Muss meine Gallenblase wirklich entfernt werden?

Die Gallenblase wird heute meistens per Bauchspiegelung entfernt
In 80 Prozent der Fälle können Patienten beschwerdefrei mit Gallensteinen leben. Sollte eine OP dennoch nötig sein, wird die Gallenblase heute meistens per Bauchspiegelung entfernt, bei der nur sehr kleine Schnitte gemacht werden © Fotolia

Verfärben sich Augen und Haut plötzlich gelb? Dann können Gallensteine die Ursache sein. In manchen Fällen hilft nur eine OP, um die Steine zu entfernen. Warum diese heute einfacher und sicherer ist als früher, erfahren Sie hier.

Nach dem Festessen am Weihnachtstag spürte Birgit C. die Symptome zum ersten Mal: Übelkeit, Blähungen und starke Schmerzen im rechten Oberbauch. Sie schob das damals noch auf das reichliche Essen während der Festtage. Doch in den folgenden Wochen wurden die Schmerzen immer stärker. Sie wanderten sogar in den Rücken. Schließlich ging die 45-Jährige zu ihrer Ärztin. Deren Diagnose fiel überraschend aus: Steine hatten nicht nur die Gallenblase der Hausfrau gereizt, sondern auch zu einer Kolik geführt.

 

Acht von zehn Betroffene haben keine Probleme

Frauen leiden doppelt so häufig unter Gallensteinen wie Männer. Früher wurde das dünnwandige, birnenförmige Schleimhautsäckchen, die Gallenblase, fast immer entfernt, wenn sich Steine gebildet hatten. Heute gehen die Spezialisten behutsamer vor, denn in 80 Prozent der Fälle können die Patienten beschwerdefrei mit den Gallensteinen leben. Auch Spätfolgen sind nicht zu erwarten. Ist dennoch eine OP nötig, ist sie für den Patienten vergleichsweise harmlos.

 

Nach wenigen Wochen wieder fit

"Der Eingriff ist heute wesentlich einfacher und sicherer als früher, als immer Bauchschnitte gemacht wurden, um die Gallenblase zu entfernen", sagt Professor Dr. Carolin Tonus aus Hamburg. Der Patient verbringt bei diesem Routineeingriff nur zwei bis vier Tage in der Klinik. Nach maximal sechs Wochen ist er wieder körperlich fit. Vorübergehend kann es allerdings Probleme mit der Verdauung geben.

 

Nur kleine Schnitte nötig

"Die Gallenblase wird heute meistens per Bauchspiegelung entfernt", sagt die Expertin. Dabei werden nur sehr kleine Schnitte gemacht. Die Wunden heilen schneller und die Patienten können rascher wieder aktiv sein. Zudem sieht das Ergebnis kosmetisch besser aus. "Neun von zehn Gallenblasen-Operationen können heute mit dieser minimal-invasiven Technik durchgeführt werden." Das bedeutet: Es sind nur wenige, etwa fünf bis zehn Millimeter große Schnitte erforderlich.

 

Wenig Steine heißt: kleiner Eingriff

In der Regel kann eine Gallenblase problemlos per Bauchspiegelung entfernt werden, solange nur etwa die Hälfte der Blase mit Steinen gefüllt ist. Ist die Gallenblase jedoch vollständig mit Steinen angefüllt, kann deren Bergung schwierig werden. Dann sind unter Umständen größere Bauchschnitte notwendig. "Das gilt auch, wenn eine erhebliche Verdickung der Gallenblasenwand vorliegt, wie sie häufig nach Entzündungen auftreten kann", erklärt die Professorin.

 

Nach OP keine Beschwerden mehr

Grundsätzlich sollten aus heutiger Sicht nur Gallensteine operiert werden, die Beschwerden verursachen. Dabei muss allerdings immer das individuelle Risiko einer Operation mit bedacht werden. Das ist zum Beispiel bei älteren Patienten höher.

Da sie starke Schmerzen hatte, hat sich auch Birgit C. für eine OP entschieden. Schließlich ist die Gallenblase kein lebenswichtiges Organ. Beschwerden hatte sie nach dem Eingriff nicht mehr. Das deckt sich mit den Erfahrungen von Professor Tonus: "Selten beschreiben operierte Patienten ein Völlegefühl nach opulenten Mahlzeiten. Eine spezielle Diät ist nach dem Entfernen der Gallenblase nicht erforderlich."

 

Die Galle hilft uns bei der Verdauung

Die Gallenblase liegt unterhalb der Leber. Sie ist etwa sechs bis zehn Zentimeter lang. In ihr wird ein Sekret der Leber, die sogenannte Galle, aufbewahrt und eingedickt. Zu den wichtigsten Bestandteilen der Gallenflüssigkeit zählen die Gallensäuren: Sie machen die Fette im Speisebrei verdaubar. Außerdem scheidet der Körper über die Gallenblase giftige Stoffe aus. Ist in der Gallenflüssigkeit zu viel Cholesterin enthalten, können sich Gallensteine bilden. Im Einzelfall führen sie zu heftigen Beschwerden und äußerst schmerzhaften Koliken. Fast alle Erkrankungen der Gallenblase haben diese Steine als Ursache. Sie können zum Beispiel die Wand der Gallenblase reizen und zu Entzündungen führen. Koliken entstehen, wenn die Steine den Gallenblasengang verstopfen. Das kann auch zu einer Gelbsucht (Gelbfärbung von Haut und Augen) führen.

 

So schützen Sie Ihren Darm

 

Blutzucker und -fett kontrollieren

Lassen Sie zur Vorbeugung von Gallensteinen regelmäßig vom Arzt Ihre Blutfettwerte überprüfen, vor allem das Cholesterin. Ist es zu hoch, hilft eine Ernährungsumstellung. Besonders häufig sind Gallensteine bei Diabetikern. Für sie ist das Risiko dreimal so hoch wie für Nicht-Diabetiker. Lassen Sie deshalb Ihren Blutzucker optimal einstellen.

 

Auf Cholesterin verzichten

Gallensteine bestehen meist aus Cholesterin, das so stark konzentriert ist, dass es Kristalle bildet. Ein direkter Zusammenhang zwischen dem Fett in unserer Nahrung und dem in der Gallenflüssigkeit besteht zwar nicht. Mediziner raten aber trotzdem, Cholesterin zu sparen. Verzichten Sie deshalb z. B. weitgehend auf Wurst.

 

Kalorien einsparen

Übergewicht und zu energiereiche Ernährung gehören zu den Hauptursachen für Gallensteine. Frauen sollten deshalb im Durchschnitt nicht mehr als 2 000 Kilokalorien pro Tag zu sich nehmen. Aber auch eine radikale Diät kann das Entstehen von Gallensteinen fördern. Denn beim Fasten wird die Galle unterfordert, die Flüssigkeit staut sich auf.

 

Obst essen

Ballaststoffe binden im Darm überflüssiges Cholesterin. Es wird so leichter ausgeschieden und kann sich nicht mehr so stark in der Gallenflüssigkeit anreichern. Ballaststoffe stecken reichlich in Vollkornprodukten, Gemüse und vor allem in Obst.

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