Mutiertes Coronavirus entdeckt: Ansteckender als das Original?

Mona Eichler Health-Redakteurin

Einer vorab veröffentlichten US-Studie zufolge ist das Coronavirus mutiert. Der neue Stamm könnte ansteckender sein als der bisherige. Er soll laut der Wissenschaftler aber nicht tödlicher sein.

Inhalt
  1. Computergestützte Analyse 
  2. Mutiertes Coronavirus entdeckt: Von Europa in die USA
  3. Ansteckender, aber nicht tödlicher

Forscher der Los Alamos National Laboratory in New Mexico wollen eine Mutation des Coronavirus' SARS-CoV-2 entdeckt haben. Die Wissenschaftler warnen in ihrer Studie vor einer höheren Ansteckungsgefahr. Gleichzeitig betonen sie, dass nicht nachgewiesen werden konnte, dass das mutierte Coronavirus tödlicher als das bisherige sei.

Die vorab veröffentlichte Studie wurde bisher keiner Prüfung unabhängiger Wissenschaftler unterzogen. Darauf wird online hingewiesen.

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Computergestützte Analyse 

Für ihre Analyse werteten die Wissenschaftler um Studienleiterin Bette Kober mehr als 6.000 Coronavirus-Sequenzen aus aller Welt aus. Diese hatte Kobers Team von der Global Initiative on Sharing All Influenza Data (GISAID) – einer teils öffentlichen, teils privaten Non-Profit-Organisation mit Sitz in München – zur Verfügung gestellt bekommen.  

Mithilfe von Wissenschaftlern der Duke University, USA und der britischen University of Sheffield identifizierten die Forscher 14 Mutationen. Wobei eine ihnen Sorgen bereitete: die Mutation mit der Bezeichnung D614G.

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Mutiertes Coronavirus entdeckt: Von Europa in die USA

Der neue Stamm habe sich laut der Forscher der US-amerikanischen Forschungseinrichtung bereits im Februar in Europa ausgebreitet und sei danach an der Ostküste Amerikas aufgetaucht. Im März sei die Mutation in 29 Prozent der weltweiten COVID-19-Fälle gefunden worden, schreiben die Wissenschaftler. 

Der Studie zufolge breite sich das neue Coronavirus schneller aus als der Originalstamm aus dem chinesischen Wuhan. Wo immer D614G aufgetreten war, setzte es sich "innerhalb weniger Wochen" durch, so die Experten.

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Ansteckender, aber nicht tödlicher

Die schnelle Ausbreitung deute darauf hin, dass der neue Stamm infektiöser als der Originalstamm ist. Wieso D614G so dominant ist, konnte noch nicht geklärt werden. 

Allerdings betonten die Virologen um Bette Kober, dass ein höheres Ansteckungspotential nicht bedeute, dass das mutierte Coronavirus tödlicher sei. Eine Stichprobe unter 447 COVID-19-Patienten habe ergeben, dass etwa genauso viele D614G-Infizierte im Krankenhaus behandelt werden mussten, wie Patienten, die den Originalstamm von SARS-CoV-2 in sich trugen. 

Nichtsdestotrotz seien die Untersuchungen wichtig im Kampf gegen die Pandemie: So müsse das mutierte Coronavirus bei der aktuellen Suche nach einem Impfstoff unbedingt berücksichtig werden. Andernfalls bestünde die Gefahr, dass eine Impfung zwar vor dem Virenstamm aus Wuhan schützt, nicht aber vor der mutierten Version. 


Quellen:
Scientists say a now-dominant strain of the coronavirus could be more contagious than original, in: latimes.com
Spike mutation pipeline reveals the emergence of a more transmissible form of SARS-CoV-2, in: biorxiv.org
 

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