Nach langer Alkoholsucht: Ben Wettervogel ist tot

Ben Wettervogel
Der ZDF-Moderator Ben Wettervogel nahm sich am Montag im Alter von 53 Jahren das Leben © Imago

Der langjährige Wetteransager des ZDF Benedikt Vogel nahm sich am Montag nach langer Alkoholsucht das Leben. Erfahren Sie hier, wie Alkoholismus entsteht.

Medienberichten zufolge litt der 53-Jährige Diplom-Meterologe seit Jahren an Alkoholsucht und verlor aufgrund dieser im August letzten Jahres seinen Job beim ZDF. Am Montag alarmierte ein besorgter Freund die Polizei, als er nicht zu einer Verabredung erschien. Rettungskräfte fanden den Moderator tot in seiner Wohnung – er hatte sich erschossen. 24 Jahre lang hatte Benedikt Vogel, der sich selbst in Ben Wettervogel umbenannt hatte, beim ZDF die Wetteransage moderiert.

 

So entsteht Alkoholismus

Alkohol besteht aus Ethanol – ein gefährliches Nervengift. Wer gelegentlich Alkohol trinkt, um ihn zu genießen, muss sich keine Sorgen machen. Wer aber trinkt, um seine Stimmung zu verändern, um locker zu werden oder sich wohl zu fühlen, ist eindeutig suchtgefährdet. Privatdozent Dr. Peter Neu, Arzt, Psychiater und Suchtexperte vom Jüdischen Krankenhaus Berlin: "Wenn Männer mehr als einen halben Liter Bier am Tag trinken, sind sie bereits suchtgefährdet". Das größte Problem: Die Krankheit entwickelt sich schleichend. In den Teufelskreis der Sucht geraten dann viele, ohne es zu merken. Die Droge ist ja auch gesellschaftlich akzeptiert. Empfänge, Geburtstage, Abendsessen – Alkohol spielt dabei immer eine Rolle.

 

Der ganze Körper leidet

Ein weiteres Dilemma bei diesem Leiden: Zu viel Alkoholkonsum lässt sich lange Zeit kaschieren – selbst vor dem eigenen Partner. Die meisten Betroffenen entwickeln ausgeklügelte Strategien. "Sie wissen, wann sie sich einen genehmigen können, ohne aufzufallen. Und vor allem Männer, die viel vertragen, werden ja auch noch bewundert", sagt der Experte. Es nutzt also nichts, Alkohol zu verstecken oder wegzuschütten. Suchtkranke finden immer einen Weg, sich die Droge zu besorgen. Mit schlimmen Folgen: Alkohol schadet in erster Linie der Leber. Diese verfettet sich und entwickelt im Laufe der Zeit eine Leberzirrhose. Giftstoffe können nicht mehr verarbeitet werden, es droht Lebensgefahr. Außerdem legt Alkohol das Gehirn lahm. Konzentration und Gedächtnis leiden, die ganze Persönlichkeit verändert sich.

 

Betroffene benötigen professionelle Hilfe

Nach wie vor wird das Problem zu spät erkannt, auch weil viele Menschen Alkoholismus eher als Charakterschwäche denn als Krankheit sehen. Mit einem schwachen Willen hat das aber nichts zu tun. Helfen kann nur eine Therapie. Dr. Peter Neu: "Zunächst ist eine Entgiftung nötig. Das geht nicht alleine zu Hause, sondern sollte unbedingt unter Aufsicht erfolgen. Es kommt zu schweren körperlichen Entzugssymptomen. Dabei besteht sogar Lebensgefahr. Nur verschreibungspflichtige Medikamente können diese lindern. In einem zweiten Schritt geht es um die Psyche. Die Betroffenen müssen die Krankheit und ihre Zusammenhänge verstehen und mit ihrer eigenen Biografie in Verbindung bringen. Der dritte Schritt ist dann die Wiedereingliedserung in das alltägliche Leben." Selbsthilfegruppen wie die Anonymen Alkoholiker spielen da eine ganz wichtige. Denn der Drang Alkohol zu trinken verschwindet nie ganz. Dr. Neu: "In einer Selbsthilfegruppe ist es möglich, den drängenden Impuls mit anderen zu teilen und so zu beherrschen. Deshalb empfiehlt sich in der Anfangsphase auch, dort täglich hinzugehen."

Hamburg, 4. Februar 2015

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