Student isst Reste aus dem Kühlschrank: Stunden später werden ihm Beine und Finger amputiert

Ein 19-jähriger Student wird mit lebensbedrohlichen Symptomen in eine Klinik eingeliefert. Später müssen ihm beide Beine und einige Finger amputiert werden. Eine Impfung hätte den heftigen Vorfall vielleicht verhindern können.

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Ein 19-jähriger Student isst die Reste des Abendessens seines Mitbewohners vom Tag zuvor und erkrankt wenig später so schwer, dass ihm Beine und Finger amputiert werden müssen.

Der medizinische Extremfall sorgt für Aufsehen. Vor allem, weil eine bestimmte Impfung hätte helfen können.

Reste aus dem Kühlschrank: Bakteriengefahr

Das "New England Journal of Medicine" stellte den Fall im März 2021 vor. Aktuell geht die Leidensgeschichte des 19-jährigen Studenten aus den USA viral, nachdem Dr. Bernard Hsu, Professor an der medizinischen Fakultät der University of Illinois und erfolgreicher YouTuber, den Fall in einem ausführlichen Video vorgestellt hat. Über 1,5 Millionen Aufrufe verzeichnet der Clip bereits.

Nachdem der Student, der zu diesem Zeitpunkt alleine zuhause war, mittags die Reste aus dem Kühlschrank gegessen hatte, fühlte er sich schnell unwohl. Kopfschmerzen, Schüttelfrost, starke Übelkeit und Erbrechen sowie Sehstörungen traten innerhalb von wenigen Stunden auf.

Am Abend kam der Mitbewohner des 19-Jährigen nach Hause und berichtete, er habe sich nach dem Essen ebenfalls übergeben müssen. Inzwischen fühle er sich aber deutlich besser. Aufgrund des Erbrechens gingen die beiden Männer von einer Lebensmittelvergiftung aus.

Flecken auf der Haut, steifer Nacken

Am nächsten Morgen – die Nacht hatte der Student unter schweren Schmerzen gelitten – stellte der 19-Jährige dunkle, rötliche Flecken auf seiner Haut fest. Sein Mitbewohner fuhr ihn daraufhin in die Notaufnahme. Auf dem Weg dorthin wurden die Sehstörungen schlimmer. Zudem konnte der junge Mann seinen Kopf kaum noch bewegen, da sein Nacken steif geworden war.

Im Verlauf des Tages erlitt der Student multiples Organversagen: Seine Nieren stelltendie Funktion ein und er musste künstlich beatmet werden.

Die Ärzte konnten zunächst nicht erkennen, woran der 19-Jährige litt. Erst ein Bluttest ergab: Der junge Mann hatte eine schwere Meningokokken-Infektion. Man geht davon aus, dass sich die Bakterien auf den Essensresten aus dem Kühlschrank befanden.

Meningokokken-Infektion: Lebensbedrohlich innerhalb weniger Stunden

Trotz der erfolgten Diagnose konnten die Ärzte nicht mehr rechtzeitig reagieren. Der Student erlitt ein Sepsis. Um sein Leben zu retten, mussten die Mediziner:innen beide Beine und einige Finger amputieren. 26 Tage lang lag der junge Mann im künstlichen Koma.

Eine Meningokokken-Infektion führt schon nach kurzer Zeit zu gravierenden Symptomen – darunter hohes Fieber, Übelkeit und Erbrechen, Schüttelfrost, Gelenk- und Muskelschmerzen, Krämpfe oder Bewusstseinsstörungen. In Zweidrittel aller Fälle ruft die Infektion eine Hirnhautentzündung, eine sogenannte Meningitis hervor.

Dies war bei dem 19-jährigen Studenten allerdings nicht der Fall. Er erlitt eine für die Meningokokken-Infektion ebenfalls typische, aber seltenere Blutstrominfektion. Bei dieser Art von Sepsis werden die Bakterien mit dem Blut durch den gesamten Körper transportiert und die Blutgerinnung gestört. Dies zeigt sich anhand dunkelroter Flecken auf der Haut.

Hätte eine Impfung den Extremfall verhindern können?

Irritierend an dem Fall ist, dass der 19-jährige Student beinahe sein Leben verlor, während sich sein Mitbewohner lediglich eine Nacht schlecht gefühlt hatte. Beide waren vor dem Vorfall gesund.

Es gab allerdings einen gravierenden Unterschied: Der Mitbewohner war gegen Meningokokken geimpft, der 19-jährige Student nicht. Zwar hatte er die erste Dosis der Meningokokken-Impfung als Kind erhalten. Die beiden Nachfolgeimpfungen vier Jahre später hat er sich allerdings nicht geben lassen.

Die Meningokokken-Bakterien, die sich auf den Essensresten befunden hatten, infizierten beide Männer also unterschiedlich schwer.

Dr. Bernard Hsu betont in seinem YouTube-Video direkt zu Beginn, wie selten es durch Essensreste zu einer Meningokokken-Infektion kommen kann. Eine Impfung ist trotzdem sinnvoll.

Hier sehen Sie das ganze Video von Dr. Bernard Hsu: