Nach Leistenbruch-OP sofort nach Hause – wie riskant ist das?

Blitz-OPs retten leben
Blitz–OPs verbessern die Therapie beispielsweise bei einem Leistenbruch © Fotolia

Für immer mehr Patienten geht es schnell wieder nach Hause: sogenannte Blitz-OPs erleichtern den Eingriff beispielsweise bei einem Leistenbruch.

Tagelange Klinikaufenthalte, starke Schmerzen und lange Narben sind für immer mehr Patienten Vergangenheit. Heute sorgen neue Blitz–OPs für revolutionäre Fortschritte in der Medizin. So kann ein Leistenbruch beispielsweise durch ein einfaches Kunststoffnetz beseitigt werden. Die Zahl der ambulanten Eingriffe hat sich in den vergangenen Jahren verdreifacht. Die Vorteile: Zu Hause treten seltener Infektionen auf als in der Klinik. "Darüber hinaus sinkt bei ambulanten OPs das Thromboserisiko", sagt Dr. Claus Peter Möller vom Bundesverband für Ambulantes Operieren. Hier die neuesten und sichersten Methoden:

 

Herzschrittmacher: 30 Minuten für den Takt

Ist der Rhythmus des Herzens gestört, kann ein Schrittmacher Leben retten. Bei zu schnellem Herzschlag muss sich der Patient nach wie vor in die Klinik legen. Bei zu langsamem jedoch dauert die OP bei örtlicher Betäubung nur noch 30 bis 60 Minuten. Der Arzt setzt das Gerät durch einen kleinen Schnitt unterm Schlüsselbein in eine Tasche aus Haut und Muskeln ein. Dann führt er die Sonden durch die Vene zum Herzen. "Verläuft der Eingriff unkompliziert und ist der Patient nach mehrstündiger Überwachung völlig beschwerdefrei, darf er nach Hause", sagt Kardiologe Prof. Bernd Nowak. "Vor der Entlassung findet noch eine Nachuntersuchung statt. So ist das Risiko der ambulanten OP minimal."

 

Leistenbruch: die neue Blitz-Methode

Bei einem Leistenbruch wölbt sich Gewebe durch eine Muskellücke in der Bauchwand. Durch ein Endoskop, eine Art Schlauch, wird ein Kunststoffnetz in die tiefste Gewebeschicht der Bauchdecke eingepflanzt. Sie ist für die Festigkeit der Bauchwand verantwortlich. Trotz Vollnarkose erfolgt der Eingriff ambulant, danach ist man sofort belastbar. Kassenleistung.

 

Grauer Star: Mini-OP für besseres Sehvermögen

Beim grauen Star trübt sich die Linse – das Sehvermögen lässt nach. Einzige Therapie: Die Linse muss entfernt und durch eine künstliche ersetzt werden. Die neueste Methode: Ein "Femtosekunden-Infrarot-Laser" setzt die winzigen Schnitte am Auge so präzise, wie es kein Chirurg mit der Hand schafft. Schon einen Tag nach dem Eingriff können die Patienten wieder gut sehen. Die ambulante OP ist schmerzfrei und risikoarm. Dauer: 10 Minuten pro Linse. Kosten: ca. 2500 Euro für jedes Auge.

 

Krampfadern: Hitze verschließt kranke Venen

Krampfadern ohne Schnitte und Vollnarkose los werden – die "Closure-Fast"-Methode macht's möglich. Über einen Mini-Hautschnitt wird ein Katheter in die erkrankte Vene geschoben und diese mithilfe von Radiowellen auf 120 Grad erhitzt. Das lässt die Krampfader sofort schrumpfen. Direkt danach kann der Patient wieder aufstehen. Kosten: 1200 bis 1400 Euro pro Bein. Private Kassen zahlen, auch einige gesetzliche übernehmen die Kosten (z. B. AOK Baden-Württemberg).

 

Mikrotherapie: sanfte Hilfe für den Rücken

Jährlich werden 60 000 Bandscheiben-OPs durchgeführt – nur 40 bis 70 Prozent der offenen Eingriffe sind erfolgreich. Vielversprechender ist die medikamentöse Mikrotherapie (PRT). Hier werden entzündungshemmende Medikamente millimetergenau an die schmerzende Nervenwurzel gespritzt. Dauer: 20 Minuten. Erfolgsquote bei mittelgroßen Bandscheibenvorfällen: bis zu 90 Prozent. Kasse zahlt bei Überweisung durch Schmerztherapeuten.

 

Gebärmutter: die 90–Sekunden–OP

In Deutschland wird bei 150 000 Frauen pro Jahr die Gebärmutter entfernt – häufig wegen gutartiger Blutungen. Die organerhaltende Alternativ-OP ist die "Endometrium-Ablation". Dabei wird die Gebärmutterschleimhaut innerhalb von 90 Sekunden elektrisch verdampft. Kosten: ab 1000 Euro, nicht alle Kassen zahlen.

 

Tennisarm: OP ohne Wunde

Beim Tennisarm ist der Sehnenansatz entzündet, der die Muskulatur mit dem Ellenbogenknochen verbindet. Letzte Therapieoption ist eine OP. Die neue minimalinvasive Methode benötigt nur einen 0,5 bis 1 cm (statt 5 cm) langen Schnitt. Dabei löst der Arzt die entzündete Sehne vom Knochen. Dauer: fünf Minuten. Vorteile: sofortige Mobilität, keine Wundnaht. Kassen zahlen.

 

Kalkschulter: Mini-Nadel befreit vom Schmerz

Wenn die Schulter höllisch wehtut, liegt's oft an einer Verkalkung der Schultersehne. Eine neue mikroinvasive, ambulante OP verspricht jetzt schnelle Heilung bei der Kalkschulter: Nach einer örtlichen Betäubung wird eine Spezialnadel unter Ultraschallkontrolle ins Kalkdepot eingeführt und der Kalkherd über eine Kanüle abgesaugt. Dauer: 5-10 Minuten. Der Arm ist direkt danach wieder belastbar. Kosten: ca. 180 Euro. Private Kassen zahlen, die gesetzlichen auf Einzelanfrage.

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