatte zur Folge, dass ihr Körper eine Toleranz gegenüber dem Allergen entwickelte und weitere Asthmaanfälle ausblieben.

Nach Ansicht der Forscher ist diese Methode bei verschiedenen Allergien einsetzbar. Bevor sie bei Menschen zum Einsatz kommt, sind allerdings noch weitere Forschungen notwendig.

Hamburg, 20. April 2016 

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