Nach 15 Jahren aus Koma erwacht

Verena Elson
Neuronen
Bei Patienten im Wachkoma sind wichtige Verbindungen zwischen Hirnregionen verloren gegangen – französischen Hirnforschern ist es gelungen, sie bei einem Patienten durch Stimulation des sogenannten Vagusnerv wiederherzustellen © iStock

Dieser Mann würde nie wieder aufwachen, da waren sich seine Ärzte sicher – und doch ist einem Team aus Neurowissenschaftlern jetzt die Sensation gelungen: Nach 15 Jahren Wachkoma reagierte der Franzose, als seine Lieblingsmusik gespielt wurde.

Wie in dem Fachmagazin „Current Biology“ berichtet, lag der 35-Jährige seit einem Autounfall vor 15 Jahren im Wachkoma. Seine Augen waren zeitweise geöffnet, aber er starrte ins Leere und reagierte nicht auf Reize. Nach rund zwölf Monaten in einem solchen Zustand geben Mediziner in der Regel die Hoffnung auf Genesung auf – das könnte sich jetzt ändern.

 

Was ist ein Vagusnervstimulator?

Ein sogenannter Vagusnervstimulator kommt normalerweise bei Patienten mit Epilepsie oder Depressionen zum Einsatz. Das Implantat stimuliert den Vagusnerv, der unter anderem für die Steuerung von Herzrhythmus, Verdauung und Schlaf zuständig ist.

Ein Forscherteam um Angela Sirigu vom Centre National de la Recherche Scientifique im französischen Bron wollte nun herausfinden, ob der Vagusnervstimulator auch Patienten im Wachkoma helfen kann. Der Hintergrund: Bei Betroffenen sind wichtige Verbindungen zwischen Hirnregionen verloren gegangen. Die Hoffnung der Wissenschaftler war, diese Verbindungen durch Stimulation des Vagusnervs wieder herzustellen. Für ihr Experiment wählten sie ganz bewusst einen besonders hoffnungslosen Fall – und erlebten dann die Sensation: Ihre Behandlung hatte Erfolg, nach einem Monat mit dem Implantat reagierte der 35-Jährige Patient zum ersten Mal seit 15 Jahren auf äußere Reize.

 

Patient zeigte nach 15 Jahren zum ersten Mal Gefühle

Dem Bericht der Mediziner zufolge erreichte der Patient einen Zustand „minimalen Bewusstseins“. Er konnte seinen Kopf drehen und ein Objekt mit den Augen verfolgen. Zudem berichtete seine Mutter, er könne länger die Augen geöffnet halten, wenn sein Therapeut ihm vorlese. Besonders bewegend für die Familie des Patienten: Als seine Lieblingsmusik gespielt wurde, lächelte er mit einer Gesichtshälfte und seine Augen füllten sich mit Tränen.

Die französischen Hirnforscher planen nun, die Behandlung auch bei anderen Patienten im Wachkoma zu testen.

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