Mythos "Baby Brain" – lässt die Schwangerschaft das Gehirn schrumpfen?

Eine schwangere Frau
Schwangere haben häufig das Gefühl, plötzlich vergesslicher zu sein – doch wissenschaftliche Studien bestätigen die Existenz des sogenannten "Baby Brains" nicht © Fotolia

Die Schwangerschaft verändert das Gehirn der werdenden Mutter – das haben kanadische Wissenschaftler in einer aktuellen Studie herausgefunden. Praxisvita stellt die Studie vor und geht der Frage nach, ob Frauen in der Schwangerschaft wirklich vergesslicher werden.

Wissenschaftler der Universität im kanadischen British Columbia untersuchten in Versuchen mit Ratten, wie sich die Gabe von Östrogen auf das weibliche Gehirn auswirkt. Die Studienergebnisse wurden auf dem "9th Annual Canadian Neuroscience Meeting" in Vancouver vorgestellt.

 

Unterschiedliche Wirkung von Hormonen

Für ihre Experimente wählten die Forscher weibliche Tiere im mittleren Alter. Bei einer bestimmten Variante von Östrogen, dem sogenannten Östron, stellten sie gravierende Unterschiede fest – je nachdem, ob es sich um ein Muttertier handelte oder um ein Weibchen, das nie schwanger gewesen war. Bei Muttertieren bewirkte die Gabe des Hormons eine Verschlechterung der Lernfähigkeit, während sie bei den anderen Tieren die Lernfähigkeit sogar verbesserte.

Obwohl die Experimente mit Tieren durchgeführt wurden, halten die Forscher die Ergebnisse auch bei Menschen für relevant. So sollten sie ihrer Ansicht nach etwa bei der Hormonbehandlung von Frauen in den Wechseljahren berücksichtigt werden: Frauen, die nie schwanger waren, sollten demnach eine Hormontherapie mit Östron bekommen, Mütter dagegen eine Therapie ohne Östron.

 

Gehirn schrumpft während der Schwangerschaft

Doch dies sind nicht die einzigen Veränderungen, die das Gehirn während der Schwangerschaft durchmacht. Schwangere berichten häufig davon, an dem sogenannten „Baby Brain“ zu leiden – sie sind deutlich vergesslicher und zerstreuter als vor der Schwangerschaft.

Als Ursache für dieses Phänomen führen einige Experten die Entwicklung des Gehirns während der Schwangerschaft an: Studien zeigen, dass das Gehirn einer werdenden Mutter während der Schwangerschaft (ca. in der 15. Schwangerschaftswoche) vorübergehend schrumpft – nach der Geburt erreicht es wieder seine normale Größe.

Doch eine kürzlich veröffentlichte US-amerikanische Studie zweifelt die Existenz des „Baby Brains“ an: Darin ließen Wissenschaftler der Brigham Young University schwangere und nicht schwangere Frauen mentale Tests absolvieren mit dem Ergebnis, dass die werdenden Mütter weder im Erinnerungsvermögen noch in Aufmerksamkeitsspanne, organisatorischen Fähigkeiten oder räumlichem Vorstellungsvermögen schlechter abschnitten als die nicht schwangeren Probandinnen.

Die Vermutung der Forscher: Schwangere rechnen so fest damit, vergesslich zu werden, dass sie plötzlich mehr auf Erinnerungslücken achten. Sie sind also gar nicht vergesslicher als zuvor, es fällt ihnen nur stärker auf.

Hamburg, 27. Mai 2015

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