Mysophobie: Die lähmende Angst vor Verschmutzung

Benjamin Müller Medizinredakteur

Krank werden will niemand. Daher halten sich die meisten so weit wie möglich fern von Erregern. Für manche Menschen wird das jedoch zur lebensbestimmenden Furcht. Sie leiden unter Mysophobie.

Mysophobe versuchen Keime um jeden Preis zu meiden.
Mysophobe meiden Keime um jeden Preis. Foto:  iStock Nevena1987
Inhalt
  1. Wie leben mysophobe Menschen?
  2. Die Folgen der Angst
  3. Mysophobie: Eine moderne Erfindung?
  4. Der Weg aus der Krankheit

Freunde umarmen, Tiere streicheln, im Gras sitzen – diese Dinge sind für die Meisten selbstverständlich. Nicht jedoch für diejenigen, die an starker Mysophobie, oder Ansteckungsangst leiden. Selbst kleinste Handlungen, wie das Berühren einer fremden Tischplatte, werden durch diese Angststörung zur Unmöglichkeit.

Das Roche Lexikon Medizin definiert die Mysophobie als „krankhafte Beschmutzungsfurcht, eventuell mit Bakteriophobie; z. B. bei Zwangsneurose“. Diese trockene Definition vermittelt aber kaum den Effekt der krankhaften Angst vor Ansteckung durch Schmutz und Bakterien auf das Leben der Betroffenen.

Krankheiten & Behandlung Angst und Angststörung (Phobie)

 

Wie leben mysophobe Menschen?

Wie viele Angststörungen ist auch die Ansteckungsangst vielfältig in ihren Ausprägungen. Während manche Betroffene so oft wie möglich die Kleidung wechseln um nicht länger „kontaminiert“ zu sein, reinigen andere mehrmals am Tag den gesamten Wohnraum aus Angst vor Erregern.

Geschieht dies nicht, oder kommt der Mysophobiker in Kontakt mit potentiell verschmutzten Oberflächen wie Türklinken oder fremdem Besteck, so kann dies heftige Reaktionen bis hin zur Panikattacke hervorrufen.

 

Die Folgen der Angst

Eine so vom Waschzwang bestimmte Lebensweise bleibt natürlich nicht ohne Folgen. Viele Betroffene klagen beispielsweise über Ekzeme an den Händen durch zu häufiges Waschen. Auch das Immunsystem leidet auf Dauer, und so steigert die Angst vor Ansteckung ironischerweise das Ansteckungsrisiko.

Und auch ein normales Sozialleben wird unmöglich. So vernachlässigen die Betroffenen häufig soziale, familiäre und berufliche Aktivitäten aus Angst vor Verschmutzung. Dadurch kommt es zu einer schleichenden Vereinsamung die Depressionen und Selbstmordgedanken nach sich ziehen kann.

 

Mysophobie: Eine moderne Erfindung?

Und die Angst vor Verschmutzung ist keineswegs ein neues Phänomen. Schon im späten 19. Jahrhundert beschrieben Psychiater derartige Krankheitsbilder als Mysophobie, wie die „Encyclopedia of Phobias, Fears, and Anxieties“ von Ronald M. Doctor, Ada Kahn und Christine Adamec schreibt.

Und selbst der Vater der Psychoanalyse, Sigmund Freud, beschrieb schon 1895 den Fall einer mysophoben Patientin, die „sich hundertmal täglich die Hände wusch und Türklinken nur noch mit dem Ellbogen berühren konnte“.

 

Der Weg aus der Krankheit

Wie so oft liegt der erste Schritt in ein gesünderes Leben in der Erkenntnis, dass ein Problem besteht. Dann sollte ein Psychotherapeut aufgesucht werden um die Diagnose abzusichern und die Behandlung zu planen.

Effektive Therapiemethoden für die Mysophobie können eine Gesprächstherapie zur Ergründung der Ursprünge der Angst, eine kognitive Verhaltenstherapie zur Überwindung der Zwänge sein.

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