Muttermund geöffnet: Hinweis auf den Geburtsfortschritt

Bettina Micka Medizin- und Wissenschaftsjournalistin

Wie stark der Muttermund geöffnet ist, gibt Geburtshelfern wesentliche Hinweise darauf, wie weit eine Entbindung bereits vorangeschritten ist.

Schwangere Frau liegt im Krankenbett
Ein geöffneter Muttermund kann die bevorstehende Geburt ankündigen Foto:  istock/motortion
Inhalt
  1. Muttermund geöffnet: Kann man den Muttermund ertasten?
  2. Gefährdet ein geöffneter Muttermund die Schwangerschaft?
  3. Was bedeutet ein offener Muttermund?

Was bedeutet es, wenn der Muttermund geöffnet ist? Der Muttermund verändert sich bereits gegen Ende der Schwangerschaft in Vorbereitung auf die Geburt. Wie weit der Muttermund geöffnet ist, ist für die Hebamme ein wichtiger Anhaltspunkt dafür, in welcher Phase sich die Geburt befindet. Daher wird sie regelmäßig den Muttermund abtasten.

 

Muttermund geöffnet: Kann man den Muttermund ertasten?

Für diese Frage ist es wichtig, die genaue Lage des Muttermundes zu kennen. Der Gebärmutterhals (Zervix) verbindet den Uterus mit der Scheide. Der Teil, der den Gebärmutterhals mit der Gebärmutter verbindet, wird als innerer Muttermund bezeichnet. Der in die Scheide hineinragende Abschluss des Gebärmutterhalses wird als äußerer Muttermund bezeichnet. Mit zwei in die Scheide eingeführten Fingern lässt sich der äußere Muttermund ertasten. Der Zustand des Muttermundes verändert sich nicht nur während der Geburt, sondern auch im Verlauf des Zyklus. Während der unfruchtbaren Tage ist er fest und geschlossen. In dieser Phase lässt sich der Muttermund leichter ertasten. In den fruchtbaren Tagen um den Eisprung ist dagegen der Muttermund weich und leicht geöffnet. Zudem ist der Muttermund dann schwerer zu ertasten.

 

Gefährdet ein geöffneter Muttermund die Schwangerschaft?

Gynäkologen und Hebammen unterscheiden zwischen einem harten, mittelweichen und weichen Muttermund. Zu Schwangerschaftsbeginn ist der Muttermund fest und geschlossen. Erst wenn der Geburtstermin näher rückt, wird der Muttermund weicher. Vorzeitige Wehen können dazu führen, dass der Muttermund geöffnet ist. Ein vorzeitig offener Muttermund kann zu einer späten Fehlgeburt oder einer Frühgeburt führen. In diesem Fall kann der Muttermund unter Narkose operativ verschlossen werden. Dafür gibt es zwei Methoden. Zum einen kann der Arzt einen sogenannten totalen Muttermundverschluss vornehmen, bei der die beiden Muttermundlippen vernäht werden. Bei der anderen Methode, Cerclage genannt, wird ein Faden um den Muttermund gelegt. Dieser Faden verbleibt dort bis mindestens zur 37. Schwangerschaftswoche (SSW).

 

Was bedeutet ein offener Muttermund?

Vor und während der Geburt wird die Hebamme untersuchen, wie weit der Muttermund geöffnet ist. Da es aber ein Infektionsrisiko birgt, wenn Geburtshelfer den Muttermund abtasten, sollte dies nicht unnötig häufig geschehen. Zu Beginn der Geburt ist der Muttermund etwa so hart wie die Nasenspitze. Am Ende der Geburt ist der Muttermund weich wie ein Ohrläppchen.

Wie weit der Muttermund offen ist, gibt Auskunft über den Fortgang der Geburt. Die Weite des inneren Durchmessers wird in der Geburtshilfe anhand des Tastbefundes in Zentimetern angegeben: geschlossen, Fingerkuppe einlegbar (0,5 Zentimeter), für den Finger durchgängig (ein bis zwei Zentimeter), zwei bis acht Zentimeter, bis auf den Saum vollständig – ein dünner Saum des Muttermundes ist noch tastbar (neun Zentimeter). Ein vollständig offener Muttermund hat einen Durchmesser von zehn Zentimetern. Dann beginnt die Austreibungsphase der Geburt.

In den Wochen nach der Geburt verschließt sich der Muttermund allmählich wieder. Noch einen Spalt weit bleibt der Muttermund geöffnet, damit der Wochenfluss abfließen kann.

Quellen:

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