Myome: Wie gefährlich sind sie wirklich?

Unerfüllter Kinderwunsch durch Myome
Myome können die Ursache bei ungewollter Kinderlosigkeit sein. Wer häufig Beschwerden im Unterbauch hat, sollte mit dem Frauenarzt sprechen © Fotolia

Abgeschlagen, müde, starke Blutung oder Druckgefühl? Dahinter können Myome stecken – gutartige Tumoren in der Gebärmutter. Rund 20-30 Prozent aller Frauen jenseits des 30. Lebensjahres sind davon betroffen. Praxisvita erklärt, wann behandelt werden muss und was Ärzte dann tun können.

Wie tausend Nadelstiche im Rücken können sich die Schmerzen anfühlen, die ein Myom auslöst. Ein Druckgefühl im Bauch bis hin zu heftigen Schmerzen, starke und besonders lange Regelblutungen sind ebenfalls Indizien. Je nach Lage und Größe des Myoms kommen Verdauungsbeschwerden oder häufiger Harndrang hinzu. ,,In Deutschland haben rund 70 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter Myome", sagt Dr. Ingo von Leffern, Gynäkologe und Direktor der Albertinen-Frauenkliniken in Hamburg. Die gutartigen Tumore im Muskelgewebe der Gebärmutter können klein wie eine Erbse sein, aber auch stark anwachsen oder in großer Zahl auftreten. Das Hormon Östrogen regt ihr Wachstum an. Der Hälfte der betroffenen Frauen bereiten sie Beschwerden.

 

Östrogen regt die Myom-Bildung an

Viele denken aber, die Schmerzen oder starken Blutungen gehörten zum Frausein dazu. Doch das stimmt nicht. Wer Beschwerden hat, sollte mit dem Frauenarzt sprechen. Eine Tast- oder Ultraschall-Untersuchung gibt Klarheit. Auch bei ungewollter Kinderlosigkeit sollte nach Myomen geschaut werden. Sie sind eine mögliche Ursache. Bei einer Schwangerschaft erhöhen sie die Fehl- und Frühgeburtsgefahr. Werden Myome als reiner Zufallsbefund bei der Routineuntersuchung entdeckt und bereiten keine Beschwerden, müssen sie nicht behandelt werden. Sind sie jedoch der Grund für Schmerzen oder Einschränkungen, kommt eine Therapie infrage.

 

Ein Ultraschall sorgt rasch für Klarheit

Sehr häufig wird noch immer die Gebärmutter entfernt. Dies sollte jedoch der letzte Schritt sein. ,,Gerade Frauen mit Kinderwunsch wollen ihre Gebärmutter behalten und suchen nach Therapie-Alternativen", sagt Dr. von Leffern.

Medikamentös können Antiöstrogene – die Gegenspieler des Östrogens – Myome schrumpfen lassen. Doch oft wachsen sie nach dem Absetzen nach. Diese Hormontherapie hat Nebenwirkungen wie Hitzewallungen, Libidoverlust oder Knochenschwäche – wie in den Wechseljahren. Oft wird sie daher nur bei Frauen eingesetzt, bei denen die Wechseljahre kurz bevorstehen. Sind sie eingetreten, schrumpfen die Myome von selbst, da die Östrogen-Produktion zurückgeht. Neu sind Tabletten mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat, speziell zur Myom-Behandlung. Sie blockieren die Wirkung von Progesteron, das in der Gebärmutterschleimhaut vorkommt, und lassen die Gebilde schrumpfen. Vorteil: Es kommt nicht zu wechseljahresähnlichen Nebenwirkungen. Aber: Die Tabletten sind derzeit nur zur Vorbehandlung von einer OP zugelassen.

Sind die Geschwülste groß oder wachsen sie stets nach, dann sollte operiert werden – per Bauchschnitt oder mit mini malinvasivem Eingriff.

 

Nur im Notfall muss operiert werden

Eine andere Möglichkeit ist die Embolisation. Per Katheter werden Kunststoff-Partikel in die das Myom versorgenden Blutgefäße geleitet. Diese werden verstopft – das Myom stirbt danach ab.

Bei dem neuen MRT-gesteuerten, fokussierten Ultraschall wird das Myom gebärmutterschonend durch die große Hitze zerstört. Um diese Therapie zu nutzen, muss das Myom günstig liegen. Wichtig zu wissen: Embolisation und Ultraschall werden nicht von allen Kassen übernommen – klären Sie das vorher ab.

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