Mundgymnastik kann Sprachstörungen heilen

Mundgymnastik wie Lippen- oder Pustebewegungen können bei Sprachstörungen helfen
Mundgymnastik wie Lippen- oder Pustebewegungen können helfen, Sprachstörungen zu therapieren © shutterstock

Bei Sprachstörungen kann eine Mundgymnastik Besserung bringen. Praxisvita verrät, wie diese aussehen.

Es war an einem Samstag. Ich weiß das so genau, weil ich gerade in ein Croissant biss – die leisten wir uns nur am Wochenende zum Frühstück. Und dann, von einem Moment auf den anderen, sah ich meinen Mann plötzlich doppelt, und er sagte mit seltsamer Stimme zu mir: „Lisa, was ist mir dir?" Denn mein rechter Mundwinkel hing nach unten. Als dann auch noch Sprachschwierigkeiten dazukamen, war uns beiden klar: schnell ins Krankenhaus! Glücklicherweise kam ich glimpflich davon. Zwar hatte ich einen Schlaganfall erlitten. Doch das Blutgerinnsel in meinem Kopf konnte mithilfe von Medikamenten aufgelöst werden. Danach erholte ich mich insgesamt recht gut. Nur eine Sache wurde zu meiner großen Verzweiflung überhaupt nicht besser: Auch ein Jahr später litt ich noch immer unter einer schweren Sprachstörung. Ich hatte Probleme damit, die richtigen Worte zu finden und einzelne Gegenstände zu benennen. Zudem redete ich sehr langsam, teilweise richtig schwerfällig.

Mein Arzt erklärte mir, dass Sprachstörungen häufig Folge eines Schlaganfalls sind. Denn wenn die sprach-dominante Hirnhälfte geschädigt wurde, muss die Sprache oft ganz neu erlernt werden. Er verwies mich an eine Logopädin, die sich auf Sprachstörung nach Schlaganfällen (Aphasie) spezialisiert hat – endlich hatte ich wieder Hoffnung! Die Expertin testete zunächst meinen Wortschatz, die Wortfindung und die Grammatik. Daraus stellte sie dann ein Übungsprogramm für mich zusammen mit bestimmten Wort- und Silbenkombinationen, Liedern und kleinen Texten. Dazu gab es eine Art Mundgymnastik mit Lippen-, Zungen- und Puste-Bewegungen. Man nahm sich richtig Zeit für mich und ich sprach, ganz ohne mich zu schämen – und stellte schnell erste Erfolge fest.

„Es kommt immer auf die Schwere des Schlaganfalls, das Alter des Patienten und die Einlieferungszeit ins Krankenhaus an", weiß die Logopädin. „Doch wer sich direkt nach dem Vorfall logopädisch behandeln lässt und dies auch in den folgenden Monaten 2-3 Mal pro Woche einhält, hat gute Chancen, wieder verständlich kommunizieren zu können." Bei mir verbesserte sich der Wortschatz bereits nach neun Monaten deutlich. Auch wenn ich heute immer noch nicht ganz so deutlich spreche wie früher, habe ich durch die Logopädie große Fortschritte gemacht – und mein Selbstbewusstsein zurückerlangt. Ein tolles Gefühl. Weitere Infos gibt es z. B. im Internet bei der

Selbsthilfegruppe: www.aphasiker.de.

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