Muss ich mein Blut verdünnen?

Acetylsalicylsäure verdünnt das Blut und wirkt Gefäßverschlüssen entgegen
Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure verdünnt das Blut und wirkt Gefäßverschlüssen entgegen – damit kann das Risiko von Infarkten und koronaren Herzerkrankungen um 30 Prozent gesenkt werden © Fotolia

Schutz vor Herzinfarkten, Vorhofflimmern und Schlaganfällen bietet vor allem eins: Verdünntes Blut. Aber welcher Blutverdünner ist wann der richtige? Muss ich als Gesunder mein Blut verdünnen? Ein deutscher Spitzen-Kardiologe gibt Auskunft.

Sie sind die größte Gefahr für Herz und Kopf, der Risikofaktor Nummer eins bei Infarkten und Schlaganfällen: Blutgerinnsel. Auf der Suche nach einem Gegenmittel versuchen sich Ärzte unter anderem einer Frage anzunähern: Wie kann ich mein Blut effektiv verdünnen? Wie bleibt trotzdem das Blutungsrisiko gering? Denn je stärker das Blut gerinnt, desto größer ist die Gefahr eines Gefäßverschlusses oder der Fortschwemmung von Blutgerinnseln. Im Umkehrschluss gilt: Je besser das Blut fließt und je „verdünnter" es ist, desto weniger können sich lebensgefährliche Pfropfen bilden, die verklumpen und eine der Herz- oder Hirnarterien verstopfen. Doch welche Faktoren lassen das Blutgerinnsel in den Schlagadern oder im Herzen entstehen und wer ist gefährdet? Hauptgrund sind, wie Ärzte wissen, zwei Krankheitsbilder: Herzrhythmusstörungen und Durchblutungsstörungen des Herzmuskels.

Diese Durchblutungsstörungen sind eine Folge von verengten Herzkranzgefäßen – Ärzte sprechen von der koronaren Herzkrankheit. Im schlimmsten Fall kann es zum Verschluss eines lebenswichtigen Kranzgefäßes und damit zum Infarkt kommen. Wer ist gefährdet? Typische Risikofaktoren sind Nikotin, unausgewogenes, fettes Essen, die Zuckerkrankheit Diabetes und Bewegungsmangel.

 

Wie kann ich mich vor Vorhofflimmern schützen?

Bei der koronaren Herzkrankheit liegt der Fokus der Mediziner bei Medikamenten, die die Blutplättchenfunktion hemmen und auf diese Weise das Risiko eines Gefäßverschlusses verringern. Das klassische Mittel ist seit Jahrzehnten Aspirin (Dosierung: 75 bis 100 mg täglich). Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure hemmt das Zusammenballen von Blutplättchen in der Blutbahn, verbessert die Fließeigenschaften des Blutes, verdünnt es sozusagen. Eine Analyse von fünf Studien ergab, dass das Risiko für Infarkte bei koronaren Herzerkrankungen so um bis zu 30 Prozent gesenkt wird. Ob bislang Gesunde mit erhöhtem Risiko den Wirkstoff vorsorglich einnehmen sollen, wird in der Fachwelt noch diskutiert. Denn für den Schutz vor Schlaganfällen oder Infarkten muss man eine erhöhte Gefahr von Blutungen, vor allem im Magen-Darm-Trakt, in Kauf nehmen. Die Risikoabwägung kann nur der Arzt gemeinsam mit dem Patienten entscheiden. Ebenfalls wichtig zu wissen: Inzwischen wurden auch neue Medikamente entwickelt, die nach einem Infarkt zeitweise gleichzeitig mit Aspirin gegeben werden, um die Wirksamkeit weiter zu erhöhen. Die bekannteste dieser Substanzen ist das Clopidogrel – es wird ebenfalls vom Kardiologen verordnet. Die zweite Form der Blutverdünnung dient dazu, Schlaganfälle ebenso wie Blutgerinnsel in den Venen zu vermeiden. Diese entstehen in den Herzvorkammern bei einer Herzrhythmusstörung – insbesondere bei der häufigsten Form dieser Störung, dem Vorhofflimmern – und können bis ins Gehirn fortgeschwemmt werden. Millionen von Deutsche sind betroffen oder bedroht, oft sogar ohne es zu wissen, denn die Symptome spielen sich oft unbemerkt ab. Eine klassische Risikogruppe gibt es nicht.

 

Wie kann ich mich bei einem Schlaganfall schützen?

Fest steht: Aspirin kann hier nichts ausrichten. Stellt der Arzt bei einem EKG zweifelsfrei Rhythmusstörungen fest, muss der Patient, abhängig vom individuellen Risiko, verschreibungspflichtige Blutverdünner einnehmen. Sie reduzieren das Risiko, dass sich ein Blutpfropf bildet und eine Arterie verstopft – speziell beim Schlaganfall – um 80 Prozent. Der hier am häufigsten verschriebene Wirkstoff nennt sich Phenprocoumon (Handelsname: Marcumar). Der Wirkstoff blockiert Vitamin K, das in der Leber für die Bildung von Gerinnungsfaktoren verantwortlich ist. Marcumar behindert in der Leber die Umwandlung von Vitamin K in Gerinnungsfaktoren. Einziger Nachteil: Die Patienten müssen alle vier bis sechs Wochen zum Arzt, um testen zu lassen, ob das Medikament richtig eingestellt ist. Ist die Dosis zu hoch, besteht das Risiko für lebensgefährliche innere Blutungen, ist sie zu niedrig, drohen Schlaganfall und Herzinfarkt.

Seit Kurzem sind auch neuere Substanzen wie Dabigatran (Pradaxa) oder Rivaroxaban (Xarelto) verfügbar, die für geeignete Patienten einen zumindest vergleichbaren Schutz bieten. Ob eine Blutverdünnung erforderlich ist – und wenn ja, mit welcher Substanz -, kann aber nur der Kardiologe entscheiden.

 

Lebensgefährliche Klumpen

Kommt es in einem veränderten Herzkranzgefäß zu einer Blutgerinnselbildung, kann im schlimmsten Fall die Durchblutung und damit die Sauerstoffversorgung des Herzmuskels unterbrochen werden. Die Folge ist ein Infarkt.

Blut verdünnen: Geht das?

Was viele nicht wissen: „Blutverdünner" bedeuten nicht, dass die Mittel das Blut tatsächlich dünner machen, aber: Sie verbessern seine Fließeigenschaften – was einen ähnlichen Effekt hat.

Wer braucht Blutverdünner?

Bei zwei wichtigen Krankheitsbildern muss man sein Blut verdünnen: Bei der koronaren Herzkrankheit und bei bestimmten Herzrhythmusstörungen. Die Wirkstoffe, die sich bewährt haben, sind Phenprocoumon (z.B. Marcumar) und Acetylsalicylsäure (z. B. Aspirin).

Brauchen Gesunde Blutverdünner?

Darüber wird in Forscherkreisen gestritten. Fest steht: Niemand sollte ohne ärztliche Absprache Selbstheilversuche (z.B. mit Aspirin) unternehmen.

Je „verdünnter" das Blut, desto besser der Infarkt-Schutz?

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