Nach der OP: Wenn der Darm in Schockstarre verfällt

Eine Frau liegt im Krankenhaus
Nach Bauch-Operationen setzt die Darmaktivität häufig für mehrere Tage aus. Deutsche Mediziner haben jetzt einen Trick dagegen gefunden, den jeder selbst anwenden kann © Fotolia

Ein häufiges Problem nach Operationen am Bauch: Der Darm hört für mehrere Tage auf zu arbeiten. Nach langer Suche haben deutsche Mediziner jetzt eine verblüffend einfache Lösung für dieses Problem gefunden. Welche das ist, erfahren Sie hier.

Nach Operationen am Bauch kommt es häufig zu einem sogenannten postoperativen Ileus: Der Darm fällt nach dem Eingriff gewissermaßen in „Schockstarre“ und ist wie gelähmt. Es kann mehrere Tage dauern, bis er wieder aktiv wird und der Patient wieder zur Toilette gehen kann. Dieser Zustand kann die Genesung verzögern und den Krankenhausaufenthalt verlängern.

Mediziner suchen seit Langem nach einer Lösung für dieses Problem: Von einer Umstellung der Anästhesie über eine verfrühte Nahrungsaufnahme nach der OP bis zu kleinen operativen Eingriffen wurden viele Methoden getestet – bisher ohne Erfolg.

 

Placebokontrollierte Studie

In ihrer aktuellen Studie wollten Wissenschaftler der Catharina-Klinik in Eindhoven herausfinden, ob Kaugummigauen den Darm nach einer Operation wieder in Schwung bringen kann.

Dazu teilten sie 120 Patienten, die sich einer Darm-OP unterziehen mussten, in zwei Gruppen ein. Eine Gruppe wurde angewiesen, vor und nach dem Eingriff Kaugummi zu kauen, die Teilnehmer der zweiten Gruppe erhielten ein Placebo-Pflaster für den Bauch. Allen Probanden wurde erklärt, dass sowohl Kaugummis als auch Pflaster gegen Darmträgheit wirken.

 

Kaugummikauen bringt den Darm wieder in Schwung

Gruppe eins begann drei Stunden vor der Operation, Kaugummi zu kauen – und zwar mindestens drei zuckerfreie Kaugummis pro Stunde. Nach dem Eingriff sollten sie möglichst schnell weiterkauen.

Das Ergebnis: Während in der Pflastergruppe 48 Prozent der Patienten fünf Tage nach der OP an einem postoperativen Ileus litt, waren es in der Kaugummigruppe nur 27 Prozent. Kaugummikauer waren im Durchschnitt früher in der Lage, Gas abzulassen und hatten auch früher wieder Stuhlgang als Pflasterträger. Kontrolluntersuchungen ergaben außerdem, dass sich der Magen bei den Teilnehmern der Kaugummigruppe nach der OP schneller entleerte als bei denen der Pflastergruppe.

Die Erklärung der Studienleiter: Durch das Kauen wird das autonome Nervensystem –der Teil des Nervensystems, den wir nicht willentlich steuern können – stimuliert und die Darmtätigkeit wird angeregt.

Hamburg, 5. Februar 2015

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