Nach Kniebeugen auf Intensivstation

Verena Elson

1.000 Kniebeugen absolvierten zwei junge Chinesinnen – mit lebensbedrohlichen Folgen. Ihr Fall zeigt, was passieren kann, wenn man es mit dem Sport übertreibt.

Eine Frau macht Kniebeugen
Kniebeugen sind eine gute Übung für Beine und Po – in einer "normalen" Dosierung sind sie nicht gefährlich Foto:  iStock/Deagreez

Die 19-jährige Studentin Xiao Tang aus der chinesischen Metropole Chongqing kam ins Krankenhaus, nachdem sie mit ihrer Freundin an einer Video-Challenge teilgenommen hatte. Die Aufgabe: 1.000 Kniebeugen zu schaffen.

„Wir wollten beide nicht verlieren, also versuchten wir weiter, uns gegenseitig zu schlagen“, erzählt Tang gegenüber chinesischen Medien, „mit dem Ergebnis, dass wir tatsächlich 1.000 Kniebeugen schafften.“ Die Trainingseinheit dauerte mehr als zwei Stunden – danach fühlte sich Tang erschöpft und ihre Beine schmerzten, davon abgesehen ging es ihr gut. Am nächsten Tag ging sie wie gewohnt zur Arbeit.

Erst als die Studentin am darauffolgenden Tag aufwachte, merkte sie, dass etwas mit ihrem Körper nicht stimmte. „Erstens tat mein Bein nicht nur weh, ich konnte es nicht mehr beugen“, berichtet Tang. „Dann ging ich ins Bad und sah, dass mein Urin braun war.“

 

Brauner Urin: Alarmzeichen für lebensgefährliche Rhabdomyolyse

Nach dieser beunruhigenden Entdeckung ließ sich Tang von ihrem Freund ins Krankenhaus bringen. Die Diagnose der Ärzte lautete „Rhabdomyolyse“ – ihre Muskeln hatten buchstäblich damit begonnen, sich aufzulösen. Durch extreme körperliche Belastung wird bei der Rhabdomyolyse die Hülle um die Muskelzellen zerstört und das Innere der Zelle dringt nach außen. Die abgelösten Bestandteile der Muskeln gelangen ins Blut und müssen von den Nieren abtransportiert werden. Die Nieren können von diesen  „Abfallmengen“ überfodert werden und es droht ein lebensgefährliches Nierenversagen. Während der Rhabdomyolyse geraten große Mengen des Muskelfarbstoffs Myoglobin in die Nieren – dies ist der Grund, warum sich der Urin verfärbt.

Wer nach einer intensiven Sporteinheit bemerkt, dass sein Urin sich dunkel verfärbt, sollte unverzüglich einen Arzt aufsuchen. Ein weiteres Alarmzeichen sind schmerzende Muskeln, die, anders als bei einem gewöhnlichen Muskelkater, kaum noch belastbar sind.

Farbe Urin
Service "Pipi-Code": Was die Urin-Farbe bedeutet

 

Beim Training nicht über die Schmerzgrenze gehen

Rechtzeitig erkannt, ist die Rhabdomyolyse gut behandelbar – mittels Flüssigkeitsinfusionen wird der Urin verdünnt und die Nieren werden durchspült. Auch die beiden Frauen aus China hatten Glück im Unglück: Tang und ihre Freundin, die nach der Video-Challenge ebenfalls in eine Klinik eingeliefert worden war, erholten sich gut.

Eine Ausrede für Sportmuffel ist die Rhabdomyolyse allerdings nicht. Im Gegenteil: Je besser triniert man ist, desto leichter fällt es, die eigenen Kräfte und Grenzen beim Training realistisch einzuschätzen. Die beste Methode, einer Rhabdomyolyse vorzubeugen ist es aus Medizinersicht, auf den eigenen Körper zu hören und Schmerzen und Erschöpfungsanzeichen nicht zu ignorieren.

Quelle:

Asia One (2019): Girl in China does 1,000 squats to compete with friend, ends up in ICU.
https://www.asiaone.com/china/girl-china-competes-friend-do-1000-squats-ends-hospital (Abrufdatum: 01.08.2019)

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