Nach dem „Berliner Patienten“ – Forscher heilen HIV

HIV durch Gen-Mutation geheilt
Forscher kopieren im Labor eine seltene Gen-Mutation, die zu einer natürlichen Immunität gegen HIV führt © Fotolia

US-amerikanischen Forschern ist es gelungen, mithilfe einer künstlichen Genmanipulation HIV zu heilen. Das nun entwickelte Verfahren soll in Zukunft die funktionelle Heilung von HIV ermöglichen. Praxisvita hat für Sie die Fakten.

Vorbild für das neue Verfahren ist der Fall von Timothy Ray Brown, der 2008 in der Charité in Berlin durch die Transplantation von natürlich mutierten Stammzellen von HIV und Leukämie geheilt werden konnte. Die Heilung des sogenannten „Berliner Patienten“ gilt bis heute als der einzige Fall, bei dem ein mit HIV infizierter Mensch vollständig geheilt werden konnte.

Die aktuelle Studie der Universität von Kalifornien beschreibt ein darauf aufbauendes Verfahren: Im Labor wurde das Genom von menschlichen Stammzellen so verändert, dass es der natürlich vorkommenden, aber sehr seltenen Genmutation gleicht, die im Fall des berühmten „Berliner Patienten“ zur ersten HIV-Heilung geführt hatte. Die Transplantation des künstlich manipulierten Gens soll in Zukunft Stammzellen gegen das tödliche HI-Virus immunisieren.

 

Die Heilung des „Berliner Patienten“

Die berühmt gewordene HIV-Genesung des sogenannten „Berliner Patienten“ Timothy Ray Brown ereignete sich im Jahre 2008. Brown litt zu dieser Zeit nicht nur an HIV, sondern seit 2006 auch an Leukämie. Zur Behandlung des Blutkrebses wurde er an der Charité in Berlin einer sogenannten allogenen Stammzellentransplantation unterzogen, nachdem die chemotherapeutischen Behandlungen keine Wirkung gezeigt hatten. Die dazu verwendete Knochenmark-Spende besaß ein verändertes Gen – das sogenannte CCR5Δ32-Gen, welches in seltenen Fällen natürlich ausgebildet wird.

Die Transplantation zeigte bei einer Kontrolluntersuchung Wirkung – allerdings nicht gegen den Blutkrebs. Mit großer Überraschung stellten die Mediziner fest, dass sich Browns Stammzellen gegen den HI-Virus immunisiert hatten. Wenige Monate später bewiesen weitere Tests, dass der „Berliner Patient“ als der Mensch von einer HIV-Infektion geheilt worden war. Ein Jahr später konnte mit einer weiteren Bluttransfusion auch Browns Blutkrebs erfolgreich behandelt werden.

 

Die Genmutation verschließt die Stammzelle

Bei einer unbehandelten Stammzelle dringt der HI-Virus über den Rezeptor CD4 in die weißen Blutkörper ein. Um sich Zugang zu verschaffen, muss das Virus allerdings einen zweiten Zell-Rezeptor nutzen – den sogenannten CCR5-Rezeptor. Die – mit dem natürlich mutierten CCR5Δ32-Gen – manipulierten Stammzellen verfügen allerdings nicht mehr über herkömmliche CCR5-Rezeptoren, sondern über eine auf die Genmutation zurückgehende, veränderte Zellrezeptoren-Struktur. Die ist für den Virus nicht lokalisierbar. Dadurch wird – wie im Fall von Timothy Ray Brown – verhindert, dass Stammzellen vom HI-Virus über den CD4-Rezeptor befallen werden können. Der HI-Virus wurde erfolgreich ausgesperrt. Der Patient ist geheilt.

 

US-amerikanische Forscher kopierten das Berliner Verfahren

Diesen zufällig entdeckten Effekt des mutierten CCR5Δ32-Gens auf die Stammzellen-Struktur und die damit einhergehende Immunisierung der Stammzellen nach der Transplantation des Gens, machten sich nun US-amerikanische Forscher zum Vorbild und kopierten das Verfahren.

Sie implantierten im Labor künstlich veränderte DNA, bei der die natürliche Mutation des CCR5Δ32-Gens exakt nachgeahmt wird, in menschliche Stammzellen. Das Ergebnis war beeindruckend: Genau wie im Fall von Timothy Ray Brown waren die Stammzellen nach kurzer Zeit absolut immun gegen HIV. 

Durch die Transplantation von Stammzellen, die mit dem mutierten CCR5Δ32-Gen immunisiert worden sind, haben die Forscher nach eigenen Angaben einen medizinischen Durchbruch für die Heilung des HI-Virus erzielt.

Hamburg, 12. Juni 2014

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